Fahrbericht Lexus IS 200

Kompakt, handlich, agil, sportlich – der neue Lexus IS 200 soll nach Toyota-Wunsch Edelmarken wie Audi, BMW und Mercedes piesacken. Das technische Rüstzeug dazu hat er.

Läßt der Fahrer beim Einsteigen den Blick über die Rundungen von Motorhaube und Kotflügel streifen, werden Assoziationen wach: Die großen Räder, der kurze Überhang vorn, die seitlich eingeschnittenen Blinker, das könnte auch zu einem Dreier-BMW gehören.

Dies sind nicht die einzigen Ähnlichkeiten, und sie sind auch kein Zufall. Mit dem IS 200 wollte die Toyota-Marke Lexus nicht nur die Modellpalette nach unten erweitern, sondern auch ein betont sportliches Kompaktauto für engagierte Fahrer auf die Räder stellen.

Da wundert es nicht, daß sich die Eckdaten lesen, als seien sie aus einem Prospekt von Alfa Romeo oder BMW abgeschrieben: Der mit 75 u 75 Millimeter exakt quadratisch ausgelegte, zwei Liter große Reihensechszylinder verfügt von der Vierventiltechnik mit zwei Nockenwellen bis zu Schaltsaugrohr und variablen Steuerzeiten auf der Einlaßseite über all jene Zutaten, die man von einem modernen Motor heute erwarten kann.

Und daß seine Charakteristik eine sportliche ist, verdeutlichen seine Leistungsdaten: Die Nennleistung von 155 PS steht bei 6200 Umdrehungen zur Verfügung, das maximale Drehmoment von 195 Newtonmeter bei vergleichsweise hohen 4600 Umdrehungen. Ganz nach Wunsch sportlich oder etwas komfortabler geht es im Getriebe zu: Hier können wahlweise sechs eng gestufte Gänge von Hand sortiert oder vier der Obhut einer elektronischen Automatik- Steuerung anvertraut werden. Wie man sich in dieser Frage auch entscheiden mag, in jedem Fall darf man Hand anlegen an einen zierlichen, chromblitzenden Kugelschaltknauf, womit auch noch ein Schuß Ferrari-Design mit an Bord wäre.

Vom Getriebe fließt die Motorkraft zu den Antriebsrädern, die nicht wie bei der Mehrzahl der übrigen Modelle dieser kompakten Bauart vorn sitzen, sondern hinten. Auf- atmen also bei den Freunden des mit dem Gasfuß eingestellten Driftwinkels.

Und gleich noch mal beim Fahrwerk: Lexus meint es auch hier ernst mit der Sportlichkeit. Das zeigen die doppelten Dreiecksquerlenker vorn und hinten ebenso wie die Reifen der Dimension 205/55 R 16 auf 6,5 Zoll breiten Felgen. Sie bieten den nötigen Platz für eine üppig dimensionierte Bremsanlage, die nahezu unverändert vom größeren Lexus GS 300 übernommen wurde. Wer es noch sportlicher mag, kann – auch in Verbindung mit dem Automatikgetriebe – zusätzlich ein Sportpaket ordern. Es läßt die Felgen auf das Format 7 u 17 Zoll anschwellen, an die sich 215 Millimeter breite 45er Reifen schmiegen. Die straffere Abstimmung von Federn und Dämpfern des Sportpakets bedarf kaum der Erwähnung, wohl aber das Torsen- Differential der Hinterachse: Es ist nämlich nur in Verbindung mit dem Sechsganggetriebe zu haben. Komplettiert wird das Paket mit Optik-Tupfern wie gelochten Sportpedalen und dunkel getönten Scheiben hinten – eine Zutat, die man aber gerade bei einem Lexus eigentlich weniger erwartet hätte.

Und wie fährt sich das neue Auto? Bemerkenswert gut. Das bestimmende Element ist ohne Zweifel die ausgeprägte Handlichkeit des kleinen Lexus. Lenkbefehle werden spontan und exakt kalkulierbar in Richtungsänderungen umgesetzt. Dabei sind dem IS 200 Nervosität oder Ansätze zu Instabilität fremd, und es spielt auch kaum eine Rolle, ob er mit gemächlichem Tempo rollt oder in der Nähe des Grenzbereichs, den er sicherheitshalber leicht untersteuernd aufsucht.

Die Lenkung arbeitet leichtgängig und sehr exakt, läßt aber um die Mittellage Rückstellkräfte und damit Fahrbahnkontakt vermissen, was dem Fahrer beim simplen Geradeausfahren erhöhte Konzentration abverlangt.

Der Federungskomfort der Sport-Version ist naturgemäß etwas eingeschränkt, speziell was das Absorbieren von kurzen Stößen anbelangt, wie sie Kanaldeckel und Schlaglöcher austeilen. Langwellige Verwerfungen werden besser pariert. Einen guten Eindruck machen auch der Abrollkomfort und die Tatsache, daß dem kleinen Lexus Poltergeräusche und Klappereien aus dem Fahrwerk auch bei forscher Fahrt auf schlechten Straßen weitgehend fremd sind.

Ein Komfortmanko stellen dagegen die ausgeprägten Windgeräusche dar, während die Akustik-Kulisse ansonsten Grund zur Freude bereitet. Schließlich geht der neue Vierventiler seiner Arbeit nicht nur nach Art eines BMW-Sechszylinders nach, er klingt auch genauso. Das Triebwerk hängt gut am Gas, Ruckeleien beim Übergang vom und zum Schiebebetrieb sind ihm fremd. Der Spurt vom Stand auf 100 km/h soll in 9,5 Sekunden bewerkstelligt werden, als Höchstgeschwindigkeit gibt Lexus 215 km/h an. Mit serienmäßiger Klimaautomatik, elektrischen Fensterhebern ringsum, Funkfernsteuerung für die Zentralverriegelung, Leichtmetallrädern und Audiosystem mit CD-Wechsler ist die Serienausstattung erfreulich komplett.

Das Ersatzrad ist kein Notbehelf, sondern vollwertig, und das Werkzeug in seiner Nachbarschaft von ordentlicher Qualität. So betrachtet muß die Botschaft der Preisliste als eine der angenehmsten gelten: Das Grundmodell mit Handschaltgetriebe kostet ohne Sportpaket günstige 49 700 Mark. Da kann man wirklich nicht meckern – es sei denn, man ist als Marketing-Stratege bei BMW tätig.

Technische Daten

Lexus IS 200
Grundpreis 27.200 €
Außenmaße 4400 x 1725 x 1420 mm
Kofferraumvolumen 400 l
Hubraum / Motor 1988 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 114 kW / 155 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
Verbrauch 9,9 l/100 km
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