Fahrbericht Peugeot 406 SL/ST

Unverkennbar ein Peugeot: Die neue Mittelklasse-Limousine 406 wurde in den Familienzug der französischen Marke à la 306 gesteckt. Unter dem Blech des 405-Nachfolgers steckt aber eine ganze Menge neuer Technik-Ideen.

Es ist anzunehmen, daß es der neue 406 war, über den Gérard Welter, der ehemalige Chefdesigner von Peugeot, stolperte. Welter, jetzt unter dem früheren Mercedes-Designer Murat Günak nur noch im Rang eines Leiters Exterieur, hatte der Marke mit dem Löwen gelungene Entwürfe wie den 205 geschaffen. Aber er hat es offenbar versäumt, neben peugeottypischem Design auch noch andere Werte zu entwickeln. Murat Günak: „Ein Peugeot ist klar als Peugeot zu identifizieren. Aber Kreativität und Dynamik sind für den Kunden nicht erkennbar – weil sich das Thema wiederholt.“

Sein Ziel als nunmehr oberster Wächter des sauberen Strichs im Peugeot-Design: „Peugeot braucht charakterstarke Autos mit mehr Schmiß.“ Der neue 406, den noch Welter entworfen hat, entspricht diesem Idealbild wohl nicht. Die französische Schwesterzeitschrift von auto motor und sport, „L’ Automobile magazine“, warf den Peugeot-Vordenkern sogar Einfallslosigkeit vor: „Ein überwiegend deutsches Profil“ nannte „L’ Automobile“ die Seitenansicht des 406, die in weiten Teilen an jene des BMW-Dreiers erinnere – identische Kurven an der C-Säule, gleicher Winkel an der B-Säule sowie der Heckabschluß wurden als Belege aufgeführt.

Peugeot sieht das freilich anders: Dort qualifiziert man die neue Mittelklasse-Limousine als „Gesicht in der Menge – ein Peugeot, der muskulös, aber elegant wirkt“. Bei dem 406, der im Oktober dieses Jahres in den Handel kommt, macht Peugeot gegenüber dem über acht Jahre lang gebauten 405 Fortschritte an allen Fronten geltend. Für das Auto wurde sogar in eine neue, teure Plattform investiert, obwohl der Radstand nur um drei Zentimeter auf 2,70 Meter wuchs. Der 406 wurde aber gegenüber dem Vorläufer um sieben Zentimeter breiter und erhielt eine neue Mehrlenker- Hinterachse und Fahrschemel vorn – Entwicklungsposten, die eine andere Bodengruppe unumgänglich machten.

Ohne Zweifel ist das Outfit des 406 im Frontbereich besonders gefällig: Mit der flachen Motorhaube und der breiten Spur steht die Limousine satt auf der Straße. Die neuen, schräggestellten Scheinwerfer sind im Stil des Gruppe CRennwagens 905 gehalten. Das Wachstum des 406 teilt sich im Innenraum deutlich mit. Zur Seite besitzen Fahrer und Beifahrer eindeutig mehr Platz als im 405, wogegen der Zugewinn an Kniefreiheit im Fond vor allem durch Aussparungen in den Lehnen der Vordersitze erzielt wurde. Das Interieur, auch bei diesem Modell unter der Verantwortung des Designers Paul Bracq entworfen, ist eine moderne Aufbereitung bekannter Stilmittel. Die Linien des sanft geschwungenen Armaturenbretts werden formal in die Türen weitergeführt, das Ensemble der Schalter für Heizung, Klima und Radio ist auf einer solide wirkenden Mittelkonsole vereinigt.

Ab der zweiten Ausstattungsstufe ST findet auch Holzimitat den Zugang in den 406-Innenraum. Die neugeformten vorderen Sitze sind auch mit einer elektrischen Verstellung lieferbar, deren Schalter ganz im Silhouetten- Stil von Mercedes-Benz gehalten sind. Die Heckbank ist asymmetrisch geteilt umlegbar und mit einer Durchreiche versehen. Alle drei Sitzplätze im Fond verfügen über Dreipunkt- Sicherheitsgurte. Sicherheit ist ohnehin ein starkes Thema im 406 – vor allem bei den Modellen für den deutschen Markt. Hier kommt das Auto serienmäßig ab dem Basismodell SL mit zwei Airbags und Antiblockiersystem in den Verkauf, während in Frankreich nur der Fahrer-Airbag zum Lieferumfang der Standard-Ausführung gehört.

Wie es sich in dieser Wagenklasse mittlerweile gehört, hat der 406 Safety-first-Selbstverständlichkeiten wie Gurtblockierer, Gurtstraffer und Seiten-Aufprallschutz in den vier Türen. Frankreich ist allgegenwärtig beim Fahren mit der frisch aufgelegten Limousine: Das Fahrwerk beispielsweise ist ein Maître des Komforts – vor allem auf langgezogenen Bodenwellen.

Außerdem sorgt die neue Mehrlenker-Hinterachse für guten Geradeauslauf und problemlose Kurvenfahrt. Die schnelle Welle scheint aber nicht der Fall der 406- Aufhängungen zu sein: Fahrwerksgeräusche beim Kreuzen von Querfugen stören ein wenig das Bild vom komfortablen Franzosen. Ansonsten bleibt der Fahrer im 406 von Lärmbelästigungen weitgehend verschont: Abrollund Windgeräusche halten das Niveau moderner Mittelklasse- Limousinen. Ohnehin finden Fahrer und Passagiere einen äußerst angenehm eingerichteten Aufenthaltsort vor, mit sehr bequemen, aber nicht zu lasch gepolsterten Sitzen. Keine Frage, daß auch der Mensch am Volant keine Schwierigkeiten hat, sich mit den vielfältigen Einstellmöglichkeiten der Sitzund Lenkradposition zurechtzufinden. Der frontgetriebene 406 kommt erstaunlich gut in Fahrt, Traktionsprobleme scheinen beim Antriebskonzept in dieser Klasse endgültig der Vergangenheit anzugehören.

Der 406 dieses Fahrberichts war in der höchsten Ausstattungsstufe SV mit dem 132 PS starken Zweiliter-Vierzylinder ausgerüstet, der die Limousine achtbar in Schwung bringt. Hohe Drehzahlen sind wegen der prägnanten Geräusch-Entwicklung nicht die Stärke des Vierventilers, dafür gefällt er mit ausgeprägten Durchzugsqualitäten. Das Fünfgang-Getriebe läßt sich ausgezeichnet betätigen – mit Ausnahme der sechsten Schaltstufe: Der Rückwärtsgang will sehr behutsam eingelegt werden. Der 406 hat in der Summe aller Eigenschaften gegenüber dem Vorgänger enorm zugelegt, jedenfalls mehr, als der nur kleine Zahlensprung von 405 zu 406 vermuten läßt.

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Technische Daten
Peugeot 406 2.0 16V SV Peugeot 406 2.0 16V ST
Grundpreis 21.679 € 20.401 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4555 x 1765 x 1396 mm 4555 x 1765 x 1396 mm
KofferraumvolumenVDA 430 l 430 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 97 kW / 132 PS bei 5500 U/min 97 kW / 132 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h 203 km/h
Verbrauch 9,1 l/100 km 9,1 l/100 km
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