Fahrbericht Mercedes A 190

Mit einem neu entwickelten 1,9 Liter-Vierzylinder und 125 PS stößt der Mercedes A 190 in den 200 km/h-Bereich vor. Eine geänderte Abstimmung des Fahrwerks mit serienmäßigen Leichtmetallfelgen soll mit aufgewertetem Innendesign die Top-Position manifestieren.

Die Außenanmutung könnte kaum unscheinbarer sein. Nur der kleine verchromte Schriftzug am Wagenheck verrät die neue A-Klasse-Potenz, ebenso ein Stückchen Auspuff- Endrohr mit Edelstahl-Tülle. Es zeigt dem Kenner noch ein bißchen mehr, nämlich die Zugehörigkeit zur feudalen Avantgarde-Linie.

Als Classic gibt es das Top-Modell von Untertürkheims Zweitkleinstem erst gar nicht, wohl aber als Elegance, wobei die 16 Zoll-Leichtmetall- räder, bestückt mit Breitreifen des Formats 195/50 R 16, zum serienmäßigen Lieferumfang zählen. Ihr Styling ist brav und ohne die geringste martialische Anmutung – auch hier wird der Wunsch der Designer deutlich, das neue kleine Tempomobil möglichst unauffällig den Verkehr durcheilen zu lassen. Mit Sicherheit ist der A 190 also nichts für jene Klientel, die mit Überrollkäfigen und herumgedrehten Baseballkappen in gebrauchten GTI-Modellen Streife fährt. Seriosität und optische Unauffälligkeit waren offensichtlich dringlichst erwünscht – der A 190 als der oft zitierte Wolf im Schafspelz. Auch die neue Innenanmutung läßt die Herzen der Fans rasender Auto-Zwerge kaum höher schlagen.

Das modifizierte Design mit lederbezogenen Blenden an Instrumententafel und Mittelkonsole, der um drei Zentimeter verkürzte Schalthebel mit seiner metallisch glatten Oberfläche und nicht zuletzt die gepolsterte Mittelarmlehne sorgen weit mehr für den Eindruck von schwäbischer Gediegenheit, die dem A-Klasse-Ambiente bisher bekanntlich fehlte. Ein übriges tun die neu konturierten Sitze, für die es – wie bisher – Lederpolsterung gegen Aufpreis gibt.

Wahlweise sind nun ohne Aufpreis Einzelsitze für das Fond-Abteil erhältlich, keine schlechte Sache, wie sich schnell herausstellt. Was sich da vor Fahrers Auge im Rechteck-Format eines immer noch kümmerlich wirkenden Drehzahlmessers abspielt, reflektiert ein neues Stück Motorenbau, nämlich die von Anfang an geplante 1,9 Liter- Variante des A-Klasse-Vierzylinders, der sich bekanntlich in Unterflur-Bauweise versteckt und nach Öffnen der Luke nur einen häßlichen Luftfilterkasten preisgibt.

Die wahren Werte liegen im Verborgenen: die von 80 auf 84 Millimeter gewachsene Bohrung, der auf 85,6 Millimeter verlängerte Hub (79,5 beim A160), die reibungsarmen Laufbuchsen und die ausgeklügelten Drallkanäle im Zylinderkopf, nicht zuletzt die sehr hohe Verdichtung von 10,8: 1. Heraus kommen nicht nur 125 PS bei 5500/min, sondern auch 180 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 4000/min.

Ein neues Fünfgang Sportgetriebe, bei dem dritter, vierter und fünfter Gang kürzer wurden, sorgt für zusätzliche Munterkeit. Die versprochenen Werte (null auf 100 km/h in 8,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 198 km/h) scheinen nicht nur auf dem Papier zu stehen.

Mit Wucht macht sich der neue und einzige 190er im Mercedes- Programm ans Werk. Deutlicher wird das gegenüber dem 102 PS leistenden 160er vorhandene Plus an Hubraum Fünfgangund Power naturgemäß bei höheren Geschwindigkeiten. 160 km/h stellen sich nun auf freier Autobahn sozusagen im Fußumdrehen ein, wenig später sind es schon 180, die immer noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Trotz relativ hoher Windgeräusche bleibt der kräftige, aber nicht unangenehme Ton des Vierzylinders fast immer präsent. Lobenswert auch der schwingungsarme Lauf, der das relativ hohe Drehzahlniveau zu einer bekömmlichen Angelegenheit werden läßt. Eine Fern-schnell-gut-AKlasse also, zumal sich die Entwickler auch bei der Neuabstimmung des Fahrwerks vom allgemeinen Sportlichkeitswahn fernhielten. Die größte Überraschung besteht in der Ausgewogenheit der Federung, mit einer ungewöhnlichen Geschmeidigkeit beim Abrollkomfort. Auch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP wurde neu abgestimmt.

Es greift jetzt offensichtlich später ein, läßt auch mal, zumindest bei nasser Straße, ein Antriebsrad durchdrehen. Auch hier also keine wilde, sondern gepflegte Sportlichkeit. Sie hat, wie nicht anders bei Mercedes zu erwarten, ihren Preis. Mit knapp 40 000 Mark ist der A 190 kein Schnäppchen, sondern eine der teuersten automobilen Kurzwaren überhaupt.

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