Fahrbericht Opel Vectra 1,6

Wenn der neue Opel über die Straßen rollt,wird man ihn unschwer als Opel identifizieren können: Optisch und technisch ist ein Feinschliff statt revolutionärer Neuerungen angesagt.

Der Vectra ist tot – es lebe der Vectra. Nach siebenjähriger Vorherrschaft in der Mittelklasse war das Ende seit längerem abzusehen, doch der Generationswechsel verspricht Kontinuität über den Namen hinaus. Auch der Nachfolger des beliebten Opel-Modells, das sich mit seinem populären Wesen lebhaften Zuspruch und zumeist einen Platz unter den Top ten der deutschen Zulassungsstatistik erwarb, wird als echter Vertreter seiner Marke zu erkennen sein, wenn er ab 21. Oktober gegen Mitbewerber wie Audi A4, Ford Mondeo oder Renault Laguna antritt. Zweifellos bietet das behutsam weiterentwickelte Design gute Erfolgsaussichten für den neuen Vectra, von dem Opel 400 000 Autos pro Jahr verkaufen will.

Trotz verbesserter Aerodynamik (cW-Wert 0,28) und veränderter Proportionen, die von einer vorgezogenen Frontscheibe und dem kurzen, hoch aufragenden Heck geprägt sind, werden den überwiegend gesetzten, gutbürgerlichen Kunden keine radikal neuen Ansichten zugemutet. Für stilistischen Pfiff sorgen allein die hintere Abrißkante sowie zwei ausgeprägte Sicken auf der Motorhaube, die seitlich in die Außenspiegel münden. Dabei kaschiert das filigrane Äußere durchaus geschickt, daß bei Leergewicht (plus 90 Kilogramm) und Abmessungen nennenswerte Zuwächse festzustellen sind: Um 4,7 Zentimeter nahm die Stufenheck-Variante in der Länge zu, um 0,7 Zentimeter in der Breite und um 2,8 Zentimeter in der Höhe. Wichtiger erscheint jedoch der um vier Zentimeter längere Radstand, der neben dem Fahrkomfort vor allem der Beinfreiheit im Fond (plus 2,7 Zentimeter) zugute kommt.

Der Fahrer registriert zwar eine gute Sitzposition mit erweitertem Verstellbereich sowie eine befriedigende Übersichtlichkeit der Karosserie, aber kein besonders üppiges Raumgefühl. Wie beim Omega machen sich das Armaturenbrett und die Mittelkonsole vorne ziemlich breit. An den Bedienungselementen, zu denen nun Drehgriffe für Heizung und Lüftung sowie ein Umluftschalter gehören, gibt es außer den zu tief plazierten Tasten für die elektrischen Fensterheber und der fummeligen Radio-Fernbedienung am Lenkrad wenig auszusetzen. Wie bisher kann man zwischen der hier vorgestellten Stufenheck-Version und einem Schrägheck-Modell mit großer Ladeklappe wählen, für das sich in der Vergangenheit jedoch nur jeder fünfte Käufer entschied.

Schließlich verfügt die Rückbank in beiden Varianten über eine Durchladeeinrichtung, und sie läßt sich zum Transport sperriger Güter getrennt umlegen, wodurch der 500 Liter (Schrägheck 480) fassende Kofferraum auf maximal 790 Liter vergrößert werden kann. Allerdings muß man das Gepäck jeweils über eine relativ hohe Ladekante hieven. Opel gibt schon dem Grundmodell eine ordentliche Serienausstattung mit. Neben Servolenkung und Zentralverriegelung mit Fernbedienung haben alle Varianten zeitgemäße Sicherheitsmerkmale wie Doppelairbag, ABS und Gurtstraffer vorn an Bord, die man gegen Aufpreis um eine dritte Kopfstütze im Fond erweitern kann.

Zusätzlich stehen sportliche oder komfortorientierte Pakete für die Basis und das Topmodell CD zur Auswahl, die deutlich günstiger als die darin enthaltenen Einzelextras kalkuliert sind. Wichtige Veränderungen gibt es auch auf dem Antriebssektor. Von den beiden Dieselmotoren wurde nur der stärkere mit Turboaufladung und 82 PS in den neuen Vectra übernommen, während das Spektrum der Benziner wie gehabt vom 1,6 Liter-Vierzylinder (jetzt mit 75 PS) bis zum 2,5 Liter-Sechszylinder (170 PS) reicht. Allerdings handelt es sich dabei – außer beim Basistriebwerk – durchweg um Vierventiler der neuen Ecotec-Generation, die schon aus anderen Opel-Modellen bekannt sind.

Für erste Fahreindrücke stand die Version 1.6 16 V mit 100 PS zur Verfügung, die 1675 Mark mehr als der Zweiventiler kostet. Der Vectra mit diesem Motor, der sein maximales Drehmoment von 150 Nm bei 3200/min erreicht, gefällt mit spontaner Gasannahme und befriedigendem Temperament, ohne mehr zu konsumieren als das Basistriebwerk (Euromix 6,7 Liter Super auf 100 Kilometer). Dafür tritt er aber – wie bereits im Astra – relativ rauh und brummig auf. Das macht sich besonders unangenehm bemerkbar, weil die Wind- und Abrollgeräusche deutlich gesenkt wurden. Für das angestrebte höhere Komfortniveau verordnete Opel dem Vectra neben aerodynamischem Feinschliff auch ein weitgehend neu konzipiertes Fahrwerk, das auf die übliche Verbundlenker- Hinterachse verzichtet. Statt dessen gibt es eine aufwendige Mehrlenker-Konstruktion und an der Vorderachse einen separaten Fahrschemel.

Tatsächlich verheißt das neue Modell gegenüber seinem Vorgänger spürbare Fortschritte in der Komfort-Disziplin, ohne freilich an die Klassenbesten wie Audi A4 und Citroen Xantia heranzureichen. Die großzügig dimensionierten, bequemen Sitze tragen ebenso dazu bei wie die auf Bodenwellen geschmeidig ansprechende Federung. In Verbindung mit der direkter übersetzten, weniger stößigen Servolenkung kommt das auch der Handlichkeit zugute: Der Vectra fährt sich leichtfüßig und agil, dazu unbeirrbar gutmütig mit einer dezenten Neigung zum Untersteuern. Zur gestiegenen Lenkpräzision paßt die verbesserte Schaltung des Fünfganggetriebes, das aber immer noch beim Einlegen des Rückwärtsgangs die gewünschte Leichtgängigkeit und Exaktheit vermissen läßt.

Auf Wunsch gibt es für alle Ecotec-Aggregate eine Viergangautomatik, die in Verbindung mit den 1,8 und Zweilitermotoren ohne Zutun des Fahrers in die Neutralstellung schaltet, wenn der Wagen steht. In den Entwicklungskosten von 2,5 Milliarden Mark sind aber auch Investitionen enthalten, die erst in Zukunft einfließen werden. So ist das Display des Bordcomputers bereits für den Einbau eines Navigationssystems gerüstet, und schon in einem Jahr soll ein besonders sparsamer Direkteinspritzer- Diesel die Motorenpalette ergänzen. Für Kombi-Käufer, denen ein Astra zu klein und ein Omega zu groß ist, steht dann erstmals zusätzlich ein Vectra Caravan zur Verfügung. Schöne Aussichten also für den neuen Vectra, der auch mit seinem Grundpreis von 30 950 Mark volkstümlich geblieben ist. Zu einer Ein-Preis-Politik für alle Karosserievarianten nach dem Muster von Ford konnten sich die Opel-Bosse jedoch nicht durchringen: Wie bisher kostet schon das Schrägheck- Modell 625 Mark mehr als die Stufenheck-Variante.

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