Fahrbericht sportliche Kombis

Auch die nützlichen Dinge im Leben können Spaß machen. Sieben sportliche Kombis treten den Beweis an: Auf dem Programm steht gute Unterhaltung zwischen 190 PS und 450 PS.

Was macht der passionierte Sportwagen-Fahrer, wenn der Platz nicht reicht und/oder die Familie mault? Ist er schlau, dann überspringt er die üblichen Alternativen: Statt zur Sportlimousine greift der weise Mensch zum sportlichen Kombi. Auf dem Markt mögen derartige Multifunktionswagen zwar noch eine Außenseiterrolle spielen, aber unter Kennern gelten sie als Geheimtipp: Außen meist unscheinbar, innen genügend Raum für Kind und Kegel – aber hallo, wenn Vati (oder Mutti) mal der Fahrspaß packt. Um die sportlichen Qualitäten der Spaßkombis zu prüfen, versammelte auto motor und sport sieben Schnelltransporter quer durch die Klassen. Die Palette reicht vom Opel Astra Caravan (27 370 Euro), als OPC mit 200 PS, bis zum Audi RS 6 Avant (89 600 Euro), der 450 PS auf die Bremse bringt, den man aber locker mit einem gewöhnlichen A6 verwechseln könnte. Für Eingeweihte sind es die breiten Backen, die den Audi RS 6 Avant verraten. Und der böse Ton. Schon im Leerlauf poltert der Turbo-V8 wie ein alter US-Bolide. Den Lauten folgen entsprechende Taten: Automatisch geschaltet, donnert der RS 6 auf Wunsch in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 – ohne Mühe, denn dank Allradantrieb lässt sich die Kraft auch unter schwierigen Bedingungen verlustarm in Vortrieb verwandeln. Da müssen sich selbst Sportwagen edelster Herkunft strecken, um folgen zu können. Aber nicht nur beim Beschleunigen wird viel Unterhaltung geboten. Auch der rasche Kurswechsel dürfte Sportfahrern behagen, denn dank gestrafftem Fahrwerk verkneift sich der RS 6 jede störende Eigenbewegung. Selbst das auditypische, indes wenig zielführende Untersteuern ist nahezu eliminiert. Nur in engen Kurven, die dem Audi schon aus Gründen seines Formats weniger liegen, lässt es sich noch beobachten. Die Kehrseite dieser betont sportlichen Dynamik zeigt sich wie üblich im Komfort. Fahrbahn-Unebenheiten kopiert der RS 6 sorgfältig, um sie dann wenig gefiltert an die Insassen zu übermitteln, wobei auch auf der Autobahn selten Ruhe einkehrt. Dagegen erfüllt das Kombiheck problemlos seine Alibifunktion: Je nach Anzahl der verbleibenden Sitzplätze können dort bis zu 1590 Liter Gepäckvolumen verstaut werden. Das ist deutlich mehr, als die Nummer zwei in den PS-Charts zu schlucken vermag. 1384 Liter passen in den 354 PS starken Mercedes C32 AMG, der allerdings eine Größenklasse unter dem RS 6 rangiert. Auch im Preis: 58 928 Euro kostet die von einem Kompressor-V6 befeuerte C-Klasse als T-Modell, das man freilich nur mit der Lupe von seinen braven Geschwistern zu unterscheiden vermag. In Sachen Understatement ist es sogar dem Audi überlegen. Aber erst, wenn man die Fahrleistungen kennen lernt, ist die Verblüffung perfekt. Ganz ohne sportliche Effekte stürmt der beatmete Benz davon, und zwar derart vehement, als gelte es, jegliche Rentner-Komponente im C-Klasse-Image auf einen Schlag auszuradieren. So lässt sich der 260 Kilo leichtere C32 beim Beschleunigen auch von einem RS6 kaum abschütteln – bis 160 km/h trennen beide 0,5 Sekunden.

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Vergleichstest Opel Astra OPC, MG ZT-T, Audi S4, Audi RS4, Mercedes C32 AMG, Alfa 156 GTAFord Mondeo ST 220
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Der Praxisvorteil des Audi resultiert in erster Linie aus der besseren Traktion. Der Mercedes hingegen stellt schon beim behutsamen Gasgeben die Antriebsschlupfregelung auf eine harte Probe. Überhaupt lädt er weniger zum Bolzen ein: Unter den Sportkombis ist die C-Klasse die S-Klasse, sanft, gutmütig, etwas weich in den Knien, doch auf Reisen ausgesprochen zuträglich. Da lassen sich auch das trägere Handling und die bedächtige Automatik verschmerzen. e Der direkte Konkurrent zum C 32 AMG läuft bei Audi im Übrigen nicht unter der Bezeichnung RS6, sondern nennt sich Audi S4 Avant. Im Format gleicht er der C-Klasse, doch im Bug grummelt wie beim großen Bruder ein V8, wenngleich ohne Turbos. Das reicht für 344 PS, die in Verbindung mit der Avant-Karosse 54 000 Euro kosten. Dass die Marke mit den Ringen hier gleich zwei Mal vertreten ist, liegt nicht zuletzt an der Tradition des Hauses. Bei den echten Sportkombis, die mehr sind als bloße Motorvarianten, leistete Audi Pionierarbeit. Entsprechend gut läuft das Geschäft mit diesen Nischenautos. Das gilt auch für den S4. Äußerlich unauffällig wie der Mercedes, entpuppt er sich als der Sportlichste der Runde. Drehfreudig, soundstark und allzeit bereit, gebärdet sich sein Achtzylinder, als sei er von reinstem sportlichem Adel. Zugleich führt er vor, dass es keinen Turbo (oder Kompressor) braucht, um vorn dabei zu sein. Der Fahrfreude schadet es keinesfalls. Nicht minder aufmunternd sind die übrigen Qualitäten des S4: Mit seiner direkten Lenkung, dem agilen, bisweilen leicht übersteuernden Fahrverhalten, der Allrad-traktion und den enormen Kurvenreserven bietet er alles, was Autos seines Schlages bieten müssen. Komfort gehört allerdings nicht dazu – diesbezüglich benimmt sich der S4 ähnlich ungehobelt wie der RS 6. Und auch in puncto Laderaum muss man sich bescheiden: maximal 1184 Liter. Kaum weniger (1180 Liter) passt in Italiens Beitrag zum Thema Lustlaster. Der Alfa Romeo 156 GTA Sportwagon – schon der Name ist Musik – kontert deutsche Nüchternheit mit mediterranem Chic, von den klobigen Karosserieschürzen abgesehen. Im Motorraum prangt ein V6, der so schön aussieht, wie er sich beim Fahren anfühlt, und der aus 3,2 Liter 250 PS holt. Das alles gibt es für 40 200 Euro – angesichts der vorzüglichen Fahrleistungen akzeptabel. Auch an sportlichem Temperament mangelt es nicht, wohl aber an Ausgewogenheit. Wer die lustvoll dargebotenen PS auszuloten gedenkt, muss mit starken Traktionsschwächen und heftigem Untersteuern rechnen, wobei die gefühllose Lenkung die Sache nicht erleichtert.

Vollends außer Rand und Band gerät der Fronttriebler beim Überfahren welliger Straßenstücke. So empfiehlt es sich, die motorischen Reize des Alfa nur unter idealen Bedingungen zu genießen, auch wenn’s schwer fällt. Wie es richtig geht, demonstriert unterdessen das aktuelle Topmodell von Ford. Es trägt den Namen Ford Mondeo ST 220 Turnier und rangiert mit 226 PS, abgegeben von einem Dreiliter-V6-Motor, eher am unteren Ende der für Sportkombis geltenden Leistungsskala. Was aber seine fahrdynamischen Qualitäten betrifft, setzt der Ford nicht nur unter Fronttrieblern Maßstäbe. Die exakte, zugleich leichtgängige Lenkung zeugt in Verbindung mit dem agilen Handling und dem überraschend guten Federungskomfort von hoher Abstimmungsfinesse. Hinzu kommt die gerade von Sportfahrern geschätzte Möglichkeit, das Kurvenverhalten mit dem Gasfuß modulieren zu können. Probleme, die Kraft auf die Straße zu bringen, kennt der Mondeo-Fahrer derweil nur in milder Form. Dazu ist der V6-Motor im normalen Drehzahlbereich schlicht zu schlapp, auch wenn die Fahrleistungen bei drehfreudigem Betrieb noch im sportlichen Rahmen liegen. 34 750 Euro kostet der Spaß, inklusive des mit Abstand größten Ladevolumens (1700 Liter). Billiger, wenngleich nicht weniger flott, fährt indes, wer den Kombi bei Opel kauft. Fakt ist, dass ein Opel Astra Caravan OPC (27 370 Euro) kein bisschen langsamer beschleunigt (und obendrein besser bremst) als der Top-Ford. Die 200 PS seines Zweiliter-Turbo-Vierzylinders genügen, um in 7,6 Sekunden auf 100 km/h zu kommen, und das mitsamt 1500 Liter Laderaum. Davon konnten Manta-Fahrer nur träumen. Von der strammen Vorwärtsdynamik abgesehen, hält sich der sportliche Eindruck allerdings in bescheidenen Grenzen. Der Vierzylinder klingt reizlos, die Lenkung wirkt teigig und unterliegt Antriebseinflüssen, Traktion ist Mangelware, in schnell gefahrenen Kurven strebt der Astra störrisch geradeaus – als Sportwagenersatz taugt der Opel von allen Anwesenden am wenigsten. Beim MG ZT-T, mit 190 PS Schlusslicht in der PS-Hierarchie, kann wenigstens der Markenname für Talentschwächen entschädigen. Dabei gebricht es dem englischen Kombi auf Basis des Rover 75 Tourer ausschließlich an Kraft. Die 1,6 Tonnen Gewicht sind für das müde Drehmoment seines 2,5-Liter-V6 einfach zuviel. Ansonsten hat die schmucke Rarität aber durchaus einiges zu bieten. Die Karosserie des einst von BMW konstruierten Fronttrieblers wirkt hochwertig (Laderaum: 1220 Liter), ebenso das Fahrwerk, das in der sportlichen MG-Abstimmung keinen Vergleich zu scheuen braucht. Anders als der leichtfüßigere Mondeo verlangt der MG beim Lenken mehr körperlichen Einsatz, doch Lenkpräzision und Kurvenstabilität lassen nichts zu wünschen übrig, auch mit der straffen Federung kann man sich nach der jüngst erfolgten Korrektur abfinden. 33 750 Euro kostet der MG, und als weiterer Farbklecks in der bunten Palette der sportlichen Kombis ist er auf jeden Fall willkommen. Es muss ja nicht Knallgelb sein.

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Technische Daten
Opel Astra Caravan 2.0 Turbo OPC Audi RS 6 Avant Mercedes C 32 AMG T Audi S4 Avant Alfa Romeo Sportwagon 3.2 V6 24V GTA Moving Ford Mondeo Turnier ST 220 Siver Magic MG ZT-T Rover 75 2.5 V6 Tourer Celeste
Grundpreis 27.615 € 90.500 € 58.928 € 54.400 € 40.200 € 34.750 € 33.400 € 34.410 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4288 x 1709 x 1510 mm 4852 x 1850 x 1452 mm 4541 x 1728 x 1415 mm 4575 x 1781 x 1440 mm 4441 x 1743 x 1390 mm 4804 x 1812 x 1427 mm 4792 x 1778 x 1428 mm 4791 x 1778 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 1500 l 455 bis 1590 l 470 bis 1384 l 442 bis 1184 l 360 bis 1180 l 540 bis 1700 l 400 bis 1220 l 400 bis 1222 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 4172 cm³ / 8-Zylinder 3199 cm³ / 6-Zylinder 4163 cm³ / 8-Zylinder 3179 cm³ / 6-Zylinder 2967 cm³ / 6-Zylinder 2497 cm³ / 6-Zylinder 2497 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5600 U/min 331 kW / 450 PS bei 5700 U/min 260 kW / 354 PS bei 6100 U/min 253 kW / 344 PS bei 7000 U/min 184 kW / 250 PS bei 6200 U/min 166 kW / 226 PS bei 6150 U/min 140 kW / 190 PS bei 6500 U/min 130 kW / 177 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 231 km/h 250 km/h 250 km/h 250 km/h 250 km/h 238 km/h 220 km/h 211 km/h
Verbrauch 9,1 l/100 km 14,6 l/100 km 11,9 l/100 km 13,4 l/100 km 12,3 l/100 km 10,4 l/100 km 9,9 l/100 km 9,4 l/100 km
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