Fahrbericht Maserati 3200 GT

Das neue Maserati Coupé repräsentiert Modeneser Sportwagen-Philosophie. Ein 370 PS starker Biturbo-V8-Motor sorgt für ferrariähnliche Fahrleistungen, der neue Besitzer Ferrari für eine moderate Preisgestaltung: 143.000 Mark wird der ab Januar 1999 erhältliche 3200 GT kosten.

Das neue Coupé sieht tatsächlich so aus, wie sich intellektuelle, historisch versierte Italophile einen Maserati vorstellen. Da das Maserati- Wappen in den letzten 16 Jahren nur von einem einzigen, allerdings bis zum Gehtnichtmehr variierten Modell, nämlich dem Biturbo, repräsentiert wurde, und auch die Sportwagen davor durch uniformfreie Individualität glänzten, war das Durchstarten ins nächste Jahrtausend von jeder Altlast befreit. Giorgio Giugiaro mußte mit seinem Design lediglich ebenso exakt eine Phantasievorstellung treffen wie die Ferrari- Entwickler den imaginären Techniknerv des einstigen Modeneser Erzrivalen.

Das neue Coupé mit der spröden Typenbezeichnung 3200 GT vermeidet jede konstruierte Ähnlichkeit mit Maserati- Klassikern anderer Epochen und überlässt selbst allerdezenteste Erinnerungen an 3500 GT, Sebring, Indy, Mistral, Ghibli, Khamsin, Bora oder Merak unverbesserlichen Nostalgikern, die sich zumindest vom Hörensagen noch daran erinnern, wie 1957 Juan Manuel Fangio in einem Maserati 250 F dem Ferrari-Team auf dem Nürburgring derart um die Ohren fuhr, daß er zum fünften Mal Weltmeister wurde. Gleichwohl reflektiert der 3200 GT alles, was sich die Welt von einem 370 PS starken Gran Turismo erwartet: eine breite flache Schnauze mit einem typischen Gesicht, ein klares Profil mit einer markant verzierten Motorhaube, ein Bungalow- Flachdach und ein Heck mit üppigem Schwung.

In der Gußform des Motorblocks und den Konstruktionsmerkmalen V90 Grad, Bohrung T Hub 80 T 80 Millimeter unverändert, hat Ferrari den V8-Biturbomotor im Geiste der Brüder Maserati weiterentwickelt. 370 PS bei 6250/min und ein maximales Drehmoment von 491 Nm bei 4500/min sind stattliche Größen. Der erste, anfangs etwas moderate Beschleunigungsversuch offenbart viel wichtigere innere Werte. Der 3,2 Liter-V8 zieht ohne bemerkenswerte Turboverzögerung ab, durch und an. 

Lange Ansaugwege, kleine, rasch ansprechende IHI-Abgas- Turbinen sorgen für das Ladedruckmaximum bei 2000/min und ein breites nutzbares Drehzahlband, das mit einem Drehmoment von 442 Nm zwischen 2700/min und 5500/ min so elastisch wie ein LaPerla-Damenmieder für Übergrößen ist. Mit jeweils doppelten Querlenkern aus geschmiedetem Aluminium entspricht das Fahrwerk dem aktuellen Standard, der in der Provinz Emilia Romagna selbstverständlich sportorientiert ist.

Obwohl der letzte Formel 1-Einsatz als Motorenlieferant für Cooper 30 Jahre zurückliegt, wird bei den Bremsen von Formel 1-Technologie gesprochen. Dank Ferrari und Brembo handelt es sich bei den vier vorderen Bremskolben, die mit einer Keramikisolierung beschichtet sind, um moderne Verzögerungstechnik. Die elektronischen Steuerungen sind vom E-Gas bis zur serienmäßigen Antriebsschlupfregelung klug miteinander vernetzt und können – gegen Aufpreis – sogar ein brachiales Fahrerlebnis liefern.

Im sogenannten Sport-Paket wird dann nicht nur die Abstimmung der Dämpfer etwas härter, auch das ASR operiert deutlich später, ist der entsprechende Knopf auf der Mittelkonsole gedrückt. Die normale Fahrwerksabstimmung zielt auf jene Kundschaft, die das Coupé im Alltagsbetrieb und damit auch auf feuchten Fahrbahnen verwendet. Über Motor- und Bremseingriff an den Hinterrädern verhindert das ASR dabei eine Übersteuerungstendenz, die bei 370 PS auf der Hinterachse durchaus kernig sein kann.

Verlangt der Körper nach Adrenalin, durchdrehenden Rädern und schwarzen Streifen, darf die Schlupfregelung einfach abgeschaltet werden. Auch mit dem Innenraum trifft der 3200 GT den Gusto einer Kundschaft, die sich laut Marketing aus Individualisten, Coupé-Kunden und Maserati- Liebhabern zusammensetzen wird. Das Platzangebot ist groß genug, um im Familienrat erfolgreich argumentieren zu können, passen doch auch Erwachsene in den Fond, wenn die Vordersitze nur etwas nach vorne gerückt werden. Die Schnörkellosigkeit der Instrumente und Armaturen und die gediegene serienmäßige Lederausstattung summieren sich zu einer Atmosphäre, die nicht gewaltsam mit Geschichte und Klassik parfümiert ist, sondern zielgerichtet sachlich wirkt.

Lenkrad und Schalthebel liegen gut zur Hand, einige Schalter und Hebel schicken Konzerngrüsse von Lancia, und das Holzimitat auf der Mittelkonsole sieht nicht aufdringlich aus. Als Preis kündigt Maserati Deutschland rund 143 000 Mark inklusive Lederausstattung, ASR und zwei Jahre Garantie an, die später lieferbare Automatikversion soll knapp 149 000 Mark kosten. Das Coupé beantwortet auch die Frage, warum der Fiat-Konzern die ehemals marode Marke zur Revitalisierung ausgerechnet dem innigen Konkurrenten Ferrari übergeben hatte. Die Ferrari-Techniker und -Manager, normalerweise in ihrem goldenen Käfig teurer Exclusivität gefangen, können sich bei Maserati in größeren Produktionszahlen und schlankeren Produktionsmethoden austoben, bei Zulieferern Synergieeffekte schaffen und in einem anderen Preis- und Technikbereich operieren.

Außerdem war eine Rechnung fällig, die es noch im Sinne des diesbezüglich manchmal knausrigen Enzo Ferrari zu begleichen galt. Vor dem Krieg waren seine Alfa-Rennwagen den Maserati einmal leistungsmäßig unterlegen gewesen. Daraufhin luden die Maserati- Mechaniker vor der Werkstatt der Scuderia Ferrari einige Ballen Heu ab: als Kraftfutter für die lahmen Ferrari-Pferde. Jetzt hat das Cavallino rampante dem Maserati-Dreizack eine derartige Roß-Kur verpaßt, daß die Zukunft glanzvoller werden kann als die Vergangenheit.  

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Technische Daten
Maserati 3200 GT
Grundpreis 76.234 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4510 x 1822 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 340 l
Hubraum / Motor 3217 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 271 kW / 370 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
Verbrauch 16,2 l/100 km
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