Fahrbericht Lexus SC 430

In den USA erregt der Lexus SC 430 fast so viel Aufsehen wie das Endspiel um die Super Bowl im Football – vor allem seines aufregenden Klappdachs wegen. auto motor und sport cruiste mit dem 305 PS starken neuen Luxus-Sportwagen durch Los Angeles.

Dieses Auto ist Striptease auf Rädern. Wenn der Lexus SC 430 sein Oberteil ablegt, kann selbst Kurvenstar Pamela Anderson abschnallen.

Bis das japanische Coupé-Cabrio oben ohne dasteht, vergehen nur 25 Sekunden, aber die vollziehen sich für Zu­schau­er aufreizend langsam. Auf Knopfdruck wird das Dach zunächst am Windschutzscheiben-Rahmen entriegelt, gleichzeitig fahren die Seitenfenster runter. Dann schwenkt der Kofferraumdeckel hoch, und das zweigeteilte Dach surrt wie am Schnürchen nach hinten. Über den Rücksitzen klappt es wie ein Taschenmesser zusammen, gleitet geschmeidig in den Kofferraum und wird sachte zugedeckt. Schöner kann man sich kaum an die Luft setzen lassen.

Die Dachnummer ist zwar schon von Mercedes SLK und Peugeot 206 CC bekannt, aber in Los Angeles, der Stadt des Showbusiness, können sich die Leute gar nicht satt daran sehen. Ein Auto, dessen Mar-
kenname von der Mehrheit der Deutschen eher mit einem Schreibfehler als mit der Nobeldivision von Toyota asso-
ziiert werden dürfte, verdreht hier die Köpfe wie mancher
Politiker die Tatsachen.

Ob auf dem lebhaften Hollywood Boulevard oder im feinen Beverly Hills, ob am Santa Monica Pier, an den Golfplätzen von Newport Beach oder Downtown L. A. – wo der Lexus auftaucht, zieht er wie ein Magnet die Magnaten an.

Porsche-Fahrer machen Voll-bremsungen, Jaguar-Owner eilen aus Vorgärten, BMW-Piloten setzen aus Neugier zur Verfolgung an, und auch Mercedes-Besitzer sind sich nicht zu schade, angesichts des japanischen 2+2-Sitzers spontan anzuhalten, auszusteigen und die Lexus-Besatzung mit Fragen zu bombardieren: „Wie teuer? Ab wann zu haben? Kann ich das mit dem Dach noch mal sehen?“

Das Lexus-Image steht in den Staaten auf einer Stufe mit Mercedes, BMW, Porsche und Jaguar. Bisweilen sogar dar-über. 200 000 Autos verkauft Toyotas Luxusmarke dort jährlich – für den SC 430, der am 15. März auf den US-Markt kommt, liegen schon 7500 Bestellungen vor.

Pro Jahr will Lexus jenseits des Großen Teichs 10 000 bis 12 000 SC 430 absetzen. Nach Deutschland rollt der Edelzwi-cker, mit dem die europäischen Nobelmarken gepiesackt werden sollen, erst im August, und nur in homöopathischen Dosen: 200 Exemplare pro Jahr zum Stückpreis von 140 000 Mark.

In den USA kostet die Basisversion 58 455 Dollar, mit Navigationssystem knapp über 60 000. Von den kalifornischen Auto-Anbetern wird sie auf min-
destens 80 000 Dollar taxiert.

Der SC 430 wurde zwar in Japan entwickelt und läuft dort auch vom Band, das Design stammt aber aus dem euro-
päischen Toyota-Stylingcenter in Südfrankreich. „Die Inspiration zu den Linien des Lexus“, so Entwicklungschef Yasushi Nakagawa, „lieferte die Eleganz der Riviera.“

Wer genau hinschaut, sieht aber, dass es wohl eher die Cabrios waren, die dort herum-fahren. Die Fronthaube erinnert an den Audi TT, die Silhouette an den Alfa Spider und das aus
Aluminium gefertigte Klappdach – englisch retractable roof genannt – an den Mercedes SLK.

In Japan, wo Kopieren keine Schande, sondern vielmehr Ausdruck für die Verehrung eines Vorbilds ist, stört das ebenso wenig wie in den USA, wo die Käufer von Luxusautos bei weitem nicht so markengebunden sind wie in Europa.

Aber Lexus wäre nicht Ja-
pans Vorzeigemarke, wenn es nicht auch Vorbildliches gäbe. Der Innenraum zum Beispiel würde jedem Volvo oder Saab zur Ehre gereichen. Helles Holz, Alu-Blenden, weiches Leder und höchster Bedienkomfort verbreiten das Flair ei-
ner skandinavischen Designer-Wohnung. Dieses Interieur regt die Sinne an – Sehen, Riechen, Fühlen: alles ein Genuss.

Das Fahren bereitet ebenfalls Vergnügen. Der 4,3 Liter große Vierventil-V8, der schon im Lexus LS und GS eingesetzt wird, leistet im SC 305 statt
283 PS und stemmt auch etwas mehr Drehmoment (441 Nm bei 3400/min) auf die Kur-
belwelle. Akustisch klingt der Achtzylinder kerniger als in den Limousinen, ohne aber krawallig zu wirken.

Scheinbar mühelos macht sich der 1,7-Tonner beim Tritt aufs Gaspedal von den Socken. Die serienmäßige Fünfstufen-Automatik wechselt die Gänge so geschmeidig und zügig wie eine 100-Meter-Staffel den Stab.

Der SC 430 ist ein Gran
Turismo erster Güte: mit hohen Leis­tungsreserven, hoher Laufkultur und hoher Reisetauglichkeit. Aber nur für zwei. Denn die Rücksitze eignen sich wegen des sehr knappen Knie­raums nicht einmal für Kin-
der im Grundschulalter, und im Kofferraum ist bei geöffnetem Dach nur noch Platz für zwei weiche kleine Reisetaschen.

Eine schmale Plexiglasscheibe im Heck hält als Windschott die Turbulenzen im Innenraum in Grenzen. Fahrer und Beifahrer sitzen für ungetrübtes Cabrio-Feeling weit genug hinter der Frontscheibe.
Sie können die Frischluftzufuhr über das Herunterfahren der Seitenscheiben regeln. Special Effect: Die Klimaautomatik fä-chelt bei geöffnetem Dach und kühlen Außentemperaturen von allein zusätzlich Warmluft in den Fußraum. Zudem lassen sich die Lederpolster über eine feinfühlig dosierbare Sitzheizung wohlig temperieren.

Die Federung ist jedoch nicht frei von Schwächen, das Fahrwerk lässt die Abstammung vom straff ausgelegten GS 430 erkennen. Querfugen werden von den Achsen mit durchdringenden Erschütterungen und lautem Poltern quittiert, und die 18-Zoll-Räder rollen hölzern ab. Das Handling wirkt agil, wenngleich eine gewisse Kopflastigkeit zu spüren ist, und in feuchten Kurven nur
das serienmäßige Stabilitätsprogramm das Heck des hinterradgetriebenen Lexus im Zaum zu halten vermag.

Vertrauen weckt der SC 430 aber nicht nur wegen seiner
Sicherheitsausstattung. In den USA gewährt Lexus vier Jahre oder 50 000 Meilen Basisgarantie, auf Motor und Getriebe sogar sechs Jahre oder 70 000 Meilen. Auch das macht einen Lexus dort zum Traumwagen.

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Technische Daten
Lexus SC 430
Grundpreis 69.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4515 x 1825 x 1370 mm
KofferraumvolumenVDA 321 l
Hubraum / Motor 4293 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 12,0 l/100 km
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