Fahrbericht Ford Ka

Klein, frech und preiswert

Ford folgt den Spuren des Renault Twingo. Der neue Ka steckt voller Designideen, und er ist klein, frech und preiswert. Dass er noch mehr zu bieten hat, das macht ihn zur Kleinwagen-Überraschung des Jahres.

Ford tut mal wieder was. Ford bringt den Ka, einen Kleinwagen, der nicht nur kleiner ist als üblich, sondern auch billiger. Und Ford haut kräftig auf den Putz. Da wackelt gleich die ganze automobile Weltordnung. „Wir definieren den Begriff des Kompaktfahrzeugs neu“, bringt Richard Parry-Jones den Ka auf den Punkt, womit sich der Mann, der bei Ford für die Entwicklung kleiner und mittlerer Autos zuständig ist, aber nicht begnügen möchte. Denn der kleine Ka könne sich ohne weiteres „auch mit größeren Fahrzeugen der B-Klasse messen“.Und damit zielt er dann sogar in die untere Mittelklasse. Aber Ford tut noch mehr.

Der neue Kleine verkörpere „Stil, Charisma, Substanz, Spaß und Lebensfreude“, was denn auch den Namen erklärt. Ka heißt ein Geist, der Mensch und Gerät mit Vitalität und Lebensfreude beseelt, letztmals zur Zeit der alten Ägypter. Daß er nun ausgerechnet bei Ford wieder aufsteigen soll, dürfte nicht nur Ägyptologen verblüffen. In der Tat läßt sich eine vitalisierende Wirkung nicht leugnen. Der Ford Ka kommt frisch und knackig daher, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Mischung aus geraden Linien und schwungvollen Kurven – Ford-Designer sprechen vom „New Edge Design“ – wirkt originell, und mit seinen knappen Karosserieüberhängen mutet das Auto kompakter an, als es ist. Der Ka misst 3,62 Meter. Damit ist er 21 cm kürzer als der Ford Fiesta, aber immer noch 18 cm länger als der Renault Twingo, der dem Ford in Preis und Anspruch am nächsten kommt. Denn daß der Ka den Spuren des Twingo folgt, vermag auch Fordnicht wegzudiskutieren. Schließlich bedient er sich der gleichen Rezeptur.

Individuelles Styling, kombiniert mit schlichter Technik undreduzierter Ausstattung, ein paarfreche Details, dazu ein Preis deutlich diesseits von 20.000 DM, und der junge Mensch hat den Kleinwagen, den er nach Ansichtder Marketing-Experten verdient: witzig, spritzig und erschwinglich.

Alles weitere ist eineFrage der Interpretation. DieFarben zum Beispiel: Während beimTwingo knallige Töne vorherrschen,wirkt der Ka in diesem Punkt betont dezent. Nicht spießig, aber doch seriös, heißt bei Ford die Devise, wobei gediegene Farben zugleich den vollwertigen Charakter des Autos unterstreichen sollen. Es gibt auch einen profaneren Grund: Gedeckte Farben harmonieren besser mit dem stumpfen Grau der Plastikschürzen. Aber selbst dann wirken die riesigen, unlackierten Prallflächen an Front und Heck noch reichlich schäbig, gerade bei einem Auto, das nicht zuletzt „wegen seines guten Aussehens“ (Parry-Jones) gekauft werden soll. Klar aber auch, daß ein Einstiegspreis von 16 750 Mark nicht vonungefähr kommt, zumal sich der Kain den Schlüsselkriterien Sicherheit,Komfort, Raumangebot und – darauflegt Ford Wert – Fahrvergnügen keine Blößen geben durfte. Seine Crashqualitäten sollen jenen des Fiesta nicht nachstehen, aber für den Beifahrer- Airbag wird ein Aufpreis von 250 Mark berechnet.

Für hinreichendes Komfortpotential sorgt schon die Tatsache, daß der Ka auf der Bodengruppe des Fiesta basiert. Dem entspricht auch der Radstand, der folglich mit 2,45 Metern, gemessen am gedrungenen Ka- Format, besonders üppig ausfällt. Davon profitiert das Raumangebot. Der Ka ist ein vollwertiger Viersitzer, in dem es sich auch auf den Rücksitzen gutaushalten läßt. Die Verrenkungen beimEinstieg halten sich für einenZweitürer in akzeptablen Grenzen.

Der Viertürer bleibt das Privilegder Fiesta-Baureihe. Zugeständnisse verlangt der kürzere Ka beim Gepäck. Je nach Position der geteilten und in ihrer Neigung verstellbaren Rücksitzlehnen faßt der Kofferraum schmale 186 oder 205 Liter, kann aber durch Umklappen der Lehnen auf Reiseformat vergrößert werden. Ansonsten hält der Ka von innen betrachtet, was sein Äußeres verspricht. Alles wirkt frisch und fröhlich, obwohl sich Ford auch hier den Griff in den Farbtopf verkneift. Das tropfenförmige Armaturenbrett sieht witzig aus, ist aber nicht unpraktisch. Das übliche Handschuhfach ersetzt ein drehbarer Zylinder mit Fächern für Musikkassetten und Klein-Utensilien.

Zusätzlich gibt es Staufächer in den Türen und der hinteren Seitenverkleidung, Ausformungen im Boden zum Abstellen von Flaschen und Getränkedosen sowie Netze an den Sitzlehnen, sofern man den Ka mit Sitzpaket (Aufpreis 150 DM, inklusive höhenverstellbarem Fahrersitz) bestellt. Die straff gepolsterten Sitze sind bequem, selbst wenn die Sitzflächen etwas kurz ausfallen. Erfreulicherweise bieten sie auch genügend Seitenhalt, was beim Ka, wie sich unterwegs herausstellt, nicht unwichtig ist. Denn zweifellos sind die Fahreigenschaften das Beste am kleinen Ford. So wie der Ka um die Kurven flitzt, braucht man sich um das versprochene Fahrvergnügen nicht zu sorgen. In puncto Agilität und Fahrstabilität kann er es auch mit sportlicheren Autos locker aufnehmen. Und dass dabei der Federungskomfort nicht zu kurz kommt, macht ihn ganz besonders sympathisch.

Dennoch ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt: Wer den Ford Ka von seiner besten Seite erleben möchte, darf auf die direkter ausgelegte Servolenkung nicht verzichten. Ohne sie ist die Freude am Fahren nur halb so groß, auch wenn die Normallenkung dank reduzierter Reibung und variabler Übersetzung die Handlichkeit nicht über Gebühr beeinträchtigt. Schade nur, daß die Servolenkung nicht als Einzelextra zu haben ist.

Wer die Lenkhilfe wählt, kommt um den stärkeren der beiden zurWahl stehenden Motoren nichtherum, was den Ka auf 18.150 DM verteuert. Dabei ist derLeistungsunterschied gering: Den elektronisch veredelten, ansonsten aber betagten 1,3 Liter-Motor gibt es mit 50 PS oder 60 PS, was subjektiv keinen großen Unterschied macht. Schon die 50 PS-Version des mit 871 kg nicht leichten Ka zieht manierlich durch und überrascht mit vorbildlicher Laufkultur. Was nichts daran ändert, daß auch ein Ka mit mehr Karacho nicht zu verachten wäre. Schön, daß man dies bei Ford genauso sieht. Die tun da nämlich was.

Technische Daten
Ford Ka
Grundpreis 8.692 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3620 x 1639 x 1383 mm
KofferraumvolumenVDA 186 bis 724 l
Hubraum / Motor 1297 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 37 kW / 50 PS bei 4500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 147 km/h
0-100 km/h 18,3 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen:

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Teaser BMW 3er Neuer BMW 3er G20 (2018) Teaservideo zeigt Details
Beliebte Artikel Audi e-tron Neuer Audi e-tron quattro Der Elektro-SUV von Audi Kia ProCeed GT Kia ProCeed GT und Ceed GT im Fahrbericht Shooting Brake optisch und fahrerisch knackig
Anzeige
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Sportwagen Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer - Oberklasse-Limousine - Fahrbericht AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Panamera-Rivale im Fahrbericht Erlkönig Chevrolet Corvette C8 Chevrolet Corvette C8 Zora Mittelmotor-Sportler im Vergleich zum C7-Vorgänger
Allrad Volvo V60 Cross Country (2018) Volvo V60 Cross Country (2018) Neuer Schlechtwege-Kombi Rezvani Tank SUV Rezvani Tank SUV Panzer mit 707 PS
Oldtimer & Youngtimer 50 Jahre Opel GT Hockenheimring 50 Jahre Opel GT Grand Tour mit Röhrl und 75 GT VW Käfer 1302 LS Cabriolet, Frontansicht Top 10 Ranking H-Kennzeichen Die Oldtimer-Charts 2018
Promobil Reisemobil Manufaktur Free Nature Eco (2019) Free Nature Eco Bulli-Ausbau mit coolem Design Emmerich Wohnmobil-Tour Niederrhein Radtouren entlang der Grenze
CARAVANING Der Herbst ist ein guter Zeitpunkt, um beim Kauf eines Reisemobils oder Caravans Geld zu sparen: Die Vorjahresmodelle müssen vom Hof. Günstige Caravans im Herbst Die Schnäppchen-Saison beginnt Camping Mas Nou Campingplatz-Tipp Spanien Camping Mas Nou