Fahrbericht VW Golf 4Motion

Mit Allradantrieb und einem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) wertet VW die Fahreigenschaften des Golf auf. Die Fahrhilfen sind vorläufig nur für ein begrenztes Motorenprogramm lieferbar.

Syncro ist out, ab sofort ist 4motion in. Warum Volkswagen die gut eingeführte Allradantriebsbezeichnung mit Namen Syncro gegen einen in Deutschland unüblichen Anglizismus getauscht hat, wird vor allem technisch begründet: Der neue Allradantrieb für den Golf soll in nichts an den alten Syncro-Antrieb mit Visco-Kupplung erinnern. Denn plötzlich räumt man gewisse Nachteile des ständig in honigzäher Soße rotierenden Visco-Elementes ein, wie zum Beispiel die Verspannung der Lenkung beim Rangieren, die Schwierigkeiten beim Rückwärtsfahren und die nicht befriedigende Kompatibilität mit elektronischen Rad-Regelsystemen, mögen sie nun ABS, ASR oder ESP heißen.

4motion hat nichts von alledem, denn 4motion ist „der beste Allrad, den Volkswagen je hatte“, meint zumindest Karl-Horst Fuhrmann, Leiter der Wolfsburger Fahrwerksentwicklung. Den Part der ausrangierten Visco-Kupplung übernimmt bei 4motion eine sogenannte Haldex-Kupplung. Ihr Vorteil: Elektronisch gesteuert preßt eine integrierte Ölpumpe die Kupplungslamellen mehr oder weniger stark zusammen und sorgt so für eine bedarfsgerechte, variable Kraftübertragung nach hinten von null bis 50 Prozent bei außerordentlich geringer Reaktionszeit. 

Bereits nach einer achtel Radumdrehung (Drehwinkel 45 Grad) weiß 4motion dank exakten elektronischen Informationen, wo es langgeht, und was Sache ist. Dies funktioniert so gut, daß man beim Fahren, mit Ausnahme der guten Traktion, nichts davon bemerkt. Dabei ist das Fahrverhalten des Golf 4motion, auch wegen der neuen Mehrlenker-Hinterachse, so neutral ausgelegt, daß sogar Leistungsübersteuern provoziert werden kann. Mit den zunächst angebotenen Motoren ist dies bei guten Reibwerten kaum möglich, denn der stärkste, der V5, liefert 150 PS, darunter gibt es den 1,8 Liter-Vierzylinder mit 125 PS und als Diesel den 90 PS-TDI.

Ausschließlich im V5 gibt es zusätzlich zum Allradantrieb noch das neue Dreiwellen- Sechsganggetriebe, das dank seiner engeren Stufung der Fahrfreude, die der Golf V5 mit 4motion spontan vermittelt, zusätzliche Impulse verleiht. Allrad ohne Reue also? Nicht ganz, denn das Mehrgewicht (rund 80 Kilogramm) und die Kraftverteilung auf vier Räder schmälern den subjektiven Leistungseindruck und erhöhen den Verbrauch: 10,9 Liter auf 100 Kilometer sind es für den Golf V5 4motion im Norm-Zyklus (MVEG), mit Frontantrieb liegt er deutlich unter der Zehnlitergrenze (9,4 L/100 km).

Die Differenz entspricht immerhin dem halben Verbrauch des angestrebten Drei-Liter-Autos. Bei den anderen beiden 4motion-Modellen sind die Unterschiede jedoch geringer. Im Gegensatz zum Gewicht und Verbrauch vermindert sich durch den Raumbedarf der Hinterachse das Kofferraumvolumen um 85 auf 245 Liter nach VDA-Norm. Höher ist dagegen der Preis: 2700 Mark kostet den Golf-Fahrer die aufwendige Traktionshilfe. Wer hingegen mit den Traktionsmöglichkeiten des Frontantriebs zufrieden ist und nur perfekte Fahrsicherheit sucht, erhält für vergleichsweise günstige 990 Mark demnächst den Golf mit der Fahrdynamikregelung ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm). 

Spätestens seit dem Elchtest-Debakel der Mercedes A-Klasse weiß auch der interessierte Laie, daß ESP nicht nur in Skandinavien von Vorteil ist. ESP macht vielmehr das Fahren unter allen kritischen Bedingungen zu einer weitgehend sicheren Sache, indem es automatisch einzelne Räder gezielt abbremst und so das Fahrzeug in die gewünschte Richtung dirigiert. Hierzu bemüht ESP einen Systemrechner, der die Signale der vier Sensoren für Lenkeinschlag, Querbeschleunigung, Gierwinkel (Schleudern) und Radschlupf auswertet.

Ein Spiel ohne Grenzen ist der Golf mit ESP dennoch nicht, aber die Limits werden besser ausgelotet, Fahrfehler ausgebügelt, und Stabilität wird auch in sonst prekären Situationen wiederhergestellt. Für Fälle, in denen ESP nicht gebraucht wird oder sogar stört – etwa bei aufgezogenen Schneeketten – läßt sich das System abschalten. Vorläufig ist ESP nur für die Modelle mit 1,8 Liter-Motor und 125 PS sowie für den 90 PS-TDI erhältlich, später für die ganze Golf-Palette. ESP wird bewußt als Sonderausstattung gegen Aufpreis angeboten. Denn serienmäßig, so VW-Chef Ferdinand Piëch, hat der Golf ESP nicht nötig. 

Neues Heft
Top Aktuell Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee
Beliebte Artikel VW I.D. Sperrfrist 16.12.2018 00:00 Uhr MEZ Fahrbericht VW ID Neo (2020) Wir fuhren den elektrischen "Golf 9" Nio ES8 Fahrbericht 2018 Fahrbericht Nio ES8 (2018) E-SUV für Familie und Langstrecke
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen sport auto-Perfektionstraining 2018, Exterieur Perfektionstraining 2018 Sicher und schnell über die Nordschleife Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik
Allrad Mercedes G 350 d Fahrbericht Hochgurgl / Timmelsjoch Winter 2018 Mercedes G 350d Fahrbericht Mit dem G im Schnee Mercedes X-Klasse 6x6 Designstudie Carlex Mercedes X-Klasse 6x6 Böser Blick mit drei Achsen
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Jochen Hörnle - Freifahrtschein Ausnahme in Großstädten Übergangsfrist für Diesel-Fahrverbot
CARAVANING Weihnachtskalender 2018 Tür 19 Mitmachen und gewinnen Pfeffermühle von Peugeot Vakantiepark Delfte Hout Campingplatz-Tipp Südholland Stadtcamping im Grünen