Fahrbericht Mercedes C 240

Vier Jahre nach ihrer Vorstellung unterzieht Mercedes die erfolgreiche C-Klasse einem zweiten dezenten Facelift. Gleichzeitig wird die Motorenpalette um zwei Sechszylinder der neuen V-Generation erweitert. Erste Fahreindrücke vom kleinsten Sechszylinder-Modell dieser Baureihe, dem C 240 mit 170 PS.

Daß die Deutschen der CKlasse müde sind, kann man nicht behaupten: 1996 rangierte der kleine Mercedes mit 120 000 verkauften Exemplaren pro Jahr (minus elf Prozent gegenüber1995) auf Platz zehn der deutschen Bestsellerliste. Nach den ersten vier Monaten dieses Jahres nimmt er Rang sechs ein. Es paßt gut ins Bild der großen Modelloffensive von Mercedes, mit geschickten Modifikationen die Attraktivität etablierter Baureihen zu steigern und so den langfristigen Erfolg der Volumenmodelle zu sichern. Dezente Retuschen an Karosserie und Interieur, eine umfangreichere Serienausstattung und zwei Sechszylindermotoren der neuen V-Baureihe werten die aktuellen Modelle der C-Klasse auf.

Nach der erst vor wenigen Wochen durchgesetzten Preiserhöhung muß der Kunde für die neuen CTypen nicht tiefer in die Tasche greifen als bisher. Woran erkennt man nun den aktuellen C? Etwa an den gefälligeren Front- und Heckschürzen, die seitlich integrierte Spoileransätze aufweisen und im Verbund mit der dezenten Abrißkante auf dem jetzt auch von innen entriegelbaren Kofferraumdeckel einen Hauch von Sportlichkeit suggerieren. Die geringfügig modifizierte Kühlermaske fällt weit weniger ins Auge als beispielsweise die in Wagenfarbe lakkierten seitlichen Stoßleisten und Schwellerverkleidungen. Typisches Merkmal der Limousinen: dunkler getönte, in ihrer markanten Form aber unveränderte Rückleuchten. Neue Radabdeckungen (Linie Classic und Esprit) sowie 16 Zoll- Leichtmetallräder (Sport) vervollständigen die äußerlichen Modifikationen. Auch im Innenraum muß man genau hinsehen, um neu von alt zu unterscheiden. Schwungvoll geformte Türverkleidungen mit größeren Seitenfächern und stoffbespannten Armauflagen erhöhen Nutzwert und Komfort.

Bei der Linie Esprit bringen Sitzbezüge und Verkleidungen zusätzlich Farbe ins Spiel. Die Modellvariante Sport unterstreicht ihren Anspruch durch helle Instrumentenblätter und das Sportlenkrad aus dem Roadster SLK. Mehr Bedeutung als diesen Retuschen gebührt zweifelsfrei der Aufwertung der Serienausstattung, wobei sicherheitstechnische Innovationen aus den größeren Mercedes-Modellen im Vordergrund stehen. So verfügen die C-Typen nun auch über Sidebags, die in den Türen oberhalb der Armlehnen untergebracht sind, und Kraftbegrenzer an den Sicherheitsgurten für die vorderen Passagiere. Die aktive Sicherheit erhöhen der elektronische Bremsassistent, der bei panikartigen Verzögerungsmanövern automatisch den optimalen Bremsdruck bereitstellt.

Mit Ausnahme der leistungsschwächsten Versionen (C 180 und C 220 D) erhalten alle C-Modelle zudem serienmäßig eine Antriebsschlupfregelung. Doch damit nicht genug: Das neue Fahrberechtigungssystem mit der Bezeichnung Elcode, dessen Betätigung mit Hilfe eines elektronischen Türund Zündschlüssels erfolgt, hält auch in der C-Klasse Einzug. Ebenso das aktive Servicesystem, das eine bedarfsgerechte Motorwartung und damit eine Verlängerung der Intervalle auf durchschnittlich 20 000 Kilometer verspricht.

Im Mittelpunkt der Modellpflege aber steht die Einführung von zwei neuen Sechszylindern. Beide gehören zur modernen V-Motorenfamilie, die in einem nagelneuen Werk in Stuttgart gebaut wird. Der 2,8-Liter (197 PS) löst den gleich großen Reihenmotor mit 193 PS im C 280 ab, der 2,4- Liter (170 PS) ersetzt den 2,3 Liter-Vierzylinder mit 150 PS. Wie seine größeren Artgenossen mit 2,8 und 3,2 Liter (in der E-Klasse) besitzt auch der kleine V6 drei Ventile pro Brennraum (zwei Einlaßventile), Doppelzündung und ein Ansaugsystem mit variablen Rohrlängen. Sein Zylinderwinkel von 90 Grad ist für einen V6-Motor ungewöhnlich. Er resultiert aus der Verwandtschaft zu den neuen Achtzylindern, die Mercedes im Sommer dieses Jahres präsentiert. Der Laufruhe zuliebe dreht sich im Aluminiumblock eine Ausgleichswelle gegenläufig zur Kurbelwelle mit gleichem Tempo. Sie soll die bauartbedingten freien Schwingungsmomente des V6 kompensieren. Das gelingt ihr vorbildlich, denn der kompakte V-Motor läuft über den gesamten Drehzahlbereich geschmeidig und so vibrationsarm, daß er den Vergleich mit einem guten Reihensechszylinder wahrlich nicht zu scheuen braucht.

Auch an der Geräuschentwicklung gibt es nichts zu mäkeln: Bis 5000 Touren bleibt der drehwillige V6 akustisch dezent im Hintergrund, dann wird sein Klangbild kernig, aber nicht aufdringlich. In der Leistungsentfaltung vermag er dagegen weniger zu begeistern, weil er gerade im häufig genutzten unteren Drehzahlbereich etwas temperamentlos wirkt. In der Kombination mit Schaltgetriebe nennt das Werk für den knapp über 1,4 Tonnen wiegenden C 240 eine Beschleunigung von 9,3 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 218 km/h. Der Verbrauch beträgt nach ECE-Norm zehn Liter/100 Kilometer.

Diese Werte signalisieren Klassendurchschnitt. In den Fahreigenschaften und im Federungskomfort bietet der aktuelle C ganz das vertraute hohe Niveau. Daß auch mit der Ablösung der Vierzylinder- Version C 230 durch die nominell stärkere Sechszylinder- Variante C 240 keine Preiserhöhung einhergeht, ist begrüßenswert. Der C mit dem kleinen V6 ist ausstattungsbereinigt nicht teurer als sein direkter Vorgänger. Er kostet rund 55 000 Mark und bietet damit eine für Mercedes-Verhältnisse günstige Einstiegsmöglichkeit in die prestigeträchtige Sechszylinderklasse.

Technische Daten
Mercedes C 240 Classic
Grundpreis 31.019 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4516 x 1720 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA 430 l
Hubraum / Motor 2398 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 218 km/h
Verbrauch 9,9 l/100 km
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