Fahrbericht Lotus Elise 111 S

Sportwagenbau nach englischer Art: Der Lotus Elise 111 S bekommt jetzt nach fast zweijährigen Anpassungsarbeiten als Herzstück den 146 PS starken Rover-Motor und vereint das Gewicht eines Smart mit den Fahrleistungen eines reinrassigen Sportwagens.

Manchmal führen einfache Konzepte auch heute noch zum Erfolg. Kompromißloser Leichtbau ganz im Geist des Firmengründers Colin Chapman und die Konzentration auf pure Fahrdynamik machen den Lotus Elise seit drei Jahren zum Verkaufserfolg und damit zur finanziellen Überlebensbasis für Lotus Cars im englischen Warwick.

Eines hatten viele Elise-Besitzer und Fans trotz der Liebe zum englischen Purismus allerdings oft kritisiert: Der rund 700 Kilogramm leichte Road- ster kam mit den 120 PS aus dem 1,8 Liter-Rover-K-Series- Motor zwar auf sehr respektable Fahrleistungen, das entsprechende Sportwagenfeeling vermißten aber viele, dem Motor fehlte richtiger Punch.

Das ändert sich jetzt: Endlich bekommt der Elise den von Rover so lange angekündigten, 146 PS starken VVC-Motor. Thermische Schwierigkeiten und Probleme mit der variablen Ventilsteuerung (VVC) hatten die Serieneinführung auch bei Lotus um fast zwei Jahre verzögert.

Und endlich darf der kleine Lotus auch den Namen tragen, den ihm seine Entwickler ursprünglich zugedacht hatten. M 111 war der interne Entwicklungscode, bevor der bei der Belegschaft ungeliebte damalige Lotus-Chef Romano Artioli den Namen seiner Tochter Elise durchsetzte.

Um zu zeigen, daß sie es mit dem Zusatz S wie Sport auch ernst nehmen, stuften die Ingenieure das Fünfganggetriebe enger. Außerdem sorgt ein zusätzlicher Heckspoiler bei hohen Tempi für eine Reduzierung des Auftriebs am Heck.

Auch die hintere Achsgeometrie wurde überarbeitet. Die Hinterräder, jetzt in der Dimension 7,5 u 16 Zoll mit 225/45- Reifen, laufen in leicht modifizierter Spur, die Aufhängung der hinteren Längsträger wurde ebenfalls geändert.

Andere Verkehrsteilnehmer sollen den 111 S im Rückspiegel an den jetzt serienmäßigen Plexiglas-Abdeckungen der Scheinwerfer und dem neuen Frontgrill erkennen, der optische Anleihen aus glorreichen Ferrari-Zeiten nimmt. Die neue Armaturenbrett- Verkleidung im Kohlefaserlook und die nun leicht gepolsterten Sportsitze werden Puristen dagegen wohl mit Gleichgültigkeit zur Kenntnis nehmen, zumal die Sitze nichts von ihrem fast schon liebenswerten Charakter einer Folterbank eingebüßt haben. Die Sitzlehnen sind in der Neigung nach wie vor nicht verstellbar, Fahrer und Beifahrer liegen also mehr, als daß sie sitzen.

So dezent sich der 111 S optisch vom Standard-Elise abhebt, so wenig Unterschied merkt man auch im normalen Alltags-Fahrbetrieb. Die längere Übersetzung des ersten und zweiten Gangs ist kaum spürbar, aber der kurze fünfte Gang macht sich bei Autobahnfahrten störend bemerkbar. Selbst bei einer moderaten Reisegeschwindigkeit von 160 km/h liegen 5000 Umdrehungen an der Kurbelwelle an, und mangels Teppichs oder sonstigen Dämmaterials im Innenraum nervt der direkt hinter den Passagieren sitzende Mittelmotor mit lauten Dröhngeräuschen. Aber die Autobahn ist ohnehin nicht das Revier des Elise.

Wer hingegen enge, verwinkelte Landstraßen sucht, wird sie mit dem Elise fast automatisch finden – eher vielleicht als das fahrdynamische Limit, auf dem sich der 111 S bei Bedarf bewegt. Unglaublich schnell läßt sich dieser Sportwagen beschleunigen, verzögern und um Ecken dirigieren. Auf jedem Meter spürt man, daß hier nur knapp fünf Kilogramm pro PS manövriert werden müssen.

Das nominelle Leistungsplus von 26 PS gegenüber dem Serien-Elise gibt den wahren Leistungszuwachs auf der Straße kaum wieder. Freudig dreht der Motor bis an die Grenze von 7000 Umdrehungen. Die Zähigkeit des KSeries- Motors ist dabei vollständig verflogen, und die Getriebeabstufung harmoniert hier ideal mit der Motor- Charakteristik. Störend wirkt dabei lediglich die etwas unpräzise Schaltung. Überschreiten der Haftgrenze beantwortet der 111 S mit Ausbruchversuchen des Hecks.

Nicht weich und rund, sondern schlagartig und aggressiv ist der Lotus im Grenzbereich, typisch eben für einen Mittelmotor-Wagen. Sofern man wach ist und schnell reagiert, ist der 111 S ein Spielzeug, so schön und pur zu fahren wie kaum ein anderer Sportwagen. Verwindungen des Alu-Kastenrahmens sind ihm ebenso fremd wie Lastwechselreaktionen im Grenzbereich. Auf jedem Meter spürt und genießt man die Leichtigkeit der Fortbewegung.

Daß sich das Dach öffnen läßt, um erhitzte Gemüter abzukühlen, ist dabei eine angenehme Nebenerscheinung. 64 400 Mark dafür zu zahlen, am Tag danach mit Kreuzschmerzen und Muskelkater herumzulaufen, das werden viele nicht verstehen. Die Freunde der reinen Lehre werden ihn dafür lieben – ein Lotus Elise, wie er von Anfang an hätte sein müssen: bar jeden Komforts, aber kompromißlos schnell. Schön, daß die Welt manchmal noch so einfach sein kann.

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Technische Daten
Lotus Elise 111 S
Grundpreis 32.927 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3726 x 1701 x 1202 mm
KofferraumvolumenVDA 115 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 107 kW / 145 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 212 km/h
Verbrauch 7,4 l/100 km
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