Fahrbericht VW Polo 1.0

Nach Erscheinen des Lupo soll der VW Polo nicht nur sicherer und stärker, sondern auch luxuriöser werden. Fürs sechste Modelljahr erhält er deshalb ein Facelift, neue Motoren und zusätzliche Ausstattungsdetails

Der natürliche Feind des Guten ist nicht nur das Bessere, sondern vor allem das Neue. Gut war der VW Polo schon immer, und besser wurde er im Laufe seiner Produktionszeit fast von allein – durch die zunehmende Fertigungsroutine, durch regelmäßige Modellpflege und durch Erweiterung der Ausstattung zur Versüßung der ebenso unausweichlichen Preiserhöhungen.

Doch der Neuigkeitswert ließ zwangsläufig über die Jahre nach. So schien es VW nach fünf Jahren im Spitzenfeld des Kleinwagen-Segments an der Zeit, den Polo gegen jüngere Konkurrenten wie Fiat Punto, Peugeot 206 oder Renault Clio auch optisch aufzufrischen. Mit Luxusextras wie Climatronic und Navigationssystem soll er analog zum größeren Golf weiter nach oben rücken, ohne dass teure Modifikationen an Rohkarosserie und Bodengruppe nötig wurden. Denn eine komplette Erneuerung steht erst 2001 auf dem Plan, wenn die vierte Polo-Generation auf der Plattform des soeben vorgestellten Skoda Fabia debütiert. Dass dennoch 60 Prozent der Bauteile geändert wurden, sieht man dem aktuellen Steilheck-Jahrgang kaum an. Vorne bestimmen nun größere Klarglas- Scheinwerfer, eine stärker profilierte, mit Gasdruckfeder abgestützte Motorhaube sowie neue Stoßfänger mit Schutzleisten das Erscheinungsbild. Hinten fallen die modifizierte Heckklappe mit großem VW-Logo sowie das in die Heckschürze verlagerte Kennzeichen auf.

Außerdem sollen gezielte Verstärkungen die Verwindungssteifigkeit und eine Vollverzinkung den Rostschutz der Karosserie erhöhen. Trotz der um drei Zentimeter größeren Außenlänge blieb das Platzangebot für Passagiere und Gepäck gleich, was man kaum bedauern muss. Schließlich ist der Polo ein vollwertiger Viersitzer, der unverändert zu den geräumigsten Vertretern seiner Klasse zählt. Und mehr denn je gehört er auch zu den besonders hochwertigen – mit guter Detailverarbeitung, hoher Materialqualität sowie einem im Stil des Lupo neu gestalteten, ästhetisch und funktional ansprechenden Cockpit.

Blau durchleuchtete Rundinstrumente mit metallisch- grauen Einfassungen und farbenfrohe Sitzbezüge sorgen schon im Basismodell für ein wohnliches Ambiente, das in vier Ausstattungsstufen bis zum ledergepolsterten Colour Concept verfeinert werden kann.

Während sie sich mit allen Motorisierungsvarianten zwischen 50 und 100 PS kombinieren lassen, bleibt das besonders sportliche GTI-Paket dem 125 PS starken Spitzenmodell vorbehalten (siehe Kasten). Selbst dessen Grundpreis von 34 450 Mark lässt sich mit Klimaanlage (2090 Mark), Seitenairbags (460 Mark) und weiteren Extras über 40 000 Mark liften, beim Basis-Polo für immerhin 20 800 Mark (Ford Fiesta: 19 300 Mark) kosten sogar geteilte Rücksitze, Textilfußmatten, Servolenkung und ein vollwertiges Ersatzrad Aufpreis. Zudem sind 14-Zoll-Reifen, die einigermaßen die Radhäuser ausfüllen, erst ab 100 PS serienmäßig.

Verglichen mit einschlägigen Konkurrenten liegt der VW damit zumindest preislich an der Spitze. Geboten wird dafür aber nicht nur Kosmetik, sondern auch ein optimiertes Fahrwerk mit breiterer Spur und neuen Achslagern vorn, was der Fahrdynamik und dem Abrollkomfort zugute kommt. Zusätzlich zum serienmäßigen ABS und hinteren Scheibenbremsen (ab 75 PS) ist ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ab 100 PS, bei GTI Serie) lieferbar. Doch schon ohne diese Zusatzversicherung bleibt der Polo ein sehr handlicher, fahrsicherer Kleinwagen. Ein komfortabler ist er ohnehin, wenngleich je nach Motorisierung unterschiedliche Abstimmungen – von behäbig-weich bei den Dieseln über leichtfüßig-ausgewogen bei den schwächeren Benzinern bis hin zum spritzigstraffen, aber etwas stößigen GTI – sichtbar werden.

Allen gemeinsam sind die ab 120 km/h in den Vordergrund tretenden Windgeräusche, der 1,4-Liter-Motor mit 100 PS wird zudem über 4000/ min unangenehm laut. Mit Ausnahme des 1,6-Liter-Vierventilers erfüllen nun alle Benziner die D4-Abgasnorm und sind aus Aluminium gefertigt.

Für Freunde des Selbstzünders wartet VW mit drei unterschiedlichen Leistungsstufen und Triebwerksgenerationen auf, wobei der nur nach EU2- Norm zertifizierte, aber preisgünstigste Wirbelkammer-Diesel vorwiegend für Flottenbetreiber im Programm bleibt.

Die beiden moderneren Direkteinspritzer rechtfertigen ihren höheren Kaufpreis mit niedrigeren Steuersätzen (EU3) und Verbräuchen, der bereits im Lupo eingesetzte Pumpe-Düse- Dreizylinder (75 PS) außerdem mit Fahrleistungen, die denen des gleich starken Benziners kaum nachstehen. Ob er diesem den Rang als harmonischste und wirtschaftlichste Motorisierung abläuft, darf angesichts des habhaften Mehrpreises von 3000 Mark bezweifelt werden.

Als familientaugliche Kombination aus Sparsamkeit und Temperament hat der kleine TDI aber durchaus seinen Reiz, denn mehr noch als der niedrige Normverbrauch (4,4 Liter/100 Kilometer) beeindruckt sein für Hubraum und Wagenformat gewaltiges Drehmoment (195 Nm bei 2200/min). Obwohl eine kettengetriebene Ausgleichswelle für befriedigende Laufkultur sorgt, ist er allerdings nicht ganz leise. Doch wer so viel High Tech bietet, darf wohl auch mit ein wenig Radau die Werbetrommel rühren

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