Fahrbericht Mercedes E 270 CDI

Die Diesel stürmen die letzten Bastionen der Benziner. Neue CDI-Motoren für die facegeliftete E-Klasse machen die Wahl zur Qual. auto motor und sport fuhr den E 270 CDI mit 170 PS.

Man mag es kaum glauben: 1800 Bauteile will Mercedes für das Facelift der E-Klasse erneuert oder geändert haben (siehe auch Vorstellung in Heft 12/99).

Das sieht man dem Auto kaum an. Die wesentlichen Innovationen liegen unter dem Blech, und sie betreffen zweifellos die neuen Dieselmotoren, die nun alle auf dem Stand der Technik mit Common Rail-Direkteinspritzung arbeiten. Der Einstieg in die schöne neue Dieselwelt beginnt jetzt mit dem E 200 CDI, dessen Leistung im Vergleich zum Vorgänger um 14 PS auf 116 PS angehoben wurde. Als angenehme Begleiterscheinung ging der Leistungszuwachs mit einem Drehmomentanstieg von 235 auf 250 Newtonmeter einher.

Noch etwas höher stieg die Leistung des E 220 CDI, der jetzt dank Turbolader mit variabler Geometrie auf 143 PS kommt und ein maximales Drehmoment von 315 Newtonmeter entwickelt. Die beiden Vierzylinder sind zugleich jene Aggregate, die dem ursprünglichen Ziel der Dieseltechnik am nächsten kommen: der Wirtschaftlichkeit. Denn E 200 CDI und E 220 CDI zählen nicht nur zu den preiswertesten Modellen der E-Klasse überhaupt, sie liegen auch im Verbrauch mit knapp über sechs Liter/100 km im neuen Eurozyklus ausgesprochen günstig. Ganz oben in der Diesel-Hierarchie der E-Klasse rangiert nun der E 320 CDI. Er löst mit seinem 3,2 Liter-Sechszylinder den alten Vorkammer-Motor im E 300 Turbodiesel ab.

Seine 197 PS, mehr aber noch sein gewaltiges Drehmoment von 470 Newtonmeter machen ihn zum Favoriten unter den Dieselsprintern seiner Klasse (siehe auch Kasten unten links). Er liegt natürlich auch im Preis, im Verbrauch und in den Festkosten an der Spitze. Als bester Kompromiß zwischen Spurten und Sparen bietet sich da der E 270 CDI an. Sein Fünfzylinder ersetzt den müden Direkteinspritzer im E 290 Turbodiesel, der es mit Zweiventiltechnik und der im Spitzendruck beschränkten Verteiler-Einspritzpumpe nur auf 129 PS und 300 Newtonmeter brachte. Der E 270 CDI, wie alle CDI-Motoren ein Vierventiler, bietet hier einen wahren Leistungssprung.

170 PS und ein Drehmoment von 370 Newtonmeter lassen auf fast sportliche Fahrleistungen schließen, die den Vergleich zum Benziner im E 280 nicht zu scheuen brauchen. Und im Normverbrauch versprechen die Zahlen (9,4 L/100 km in der Stadt, 5,4 über Land und 6,9 gesamt) bei etwas zurückhaltender Fahrweise ein erhebliches Sparpotential.

Die Erwartungen werden, zumindest was den subjektiven Eindruck angeht, nicht enttäuscht. Der Fünfzylinder geht mit einer Vehemenz zu Werke, daß man geneigt ist, sich zu vergewissern, ob trotz korrektem Typenschild nicht doch versehentlich ein Sechszylinder unter der Haube steckt. Insbesondere im mittleren Drehzahlbereich entwickelt er eine Schubkraft, die selbst in den oberen Gängen noch eindrucksvoll ist.

Die vom Werk versprochene Höchstgeschwindigkeit (220 km/h) stellt sich daher, freie Bahn vorausgesetzt, selbst mit Automatik scheinbar mühelos ein, und die Beschleunigung auf 100 km/h in wenig mehr als neun Sekunden wird wahrscheinlich ebenfalls keine Mühe machen, wenn sie je notwendig sein sollte. Eine spürbare, turbodieseltypische Anfahrschwäche gilt es dabei zu überwinden, die im weiteren Verlauf des Beschleunigungsvorgangs durch schieren Schub abgelöst wird. Die Fünfgangautomatik (Aufpreis 3468,40 Mark) trägt diesem Umstand insofern Rechnung, als sie erst bei 1800 Umdrehungen den Wandlerschlupf spürbar reduziert. Sie schaltet weich und perfekt der jeweiligen Situation angepaßt, wobei die Höchstdrehzahl bis zur Abregelgrenze (4600/min) nicht in Anspruch genommen wird.

Wer dies möchte, kann mit dem aus der S-Klasse bekannten manuellen Modus durch seitliches Antippen des Schalthebels die Gänge bis zur Grenzdrehzahl festhalten. Es bringt aber nichts – nicht einmal im Geräusch, das im oberen Drehzahlbereich nur sehr dezent, ohne dieseltypische Klänge aus dem Motorraum dringt. Lediglich in der unteren Teillast, wenn der Motor nach Schubphasen aus der Leerlaufdrehzahl hochläuft, bis der Wandler zupackt, wird leichtes Nageln vernehmlich.

Das jetzt bei allen E-Klasse-Modellen mit ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) ausgerüstete Fahrwerk läßt sich erwartungsgemäß auch vom hohen Drehmoment der durchzugsstarken Diesel nicht aus der Ruhe bringen. Die Antriebsschlupfregelung wird bei trockener Fahrbahn nur in den unteren Gängen bei Kurvenfahrt aktiv. Und fahrdynamisch bedingte, elektronische Bremseneingriffe lassen sich bei hohen Reibwerten nur mit Gewalt provozieren.

Nach wie vor überzeugend sind die hohe Funktionalität und die Geräumigkeit der E-Klasse. Die neu gestalteten Instrumente sind, mit Ausnahme des Displays unter dem Tacho, auch dank Verzicht auf bunte Hinterleuchtung sehr gut ablesbar, die Sitze lassen sich mit einer neuen elektrischen Sitzhöhen- und Lehnenverstellung noch besser positionieren, und vom Multifunktionslenkrad kann man per Tastendruck Radio, Bordcomputer oder Telefon (falls vorhanden) bedienen. Doch dieser Annehmlichkeiten bedarf es nicht unbedingt, um den wesentlichen Fahreindruck des Mercedes E 270 CDI herauszufinden: viel Vergnügen.

Zur Startseite
Technische Daten
Mercedes E 270 CDI Classic
Grundpreis 41.795 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4818 x 1799 x 1441 mm
KofferraumvolumenVDA 520 l
Hubraum / Motor 2688 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch 7,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
Mittelklasse Nio ET Preview Nio ET Preview Zukunftslimousine mit 510 Kilometern Reichweite Audi S5 TDI Audi S5 TDI (2019) Für Europa nur noch mit Diesel
Sportwagen VW ID.R. - Rekordfahrzeug Nordschleife - 2019 Elektro-Rennwagen VW ID. R F1-Technik für Nordschleifen-Rekord Erlkönig Porsche 911 Targa Porsche 911 Targa (992) Fast offen, aber ungetarnt
Tech & Zukunft Volvo Slippery Road Alert Volvo Hazard Light Alert und Slippery Road Alert Sicherheitssysteme serienmäßig und nachrüstbar Carsten Breitfeld Byton-Vorstandsvorsitzender Carsten Breitfeld geht Chinesisches Elektroauto-Start-up verliert Mitgründer
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken