Fahrbericht Lotus Elise

Sportwagen bestehen nicht nur aus Hubraum und Leistung. Im neuen Lotus Elise garantieren schon vier Zylinder, 1.8 Liter und 122 PS höchstes Fahrvergnügen.

Anthony Colin Bruce Chapman (1928–1982) blickt von dem großen Porträtfoto in seinem einstigen Herrensitz Ketteringham Hall nahe Norwich ­gespannt durch die offene Eingangstür auf den asphaltierten Vorplatz des englischen Castle. Die Techniker der berühmten Renn- und Sportwagenmanu­faktur präsentieren dort den aktuellen Bestseller des Hauses in überarbeiteter Form.

Rund 12 000 Exemplare der ersten Serie des 1995 vorgestellten Elise wurden bisher ver­kauft – Bilanz des erfolgreichsten Lotus-Modells aller Zeiten. Doch sind die alten Qualitäten auch in der neuesten Generation stark und präsent? Wie viel blieb von Chapmans einstigen Leitgedanken übrig?

Jede Menge, for God’s sake. Chapman vertrat stets die Auffassung, dass Sportwagen nicht so sehr durch die Zunahme an Hubraum und Leistung schnellere Rundenzeiten versprechen, sondern vielmehr durch die Abnahme an Gewicht.

Diese einst intuitiv erkannte Wahrheit wird von den Computerauswertungen der modernen Formel 1 belegt: Um auf dem Ho­ckenheimring zwei Zehntelsekunden pro Runde schneller fahren zu können, brauchen Michael Schumacher und Mika Häkkinen zusätzliche zehn PS. Oder, bei gleicher Leistung, zehn Kilogramm weniger Gewicht.

Der modellgepflegte Elise, erkenntlich an den neu gestalteten seitlichen Lufteinlässen, am überarbeiteten Heckdiffusor und an der länger nach hinten ausgezogenen seitlichen Dachlinie, wiegt trocken 710 Kilogramm. Mit Öl, Kühlwasser und 30
Kilogramm Benzin im Tank sollen fahrfertig gerade einmal 756 Kilogramm zusammenkommen, fast 30 Pfund weniger als im Vorgängermodell.

Der Lotus widersetzt sich damit wirkungsvoll dem allgegenwärtigen Trend zum zunehmenden Gewicht durch Modellpflege. Seiner Masse, die etwa dem 1200er-34-PS-Käfer von 1962 entspricht, stehen heute aber 122 PS aus dem 1,8-Liter-Vierzylinder der K-Serie von Rover entgegen. Genug Power, um laut Werk den Spurt von null auf 100 km/h in nur 5,7 Sekunden zu absolvieren.

Bei Tempo 200 halten sich dann Vortrieb und Fahrwiderstände die Waage. Und bis dahin winkt der ganz große Fahrspaß der urigen Art.

Servolenkung? Fehlanzeige. Lotus realisiert im Elise dank der Magerstrategie eine sensible, leichtgängige, gut rückmeldende, exakt reagierende Lenkung ganz ohne elektrische oder hydraulische Unterstützung.

Klimaanlage? Man nehme einfach das Stoffdach samt ­seinen beiden stabilisierenden Spriegeln ab und verstaue es hinten im Kofferraum. ABS? Gibt’s nicht. Im Elise steuert nur der sensible Fuß des Fahrers den Druck der Bremsbeläge auf die belüfteten Stahlscheiben.

Das Fünfganggetriebe mit den eng gestuften Übersetzungen schaltet sich weitgehend exakt und kurzwegig. Nur beim Wechsel vom vierten zum fünften Radpaar lässt der schlanke Knauf ein wenig an guter Führung vermissen.

Das Handling ist im neuen Elise noch eine Spur spontaner und williger geworden als im ohnehin schon lobenswert folgsamen Vorgängermodell. Der Grund liegt im Fahrwerks-Feintuning à la Lotus: Die Einrohr-Stoßdämpfer, jetzt von Bilstein statt von Koni, verfügen über getrennte Druck- und Zugstufen; das kurveninnere Antriebsrad rollt dank neuer Kinematik nicht mehr mit negativem Sturz um eine Biegung, sondern steht neutral bis leicht positiv.

Die Federn wurden gestrafft, das Alu-Chassis versteift, die Räder wuchsen vorn und hinten um je einen Zoll im Durchmesser. Vorn verschlankten die Reifen von 185 auf 175 Millimeter Breite, hinten legten sie zur besseren Abstützung zu (225 Millimeter statt 205).

Der rund 70 000 Mark teure Elise wird ab Dezember in Deutschland verkauft. Ein englischer Weihnachtsgruß – aber wie von Chapman höchstpersönlich.

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Technische Daten
Lotus Elise
Grundpreis 33.742 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3785 x 1719 x 1143 mm
KofferraumvolumenVDA 115 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Verbrauch 7,3 l/100 km
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