Fahrbericht Mercedes C-Klasse Sportcoupé

Letztes Jahr rollte die Limousine der C-Klasse in neuer Form an den Verkaufsstart, nun wird diese Mercedes-Baureihe um die Versionen Sportcoupé und T-Modell komplettiert. Speziell mit dem neuen Einstiegsmodell Sportcoupé will Mercedes über 50 Prozent an neuen Kunden erobern.

Mercedes ist zwar ein Mädchenname, aber mit der holden Weiblichkeit hatte die Daimler-Chrysler-Tochter bislang wenig am Hut.

Einzige Vorzeigedame der schwäbischen Urzelle des Konzerns ist seit über 100 Jahren Berta Benz, und auch bei der Kundschaft fällt die Frauenquote kläglich aus: Die C-Klasse zum Beispiel wurde bisher zu über 90 Prozent von Männern geordert.

Doch im 21. Jahrhundert, in dem Frauen vor allem in der Politik an Macht gewinnen, will auch Daimler-Chrysler seine Augen nicht länger vor der neuen Attraktivität dieser bislang vermeintlich finanzschwachen Klientel verschließen.

Mit dem neuen Sportcoupé auf C-Klasse-Basis wirbt man heftig um frau – rund ein Drittel des Zweitürers sollen an das weibliche Geschlecht gehen.

Das Lockmittel: wie im wahren Leben zunächst einmal das Äußere. Ein dynamisches Styling mit einer im Vergleich zur Limousine verjüngten Frontpartie, einer steil an-
steigenden Seitenlinie und einem markanten Heck, das, so
Mercedes, „bewusst polarisieren soll“, unterscheiden den neuen Latin Lover des Hau-
ses vom arrivierten, aber langweiligen Sparkassen-Direktor-Image der C-Klasse.

Ob das Herz der avisierten Kundschaft beim Anblick des etwas gewöhnungsbedürftigen Hinterteils wirklich höher schlägt, bleibt abzuwarten (siehe Kasten auf Seite 34). Auf Anhieb viel Freude dürften auf jeden Fall die inneren Werte
des als Viersitzer zugelassenen
Automobils bereiten.

Das Sportcoupé misst zwar rund 18 Zentimeter weniger als die Limousine, bietet aber im Klassenvergleich der Zweitürer trotzdem ein gutes Raumangebot auch im Fond und vor allem einen großen, sehr variablen Kofferraum, weil der Radstand unverändert geblieben ist. Der Kürzung fiel in erster Linie der hintere Überhang zum Opfer, während der vordere wuchs, um zusätzlich zu den stilistischen Kunstgriffen die Dynamik zu unterstreichen.

Die neuen Sitze bieten auch anlehnungsbedürftigen Zeitgenossen guten Halt, weil sie stärker ausgeformt sind als bei
der Limousine und so einen sehr körperbetonten Zuschnitt aufweisen. Die Unart der in
der Vergangenheit schon häufig kritisierten mitschwingenden Sitzflächen findet sich jedoch auch hier wieder.

Trotzdem ist der Wohlfühlfaktor hoch, denn der Komfort hat auch unter der strafferen Fahrwerksabstimmung und der an der Hinterachse um zehn Millimeter abgesenkten Karosserie nicht gelitten. Einem etwas steifbeinigen Ansprechverhalten auf kurzen Unebenhei-ten stehen ein hoher Abrollkomfort und geschmeidiges Schluckvermögen auch auf langen Bodenwellen entgegen.

Bequem ist der jüngste
C-Klasse-Entwurf also, aber auch sportlich? Es kommt darauf an, welche Sportart man zu Grunde legt.

Mit der Sprintstärke eines Leichtathleten kann er mühelos mithalten, mit der Eigendynamik eines Balletttänzers nicht ganz. Im Vergleich zur Limousine erweist sich die neue Modellvariante, die serienmäßig auf 16-Zoll-Rädern steht, als agiler und leichtfüßiger, weil das Fahrwerk weniger untersteuernd ausgelegt ist.

Mit der aufpreispflichtigen, geschwindigkeitsabhängigen Parameter-Lenkung (siehe Kas-ten auf Seite 33), die bald auch für die Limousine angeboten wird (Aufpreis 409 Mark), lässt sich das Sportcoupé zudem mühelos dirigieren.

Nimmt man aber einen klassischen Handling-Künstler vom Schlage eines Lotus Elise oder eines Toyota MR-2 als Referenz, so fehlt dem Mercedes jenes dynamische Einlenkverhalten, das den echten Sportwagen vom eher komfortabel ausgelegten Coupé unterscheidet.

Keine Vergleiche muss das Motorenprogramm scheuen. Es beginnt beim 129 PS star-
ken C 180 und reicht über die beiden Kompressor-Versionen C 200 (163 PS) und C 230
(197 PS) bis hin zur Diesel-
version C 220 CDI mit 143 PS.

Zur ersten Ausfahrt stand mit dem C 200 K das Volumenmodell der Baureihe bereit, dessen Kompressor-Vierzylinder perfekt mit dem Zweitürer harmoniert, zumal der lästige Bonanza-Effekt, der noch beim Test der Limousine kritisiert wurde (siehe Heft 14/2000) einem leichten Anfahrtsruckeln gewichen ist. Durch Versteifungen im Antriebsstrang konnten die Mercedes-Techniker dem lästigen Aufschaukeln Einhalt gebieten.

Die Fahrleistungen entsprechen nach Werksangabe dem Viertürer, obwohl einem nur marginal um zehn Kilogramm reduzierten Gewicht ein viel schlechterer cW-Wert gegen-übersteht (0,29 statt 0,26) – nicht der einzige schmerzhafte Tribut an das Design.

Um die ungewöhnliche Gestaltung der Heckpartie im Bereich unterhalb des Spoilers zu realisieren, kommt hier Kunststoff statt Glas zum Einsatz, der mit seinem leicht verzerrenden Effekt die Übersicht nach hinten behindert.

Keinerlei Zugeständnisse müssen wegen des großen, zweiteiligen Panoramadachs ge-
macht werden, das in Zusammenarbeit mit Webasto entwickelt wurde und dessen vorderer Teil nach oben öffnet und sich über dem Dach nach hinten schiebt. Selbst hohe Autobahngeschwindigkeiten erzeugen keine Windgeräusche in diesem Bereich. Wer die Sonneneinstrahlung leid ist, kann per Knopfdruck einfach das hochwertige Rollo ausfahren.

Trotz eines Aufpreises von 2900 Mark rechnen die Mercedes-Marketingstrategen damit, dass über 50 Prozent der verkauften Sportcoupés mit diesen Features ausgestattet werden. Eine hohe Nachfrage erhofft man sich auch von der Sequentronic, einem automatisierten Sechsganggetriebe ohne Kupplungspedal, bei dem durch ein leichtes Tippen des Schalthebels die Gänge gewechselt werden. Kostenpunkt für dieses Extra: 1856 Mark.

Der Erfolg des Sportcou-pés, von dem Mercedes in diesem Jahr weltweit 70 000 und im ersten vollen Verkaufsjahr 78 000 Einheiten absetzen will, hängt nicht zuletzt vom Preis ab: Die Basisversion hält mit
47 212 Mark (C 180) immerhin einen Respektabstand zur Limousine, die in der vergleichbaren Version rund 2700 Mark mehr kostet.

Wer jedoch Wert auf Sportlichkeit legt, der kommt um das Ausstattungspaket Evolution (3480 Mark, für den C 230 Kompressor 2100 Mark) nicht herum, denn das hier mitge-
lieferte Sportfahrwerk und die 17-Zoll-Breitreifen sollen die Agilität des Zweitürers zusätzlich steigern.

Bleibt die für Männer nicht ganz unwichtige Frage, ob der jüngste Wurf aus dem Haus Mercedes womöglich das Stigma eines reinen Frauenautos trägt. Doch keine Angst: Spe-ziell in der Ausstattungsvariante Evolution AMG (ab 6160 Mark) mit Alufelgen, Front- und Heckschürze sowie Auspuff-Endrohrblenden und Sportpedalanlage vom Mercedes-Veredler AMG rollt das Sportcoupé in unverwechselbarer, maskuliner Optik daher.

Und die dürfte vor allem den Herren der Schöpfung gefallen.

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