Fahrbericht Porsche 911 Carrera Targa

Mehr Licht, weniger Fahrtwindturbulenzen, mehr Leistung. Im neuen Porsche Targa ersetzt eine Glaskuppel das Kunststoffdach. Gleichzeitig stieg die Leistung des Boxermotors auf 285 PS.

Bevor ein Fingerdruck die neue Targa-Ära eröffnet, wird der alte, klassische Bügel- Targa mit einem letzten Vorhang- auf und wehenden Ovationen verabschiedet. 1965 verblüffte Porsche auf der IAA in Frankfurt die passionierten Speedster- und Roadster-Fans mit einem Sicherheits- Cabrio. Ein breiter, metallisch glänzender Überrollbügel sollte die Sicherheitsansprüche offener Rennsportwagen in die Straßensportwagen transportieren. 30 Jahre später gehören die Begriffe Targa-Bügel, Targa- Dach, Targa-Modelle zum Basiswortschatz der Cabrio-Gemeinde. Nur die Schreibschwäche eines brasilianischen Erfinders verhinderte den Targa- Bikini, der nun Tanga heißt. 

Heute erinnern sich ausschließlich promovierte Renn- Historiker wehmütig daran, daß Porsche beim sizilianischen Langstreckenrennen Targa Florio der erste große Gesamtsieg gelungen war. Umberto Maglioli schlug dort in einem Porsche Spyder 1956 die hubraumstärkeren Ferrari und Maserati. Die Idee, aus der Targa einen Targa zu machen, wird jetzt, fünf vor 2000, vom Fahrersitz aus und elektrisch betätigt. Den Anachronismus, im Zeitalter windgeschotteter, winterfester und vollautomatischer Hochgeschwindigkeits- Cabriolets ein Faltdach per Hand zu montieren, eliminierten die Porsche-Techniker mit gläserner Raffinesse. Die erste Anregung zu einem neuen Targa-Verständnis lieferte Designchef Harm Lagaay schon 1989.

Der 911 Design- Prototyp Carrera Panamericana (siehe Heft 19/1989) besaß statt des obligatorischen Targa-Bügels eine Reeling, die oberhalb von Windschutzund Seitenscheiben rundumlief und hinten in die Motorhaube überging. Für die Serie mutierte dies zu zwei Längsträgern, welche die sanft abfallende Dachlinie des Coupés nicht mehr verändern. Aus dem schwarzen Plastikfaltdach wurde ein großes Glasschiebedach, das sich in offenem Zustand nach hinten unter die Heckscheibe verzieht.

Wie eine jener Glaskuppeln, die sich manchmal auf amerikanische Experimental-Autos verirren und diese Sünde dann als Prototyp in Vorabend- Fernsehserien büßen müssen, wirkt die filigrane Dachkonstruktion auf dem breiten, satten Carrera-Unterbau. Dieser Hauch von Las Vegas verleiht dem Carrera eine neue, luftige Eleganz. Der ungewöhnliche Transparent-Look zeigt gleichzeitig mehr Innenraum und läßt die bauchigen, dynamischen Karosserie- Elemente um Fahrwerk und Motor noch etwas wuchtiger erscheinen.

Die Targa-Technik ermöglicht folgendes Dach-Quartett: alles geschlossen, Stoffrollo gegen die Sonneneinstrahlung, Windabweiser, Glasdach – Glasdach und Windabweiser geschlossen, Rollo eingezogen – Glasdach geschlossen, Rollo eingezogen, Windabweiser aufgeklappt – alles offen, Glasdach unter der Heckscheibe. Dann allerdings verdunkelt sich die Sicht durch die nun doppelte Heckscheibe wie durch eine stark getönte Sonnenbrille. Je nach Sonnenstand, Temperatur, Tempo und Temperament lassen sich Windgeräusche, Lichteinfall und Luftzug individuell verstellen, nur die steife Brise aus dem Eismeer wird vom Windabweiser zu den Lufteinlaßschlitzen auf dem Heckspoiler umgeleitet.

Zum Pauschalpreis von 145 000 Mark bekommen Targa- Kunden ab dem Modelljahrgang 1996 serienmäßig ein eingebautes D-Netz-Handy und gehobene Leistung. Der 3,6 Liter- Boxer leistet 285 PS (210 kW) statt bisher 272 PS (200 kW), dank längerer Wege im variablen Ansaugsystem, breiterer Auslaßnocken und vergrößerter Ventile.

Mit der Leistungssteigerung wanderte aber auch die um zehn Newtonmeter höhere Drehmomentspitze von 5000 auf 5250 Touren. Subjektiv ist von diesem Leistungszuwachs aber wenig zu spüren. Der Targa-Eingriff zieht sich bis in technische Bereiche, die bisher nicht unter einem Dach angesiedelt waren. Der luftgekühlte Boxermotor klingt nun heller, luftiger, einfach gläserner. Auch das ist ein Grund, mit der Bestellung nicht bis zum nächsten Sommer zu warten.

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Technische Daten
Porsche 911 Targa
Grundpreis 74.904 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4245 x 1735 x 1300 mm
KofferraumvolumenVDA 123 l
Hubraum / Motor 3600 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 210 kW / 285 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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