Fahrbericht Lexus LS 430

Himmel hoch drei – mit diesem Slogan bewirbt Toyotas Nobelmarke im wichtigsten Lexus-Markt, den USA, die dritte Auflage ihrer Luxusklasse. auto motor und sport fuhr dort den neuen Lexus LS 430 – in der Tat, ein fast schon himmlisches Vergnügen.

Auf dem Highway ist wieder
mal die Hölle los. Sechsspurig quellen die Autos während der morgendlichen Rushhour Stoß­stange an Stoßstange über die Freeways, die Los Angeles wie die Arme eines Riesenkraken umschlingen.

Die Passagiere des perlmuttfarbenen Lexus LS 430 nehmen den Verkehrsstress nur am Rande wahr – nicht allein, weil sie auf der nahezu leeren Spur für Fahrgemeinschaften staufrei mit 65 Meilen pro Stunde (ca. 105 km/h) dahincruisen können und das Navigationssystem mit seiner Touchscreen-Bedienung zuverlässig und vorausschauend den Weg durch den Asphaltdschungel des Großraums L.A. weist.

Die digitalisierte Karte da-für befindet sich auf einer DVD-Scheibe. Ihre enorme Speicherkapazität kann im
Gegensatz zur herkömmli-
chen CD-ROM das komplette Straßennetz der USA oder auch Europas aufnehmen.

Aber nicht nur das Navigieren macht die Fahrt im Lexus-Flaggschiff so angenehm, sondern vor allem die himmlische Ruhe, die an Bord des japanischen Luxus-Liners herrscht. Die Außenwelt, so scheint es, befindet sich auf einem weit entfernten Planeten. Lexus-Fahren ist wie von einem anderen Stern, auch wenn der LS keinen auf der Haube trägt.

Der Lexus-V8, im neuen Modell durch Aufbohren der Zylinder um 3,5 Millimeter im Hubraum von vier auf 4,3 Liter vergrößert, flüstert nicht. Er schweigt. Nur wenn bei Kickdown die Automatik unmerklich zurückschaltet, ist dezentes V8-Grummeln zu vernehmen, und die 282 PS lassen im Verbund mit bis zu 417 Nm Dreh­moment den Zweitonner ohne jede Anstrengung davonschießen. Optimales Mitschwimmen im Ver­kehrs­strom ermöglicht ein lasergesteuerter Abstandsregeltempomat.

Windgeräusche? Fehlanzeige. Zumindest nicht bei ame-
rikanischem Highway-Tempo. Das erklärt sich möglicherweise durch den cW-Wert von nur 0,25 – auch wenn das Blechkleid des LS 430 nicht danach aussieht. Das Geheimnis liegt, wie so vieles am Lexus, im Verborgenen: Der Unterboden ist fast glattflächig.

Nur das Abrollen der Reifen auf dem rauen Beton der US-Autobahnen dringt hörbar zu den Insassen durch, während die Stöße der mit Querfugen und Schlaglöchern durchsetzten Pisten von der serienmä-
ßigen Luftfederung wirksam weggefiltert werden.

Zum guten Betriebsklima tragen auch die komfortab­len Ledersitze bei – vorne elektrisch einstellbar und stufenlos kühl- oder beheizbar, hinten beim 16 624 Mark teuren Präsidenten-Paket unter anderem mit zusätzlicher Massagefunktion in der Rückenlehne.

Der Fußraum hat wie der Kofferraum (552 Liter) Kingsize-Format. Weil bei unveränderter Karosserielänge von 5,01 Meter der Radstand um 7,5 Zentimeter gestreckt wurde, bietet der Lexus-Fond fast die Beinfreiheit einer langen Mercedes S-Klasse. Die Klima-Automatik funktioniert jetzt in Abhängigkeit von Sonneneinstrahlung und Sitzbelegung, arbeitet aber wegen des größeren Luftdurchsatzes nicht mehr ganz so zugfrei wie im Vormodell.

Nieselregen kommt auf. Die Scheibenwischer setzen sich automatisch in Gang. An den spezialbeschichteten Seitenscheiben und Außenspiegeln perlen die Tropfen einfach ab. Ebenso selbsttätig schalten sich die Xenon-Scheinwerfer ein und aus, und auch die Lautstärke der Stereo-Anlage wird je nach Geschwindigkeit automatisch hoch- und runterreguliert.

Die hintergrundbeleuchteten, dreidimensional erscheinenden Instrumente sind nicht nur informativ, sondern auch schön anzuschauen. Und obwohl in diesem Auto nahezu alles wie von selbst geht, ist jeder Tastendruck, jeder Dreh an einem Knopf oder Schalter ein Vergnügen – kein Wunder, dass sich Hersteller von VW bis Mercedes die Funktionalität und Bedienfreundlichkeit des Lexus zum Vorbild nehmen.

Jetzt runter vom High­way und rauf auf die verwinkelte, bis auf 2500 Meter Höhe führende Passstraße der San Gabriel-Berge im Hinterland der kalifornischen Metropole. Hier ist der Luxus-Liner fühlbar weniger in seinem Element als auf den breiten Freeways. Aber mit der nun direkteren Servolenkung lässt sich der Lexus zielgenauer dirigieren, wenn­gleich der höheren Lenkkräfte wegen nicht mehr ganz so mühelos wie früher.

Beim Herausbeschleunigen aus den engen, noch feuchten Kehren gefällt die sanft einsetzende Antriebsschlupfregelung, und in schnellen Kurven hilft die ebenfalls weich regeln-
de elektronische Stabilitätskontrolle VSC, den Lexus auf Kurs zu halten.

Bergab hinterlassen die jetzt größer dimensionierten Bremsen ein besseres Gefühl als im Vormodell. Zusätzliche Ruhekissen sind die insgesamt sechs Airbags an Bord, inklusive der von vorn bis hinten reichenden Windowbags.

Zurück in Torrance, Sitz der Lexus-US-Zentrale im Süden von L.A., fällt das Aussteigen schwer und die Erkenntnis leicht, warum der LS jenseits des Großen Teichs so erfolgreich ist. „Lexus kann nicht das Prestige europäischer Nobelmarken bieten“, sagt der amerikanische Lexus-Chef Dennis E. Clements, „deshalb konzentrieren wir uns auf Komfort und Service.“ Beispielsweise mit einer Sechs-Jahres-Garantie auf Motor und Getriebe.

Einen Hauch Mercedes gibt es gratis dazu: Schräg von hinten ähnelt der Lexus stark der alten S-Klasse.

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Technische Daten
Lexus LS 430
Grundpreis 72.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5025 x 1830 x 1470 mm
KofferraumvolumenVDA 552 l
Hubraum / Motor 4293 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 207 kW / 282 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,4 l/100 km
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