Fahrbericht Volvo C70 2.5 T Cabrio

Das Volvo C70 Cabrio definiert Offenfahren nach dem Leistungsprinzip: Sein 2,3 Liter-Fünfzylinder-Turbomotor wartet mit kräftigen 240 PS auf.

Das Cabrio durfte in der Geschichte von Volvo bislang nur Nebenrollen spielen. Dabei fing der Werdegang der Marke 1927 in schöner Offenheit an. Der erste Volvo, den der Fahrtwind streifte, wurde im Werksjargon „Jakob“ gerufen und hieß offiziell OV4, was ihn als open vehicle mit vier Sitzen erklären soll. Jakob folgten ganz im Zeitgeist der späten Zwanziger und der jungen Dreißiger weitere Volvo Cabrios, die keinen dauerhaften Nachhall in der Geschichte fanden. Später dann in der Nachkriegszeit verblüfft Volvo mit einem luftigen Abenteuer.

 Denn zusammen mit einer Bootswerft im kalifornischen Costa Mesa, den Green Dolphin Boat Works, entsteht ein zweisitziger Sportwagen mit Glasfiber-Karosserie, dessen erster Prototyp 1954 fertig wird. Die Kleinserie des P 1900 erreichte 67 Stück, dann spricht Volvo Chef Gunnar Engelau das Machtwort: Produktionsstopp wegen erheblicher Qualitätsmängel. Seit dieser bitteren Erfahrung blieb das Volvo-Programm über die Jahre eine geschlossene Veranstaltung, bis eine offenbar unendliche Cabriowelle Volvo animierte, ebenfalls darauf zu surfen.

Das Cabrio C70, das die Autowelt bereits seit der Detroit Auto Show 1997 kennt, wird wie das Coupé in einer schwedischen Fabrik gebaut, an der neben Volvo auch Rennmanager Tom Walkinshaw beteiligt ist. Der Betrieb kann zur Zeit in einer Schicht pro Tag jährlich 20 000 Autos bauen, knapp doppelt so viel können es bei Fertigung in zwei Schichten sein. Die so begrenzte Kapazität veranlaßte die Marktstrategen, den Zweitürer im Hochpreissegment (ab 80 000 Mark) anzusiedeln. Entsprechend grosszügig ist der Inhalt dieser Karosserien, und aus gleichem Grund wird es das Cabrio zunächst nur mit dem stärksten Turbomotor geben. Auch sonst zeigt sich das erste Kontingent für die USA üppig ausgestattet mit automatischem Getriebe, Klimaautomatik, Audio System und vorne mit elektrischem Gestühl samt Speicherung verschiedener Sitzpositionen.

Die aus dem Coupé geschnitzte Cabrio-Karosserie zählt außen zu den elegantesten Erscheinungen der Klasse. Das Verdeck in edlem Sonnenland- Textil steht dem Volvo ausgezeichnet. Die Fertigung des kompletten Dachs mit Elektroantrieb, das den Volvo per Knopfdruck automatisch in 30 Sekunden offenlegt, obliegt der deutschen Firma Scharwächter. Inwendig ist der Volvo von heller pflegeintensiver Eleganz. Die Lederbezüge mit Sitzflächen aus Alcantara geben auf bequeme Weise guten Seitenhalt. Der Platz reicht gut für vier Personen.

Obwohl sehr klar und übersichtlich angelegt, irritiert das Armaturenbrett mit allzu vielen Tönen von Beige, Braun und Grau. Besonders seltsam wirkt das fade Grau der Instrumente, das zusammen mit den weißen Zahlen an die Jugendsünden eines BMW 1800 erinnert. Ein für die Praxis bedauerlicherer Mangel der Karosseriegestaltung ist die allzu reichliche Bemessung des Verdeckkastens. Da bleibt nur ein vorwiegend flacher und mit 220 Liter Inhalt kümmerlicher Kofferraum übrig, der nicht durch ein separates Schloß gesichert ist. Im Fahrbetrieb ist die Karosserie mit dem freundlichen cW- Wert von 0,34 ein solides Stück Blechverarbeitung, die Verwindungen bleiben auch auf schlechten Straßen minimal.

Beteiligt an diesem guten Ergebnis ist ein Fahrwerk, das trotz aller sportlichen Ambition des Turbomotors für gediegenen Komfort sorgt. Dennoch prägen Leistung und Kraft des 2,3 Liter-Fünfzylinders den Charakter dieses Cabrios. Die Maschine sorgt mit einer Leistung von 240 PS bei 5100/min und einem Drehmoment von 330 Newtonmetern bei 2400/min für explosionsartigen Vortrieb.

Der gewaltsame Vortrag der Beschleunigung – in acht Sekunden geht es von null auf Tempo 100 – scheint dem Coupé in seiner Rolle als Sportwagen eher angemessen; in dem charakterlich für ein dynamisches Gleiten ausgelegten Cabrio erscheint diese Eskalation der Kräfte etwas übertrieben. Die Macht des Motors wirkt sich handgreiflich auf die Umgangsformen des frontgetriebenen Volvo aus.

Angesichts von 330 Newtonmetern kann geometrische Finesse an Lenkung und Vorderachse nicht verhindern, daß Antriebseinflüsse beim Beschleunigen aus Kurven am Lenkrad sehr gehörig mit dem Fahrer ringen. Der Soft-Turbo mit 193 PS (142 kW) scheint hier die bessere Wahl. Die füllig dimensionierten Reifen werden mit der motorischen Gewaltanwendung ganz offensichtlich besser fertig. Hohe Vorderachslast, Traktionskontrolle und eine gute Abstimmung der Viergangautomatik (von General Motors) sorgen auch auf nicht ganz griffiger Straße für einen korrekten Start ohne Reifenkreischen. Nicht unbeteiligt am Traktionsvermögen ist auch das stattliche Gewicht des Volvo Cabrios, das laut Werk bis zu 1671 Kilogramm auf die Waage bringt. Ein sehr beträchtlicher Teil davon versammelt sich auf der Vorderachse, was die Fahreigenschaften nachhaltig prägt.

Das Volvo Cabrio läuft zwar solide geradeaus, aber die Gnade des agilen Einlenkens und des spielerischen Umgangs auch bei schneller Fahrweise ist ihm nicht zu eigen. Das Eigenlenkverhalten ist energisch untersteuernd. Seine Eigenart, steigendes Kurventempo mit sehr stark wachsenden Haltekräften zu bestrafen, steht dem Fahrspaß klar im Weg. Passive Sicherheit wird im Stil des Hauses Volvo bestens kultiviert: vier Airbags vorn, Dreipunktautomatikgurte mit Gurtstraffer für alle vier Passagiere, ein hochfestes Stahlrohr zur Versteifung des Windschutzscheibenrahmens, hinter den Rücksitzen zwei Überrollbügel, die bei starker Seitenneigung vor dem Überschlag automatisch ausfahren. Das alles ist eingebunden in eine Karosserie mit sehr soliden Verstärkungen, die im Falle eines Crashs der Verformungskraft klar definierte, aber sehr beschwerliche Lastpfade zuweisen. Die hohe Sicherheit des C70 Cabrio bleibt jedoch vorerst ein Privileg der Amerikaner, denn in Europa wird es diese Autos nicht vor dem Frühjahr 1999 geben.  

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