Fahrbericht Lancia Lybra

In zwei Karosserie-Varianten kommt der Dedra-Nachfolger Lancia Lybra im Herbst auf den deutschen Markt: als Limousine und Kombi. In beiden Lybra-Versionen steckt das deutliche Bemühen des Fiat-Konzerns, Lancia nicht nur mit alten Qualitäten wieder zur nobleren Marke zu machen.

Wenn sich ein Kreis schließt, bleibt offen, ob am Ende, Anfang oder in der Mitte. Der Fiat-Konzern ist auf der Suche nach einer Zukunft für die Tochtermarke Lancia – nicht überraschend, lediglich überraschend spät – nun auf deren Vergangenheit gestoßen. Aber wer erinnert sich heute, daß in den fünfziger und sechziger Jahren Fiats Turiner Konkurrent mit raffinierter Technik und eleganten Karossen zur kleinen, feinen Nobelmarke prosperierte?

Wer weiß denn wirklich, was Lancia einmal war und wie die damals renommierten Aprilia, Aurelia, Appia und Flaminia aussahen? Vielleicht außer dem 43 Jahre alte Kalifornier Michael Robinson, seit 1996 für das Lancia- Design verantwortlich, wohl nur noch eine Handvoll altgedienter Techniker dieser traditionsreichen Marke. Obgleich heute die Fiat- Konzernregie einer strengen Kostenpolitik verschrieben ist, hatte die Lancia-Truppe bei der Entwicklung des Dedra-Nachfolgers weitgehend freie Hand.

Wichtigste Vorgaben dabei: die technische Verwandtschaft zu den Schwestermodellen der Konzernfamilie Fiat Bravo/ Brava, Marea und Alfa 156 – im Hinblick auf Fahrwerkskomponenten und Aggregate. Die Architektur der Lybra- Front ist unverkennbar italienisch. Die kleinen Spotblinker zwischen Rundscheinwerfern und Kühlergrill sowie die Struktur des Grillgitters könnten Assoziationen an den Aurelia B 20 GT-Coupé aus den fünfziger Jahren wecken – oder zur Mercedes E-Klasse, geprägt von dem italienischen Herrn und ehemaligen Mercedes- Design-Chef Bruno Sacco. Jedenfalls äußerlich auffällig und markant, soll der Lybra auch unter seinen elf möglichen Karosseriefarben ein Lancia- Gefühl bieten, das von moder- ner Technik und alter Philosophie inspiriert ist. In den Begriff „Benessere al bordo“ – Wohlbefinden an Bord – hat Lancia diesmal nicht Reminiszenzen an irgendwelche goldenen alten Zeiten gelegt, sondern angenehm wirkende Materialien im Innenraum und hochwertige Ausstattungskomponenten.

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