Fahrbericht Volvo V70 2.4T

Evolution statt Revolution: Die Leuchtstreifen und das kantige Heck des V70 erinnern an den gleichnamigen Vorgänger.

Der Gott des Donners, der Winde und der Wolken hat sein Lieblingswerkzeug beiseite gelegt. Wo einst Thors Axt gnadenlos zuschlug, vertrauen die Nachfahren der Wikinger heute mehr auf Pfeil und Bogen. Denn während die Volvo- Flotte bisher mit Ecken und Kanten gegen alle Zeitströmungen ankämpfte, sollen künftig runde Linien und ein zugespitzter Bug für Stabilität in schwierigem Fahrwasser sorgen. Erstmals sichtbar wurde der neue Stil beim S40/V40, und diesem Trend folgt nun auch der Nachfolger des 850, der Ende Januar 1997 auf den Markt kommt.


Hinter den geänderten Bezeichnungen S70 (Limousine) und V70 (Kombi) verbirgt sich jedoch keine komplette Neukonstruktion, sondern eine Weiterentwicklung des bisherigen Modells, bei der immerhin 1800 Teile modifiziert wurden. Auf den ersten Blick ist der Wandel nur für Kenner zu entdecken. Die Frontpartie erhielt angeschrägte Scheinwerfer und einen hervorgehobenen Grill, der in die V-förmige Motorhaube übergeht. Stoßfänger, Türgriffe und Außenspiegel sind in Wagenfarbe lackiert, und der Kofferraum im verlängerten Limousinenheck faßt jetzt 470 anstatt 445 Liter.

Der Kombi bleibt hinten unverändert. Im Innenraum zeigt sich die neue Rundlichkeit konsequenter. Weiche Konturen und Materialien wie im jüngst vorgestellten C70 Coupé lassen das Armaturenbrett edler und weniger hölzern erscheinen, aber einige Schalter verbergen sich noch immer hinter dem Lenkrad. Sinnvoller plaziert in der neugestalteten Türverkleidung sind hingegen die Tasten zur Fernentriegelung von Tank- und Kofferraumdeckel sowie für die elektrischen Fensterheber und Außenspiegel, die nun zur Serienausstattung gehören.

Mehr Insassenschutz beim Seitenaufprall bietet die verstärkte B-Säule, und eine dreigeteilte Lenksäule sowie dickere Polster im Aufprallbereich versprechen zusätzliche Sicherheit. Alle Modelle erhalten darüber hinaus Außentemperaturanzeige und Pollenfilter, der Kombi zusätzlich eine dritte Bremsleuchte sowie Gepäcknetz und -rollo. Der Mehrwert kompensiert zwar locker die leicht gestiegenen Grundpreise von 47 800 (S70) und 49 300 Mark (V70), aber die Abkehr von der bisherigen Einpreisstrategie für beide Versionen ist angesichts von 90 Prozent Kombianteil unverständlich.


Weitgehend unverändert präsentieren sich die Fünfzylinder-Leichtmetallmotoren. Die Benziner- Palette startet mit dem Zweiliter-Zweiventiler (126 PS) und endet vorläufig beim 2,3 Liter-Turbomotor im T5, der künftig 240 PS leistet. Dazwischen rangieren unter anderem der 2,5 Liter-TDI (140 PS) und ein ebenso großer Niederdruck-Turbo mit 193 PS, den man sowohl mit Front- wie Allradantrieb bestellen kann.

Erst ab Sommer 1997 ist mit dem Topmodell S70/V70 R sowie dem V70 Bi-Fuel zu rechnen, einer Hybridvariante für Benzin- oder Gasbetrieb. Für erste Fahreindrücke stand der leistungsstarke T5- Kombi zur Verfügung, dem 15 Mehr-PS zu höherer Endgeschwindigkeit (245 statt 240 km/h) sowie besserer Beschleunigung (null auf 100 km/h in 7,1 statt 7,4 Sekunden) verhelfen sollen.

Zugleich stieg das maximale Drehmoment um zehn Prozent auf 330 Nm, es steht jedoch erst bei 2700 statt bisher 2000/min zur Verfügung. Das Fahrwerk wurde hingegen mit größeren Bremsen und einer neuen Dämpferabstimmung nur leicht modifiziert. So kann es nicht verwundern, daß der V70 beim Umsteigen vom 850 kaum Überraschungen bietet. Der Innenraum wirkt eleganter, die Materialien gediegener, das Cockpit fließender und wie aus einem Guß.


Allein das Fünfganggetriebe läßt sich noch immer etwas knorrig schalten. Ebenso wie im Vorgänger scheint die Federung damit überfordert, kurze Bodenwellen von den Insassen fernzuhalten, denn der Aufbau ist ständig in Bewegung. Viel überzeugender setzt sich der Turbomotor mit erhöhtem Ladedruck in Szene. Er gefällt mit souveräner und gelassener Kraftentfaltung ohne spürbares Turboloch, spricht jedoch etwas träge auf Gas an. Oberhalb von 2500 Touren entwickelt er jenen Schub, mit dem der Schwede schon früher für Verblüffung sorgte. Das gelingt ihm sonst nur noch bei Leuten mit gewichtigen Hobbies (Zuladung mit 419 Kilogramm zu niedrig) und kritischen Lesern von Preislisten.

So ist der V70 T5 zwar 1900 Mark teurer als sein unmittelbarer Vorgänger, aber 15 000 Mark billiger als der gleich starke 850 T-5 R, der vor zwei Jahren in limitierter Stückzahl entstand. Bei den Preisen – so scheint es – darf Thor auch künftig mit seiner Axt zuschlagen.

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