Fahrbericht Porsche 911 GT3

Mit dem Porsche 911 GT3 bietet der Stuttgarter Sportwagenbauer eine einzigartige Mischung aus Straßen- und Rennsportwagen an. Wie fährt sich der sportliche Elfer mit seinem 360 PS starken Saugmotor?

In den USA müßte der Porsche 911 GT3 mit der Warnung ausgeliefert werden: „Achtung, in diesem Auto fahren Sie immer schneller, als Sie dürfen!“ Aber der GT3 wird in Nordamerika nicht verkauft. Was soll er auch dort, bei einem Speed-Limit von 70 mph? Doch auch hierzulande macht die Warnung Sinn. Denn Langsamfahren ist dem derzeit stärksten 911 nicht in die Wiege gelegt. Mit jeder Faser seiner Materie macht dieses Auto seinem Fahrer klar: Hier wartet ein enormes Potential an Fahrleistung und Fahrdynamik darauf, genutzt zu werden.

Fang endlich damit an! Fangen wir an: Dünn gepolsterte Sitzschalen sorgen für eine möglichst spielfreie Verbindung des Wagenlenkers mit der Karosserie. So wird jede Gier- und Rollbewegung praktisch ungefiltert spürbar, und bei der extrem hohen Querbeschleunigung, die mit entsprechenden Reifen sogar die Erdbeschleunigung übertrifft, wird der Körper so gut abgestützt, daß der Fahrer noch uneingeschränkt agieren kann. Man sitzt rennwagenmäßig tief im GT3. Eine Sitzhöhenverstellung gibt es nicht, nur vor und zurück ist möglich. Und das Lenkrad läßt sich bis zu 40 Millimeter heranziehen. Komfort stand im Lastenheft nicht obenan, obwohl auf Wunsch Radio und Klimaanlage ohne Aufpreis lieferbar sind.

Man sollte von dem generösen Angebot der Firma Porsche Gebrauch machen, sofern man keine echten Sportambitionen mit dem GT3 hegt. Für diesen Fall empfiehlt sich ohnehin die Clubsport- Version des GT3, die – zum selben Preis von 179 500 Mark angeboten – einen mit der Karosserie verschraubten Überrollkäfig, feuerhemmende Sitz bezüge, Feuerlöscher, rote Gurte (für den Fahrer wahlweise Sechspunkt) und keine Sidebags aufweist. Mit Querverkehr ist ja auf der Rennstrecke selten zu rechnen.

Ungeachtet dessen verströmt auch die zivile Variante des GT3 reichlich Rennatmosphäre. Dafür sorgt auch der Sechszylinder-Boxermotor, der von dem rennerprobten GT1- Aggregat abgeleitet ist, mit dem schon Le Mans-Siege eingefahren wurden. Er hat mit dem Serienmotor des 996 außer der Bauform und dem Zylinderabstand nichts gemein, verfügt über separate Zylinder- und Kurbelgehäuse sowie Zylinderköpfe aus einer hochtemperaturfesten Leichtmetall-Legierung.

Auch an Hubraum wird etwas mehr geboten: 3,6 Liter statt 3,4 beim normalen 911. Nach der ersten Zündung bellt der Boxer kurz auf, um dann in einen etwas hechelnden, aber dennoch stabilen Leerlauf zu verfallen. Titanpleuel und leichtere Kolben minimieren die Massen und das Schwungmoment. Man merkt es am spontanen Hochdrehen und beim Anfahren.

Wer unaufmerksam einkuppelt und die kräftige Kupplung nicht auf den Punkt genau kommen läßt, bleibt stehen. Reine Übungssache. Ansonsten bietet der gedrosselte Rennmotor trotz seiner spezifischen Leistung von 100 PS pro Liter gute Alltagseigenschaften, eine vorbildliche Elastizität und erfüllt die Abgasnorm D3. Doch das kommt einem nicht in den Sinn, wenn die wahren Tugenden dieses Triebwerks ausgelotet werden. Dabei klingen die Papierwerte mit 360 PS und 370 Newtonmetern nicht so wahnsinnig aufregend. Sind sie aber. Denn sie werden von einem extrem spontan reagierenden Saugmotor produziert. Jede Bewegung des Gaspedals wird unmittelbar und feinfühlig umgesetzt, im Schub wie im Zug. Das ergibt ungleich bessere Kontrollmöglichkeiten mit dem Gasfuß als bei einem Turbo, so daß sich die eingesetzte Kraft an der Hinterachse bei Bedarf auch als Lenkhilfe benutzen läßt. Die um 30 Millimeter tiefergelegte Karosse, die hohe Präzision der exakter geführten Radaufhängung und die asymmetrisch ausgelegte Differentialsperre (Zug/Schub 40:60 Prozent Sperrgrad) machen die Beherrschung des GT3 im Grenzbereich bei entsprechenden fahrerischen Qualitäten zum Vergnügen.

Die Traktion ist überragend. Übersteuern läßt sich bei trockener Fahrbahn kaum provozieren, Lastwechselreaktionen helfen dem Routinier in engen Ecken um die Kurve, in schnellen Biegungen sind sie, auch dank der auftriebsmindernden Aerodynamik, kaum spürbar. Das schafft Vertrauen, wobei das Einlenkverhalten der nicht von einem schweren Motor behinderten Vorderachse einzigartig ist für einen Seriensportwagen.

Es wird unterstützt durch eine ausreichend leichtgängige, sehr exakte Lenkung, die mit leicht positivem Lenkrollradius unverfälschte Reaktionen ans Volant meldet. Nicht unerheblich ist auch der Anteil der ultraflachen 18 Zoll-Sportbereifung von Pirelli, vorne auf einer acht Zoll, hinten auf einer zehn Zoll breiten, zweigeteilten Aluminiumfelge montiert. Muß man über die Bremsen bei Porsche noch reden? Nur so viel: Sie sind im GT3 nochmals größer dimensioniert, packen unglaublich zu und bieten auch für den Renneinsatz noch genügend Reserven. Doch mindestens ebenso eindrucksvoll wie die Verzögerung ist die Beschleunigung des Sport-Elfers. Nach 4,8 Sekunden (Werksangabe) sind 100 km/h erreicht, kaum 16 Sekunden braucht er für das doppelte Tempo. Man liegt damit bei dünnfrequentierter Autobahn auf einer geeigneten Ausgangsbasis, um die vom Werk versprochene Höchstgeschwindigkeit auszuloten. Dies gelingt leichter als erwartet.

Die fünfte Stufe des aus dem Typ 993 stammenden Sechsganggetriebes reicht ausgedreht auf 7800/min bis knapp 280 km/h. Nach dem Schalten fällt der Motor exakt in die zweite Resonanzdrehzahl des Schaltsaugrohrs und schiebt mit einzigartigem Biß bei entsprechender Akustik weiter. Und selbst wenn die Drei dann auf dem Digitaltacho erscheint, ist noch nicht ganz Schluß. Welches Potential im GT3 wirklich steckt, zeigt am besten die Nürburgringrunde von Walter Röhrl. Er fährt ohne Rennmodifikationen und mit den serienmäßigen P Zero-Reifen von Pirelli auf der Nordschleife unter acht Minuten (7.56). Das ist Rekord für einen Serienwagen mit Straßenzulassung. Die Video-Dokumentation der Röhrlschen Höllenfahrt bringt selbst den Tester ins Grübeln: Gut, daß er das nicht selbst machen muß.

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Technische Daten
Porsche 911 GT3
Grundpreis 91.777 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1765 x 1270 mm
KofferraumvolumenVDA 110 l
Hubraum / Motor 3600 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 265 kW / 360 PS bei 7200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 302 km/h
Verbrauch 13,0 l/100 km
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