Fahrbericht Honda Civic

In der siebten Generation vollzieht der Honda Civic zumindest optisch einen Bruch mit seinen Vorgängern. Der Golf-Konkurrent aus britischer Produktion kommt mit zehn Zentimetern mehr Höhe und einem ungewöhnlich langen Radstand auf den deutschen Markt.

Bislang gehörte ein Honda  Civic in die Kategorie der unscheinbaren Autos, die dennoch jedem gefallen wollen. Darunter litt zwangsläufig das Design, das – mit einer Ausnahme in den achtziger Jahren – stets das Prädikat auffällig unauffällig verdiente. Doch der Erfolg gab Honda Recht: Von den ersten sechs Civic-Baureihen wurden weltweit insgesamt 13,5 Millionen Stück verkauft.

Mit dem Generationenwechsel beim Civic, der ab
3. März 2001 mit der viertürigen Schrägheck-Limousine sowie dem Coupé beginnt, will Honda aber mehr erreichen. Während sich der Preis des neuen noch am alten orientiert, soll das Erscheinungsbild des kompakten Japaners aus britischer Fertigung erstmals überraschen und polarisieren. So verleiht ihm etwa die Kühlluft-Öffnung im vorderen Stoßfänger eine bullige Note, die in der Seitenansicht durch die extrem kurzen Überhänge nochmals aufgegriffen wird.

In Verbindung mit der Gesamtlänge von 4,29 Metern – vier Zentimeter weniger als beim viertürigen Vorgänger – deuten sie auf einen langen Radstand hin. Der rangiert mit 2,68 Metern – sechs Zentimeter mehr als zuvor – tatsächlich am oberen Ende des Klassenspektrums. Entsprechend üppig ist das Platzangebot für die Passagiere, zumal das erst weit hinten abgesenkte Dach zusätzlich für viel Kopffreiheit sorgt.

Außerdem ist es den Technikern gelungen, die Antriebseinheit und dadurch auch den Motorraum sehr klein zu halten, was ebenso zum guten Raumeindruck beiträgt wie das Fehlen einer herkömmlichen Mittelkonsole. Dabei geht der üppige Innenraum nicht zu Lasten des Ladevolumens, das mit 370 Litern auf dem Niveau der Kompaktklasse liegt.

Das luftige Interieur erinnert nicht von ungefähr an eine Großraumlimousine, denn der Civic ist technisch mit dem siebensitzigen Honda Stream verwandt. Spätestens bei der Variabilität endet aber der Vergleich, weil es statt herausnehmbarer Einzelsitze nur eine geteilt umklappbare Rückbank gibt.

Ansonsten herrscht innen der übliche triste Plastiklook, mit zart genarbten Oberflächen zwar, aber ohne herausragende Details oder Materialien. Gegen Aufpreis ist eine Lederausstattung lieferbar, die an Ar-
maturenträger, Türverkleidungen und den Rückseiten der Sitze mit Kunststoffen kombiniert wird. Vier Airbags, eine Klimaanlage und Radiovorbereitung inklusive Lautsprecher gehören dagegen zur Serie.

Erfreulich wirken zudem die leichte Bedienung sowie
die hohe Funktionalität. Hinter dem Lenkrad des Civic findet man sich auf Anhieb zurecht, wenngleich der kurze, griff-günstig hoch aus dem Armaturenträger ragende Schalthebel dann noch einmal an einen Van – wie etwa den Peugeot 806 – erinnert. Der lange Weg zum Fünfganggetriebe führt allerdings zu einer vergleichsweise schwergängigen Schaltung und könnte einige Kunden zusätzlich von den Vorzügen der aufpreispflichtigen Vierstufen-Automatik überzeugen.

Ansonsten gibt es wenig Neues auf dem Antriebssektor. Zunächst sind allein zwei Vierzylinder-Benziner mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum lieferbar, die weitgehend unverändert aus dem Vorgänger stammen. Der schwächere (90 PS) wirkt geringfügig laufruhiger, der stärkere (110 PS) erwartungsgemäß souveräner.

Beide Motoren entfalten erst bei hohen Drehzahlen ihr Drehmoment- und Leistungsmaximum und wirken des-
halb vergleichsweise durchzugsschwach. Gegen Jahresende 2001 bereichert ein Common-Rail-Turbodiesel die Palette, der über 1,7 Liter Hubraum und gut 90 PS verfügen soll und zusammen mit Isuzu entwickelt wurde.

Bei der ersten Ausfahrt präsentiert sich der Civic 2001 überraschend agil. Ein Mangel an Dynamik kann dem neuen Modell nicht vorgeworfen werden. Lenkradbewegungen werden spontan umgesetzt, die elektrische Servolenkung des Civic gehört zu den besten Systemen ohne hydraulische Unterstützung. In schnell gefahrenen Kurven bleibt der kompakte Honda lange neutral und schiebt erst spät über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand.

Auf kleine Fahrbahnunebenheiten reagiert die Federung etwas störrisch, der Komfort auf langen Wellen kann jedoch überzeugen – ein weiteres Verdienst des langen Radstands, der dem Civic nicht nur einen geräumigen Innenraum, sondern auch einen unverwechselbaren Charakter beschert.

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