Foto: Achim Hartmann

Ferrari 575 Handling GTC

Handlings-Bedarf

Mit einem strafferen Fahrwerk und einer leistungsfähigeren Bremsanlage gewinnt der italienische Sportwagen deutlich an sportlicher Kontur. Der Fahrspaß mit dem Ferrari 575 Handling GTC ist jedoch nicht billig.

Dario Benuzzi, seines Zeichens Cheftester für die Straßensportwagen von Ferrari, hat nicht gerade den umfassendsten englischen Wortschatz. Was, sofern sein Gegenüber mit ebenso dürftigen Italienischkenntnissen ausgestattet ist, zuweilen zu eher kurzsilbigen Gesprächen führt. Daher lässt der grau melierte Lenkradvirtuose per se lieber Taten sprechen, wenn er bei einer Demonstrationsrunde zur nachfolgenden Selbsterfahrung mit dem 575 Handling GTC einstimmt. Und das ist in der Folge wahrlich einprägsamerer Natur als blumige Erklärungen zum neuen optionalen Austattungspaket.

Schon die Namensgebung für die 22 620 Euro teure Option rückt die Zielsetzung, die sich hinter den technischen Veränderungen verbirgt, punktgenau in den Fokus: Handling – der Name ist Programm. Und GTC in Anlehnung an den gleichnamigen Renner in der FIA-GT-Meisterschaft.

Oder wie es Produktstratege Giuseppe Bonollo veranschaulicht: „Wir sind auf die Anforderungen unserer Kunden eingegangen, die ihren Ferrari 575 Maranello immer öfter auf der Rennstrecke bewegen wollen.“ Hierfür sind dem 515 PS starken Hecktriebler feinste Zutaten zuteil geworden, die sich auf den ersten Blick nur dem Kenner erschließen, wie beispielsweise die mehrteiligen, 19 Zoll großen Leichtmetallfelgen, die mit Pirelli P Zero Corsa- Reifen bestückt sind, jenem weichen, gripfreudigen Gummi, der auch dem 360 Challenge Stradale zu hoch angesiedelten Kurventalenten verhilft.

Hinter der üppigen Besohlung schimmert, unscheinbar in Grau, das Herzstück der Komposition aus hochkarätigen Komponenten: gewaltige Kohlefaser- Verbund-Bremsscheiben, die vorn den stattlichen Durchmesser einer Familien-Pizza (398 Millimeter) aufweisen und von rot glänzenden Sechskolbensätteln in die Zange genommen werden. Im alltäglichen Gebrauch offenbaren die erlesenen Brembo- Komponenten feine Umgangsformen.

Keinerlei Geräusche stören die genussvolle Gangart mit dem 1730 Kilogramm schweren Zweisitzer. Der Druckpunkt ist präzise, die Dosierbarkeit tadellos. Daran lässt sich auch auf der Rennstrecke nicht rütteln. Ohne mit der Wimper zu zucken, verzögert die Anlage auch aus hohen Geschwindigkeiten ein ums andere Mal mit Bravour. Die Lebensdauer der vom Rennsport abgeleiteten Scheiben beziffert der Zwölfzylinder-Verantwortliche bei Ferrari, Maurizio Manfredini: „Drei Mal länger als herkömmliche Scheiben aus Stahl.“

Insgesamt lässt es sich mit dem 575 Handling GTC auf der Rennstrecke ausgesprochen lustvoll hantieren, zumal das deutlich straffer abgestimmte Fahrwerk der Agilität, dem Grenzbereich und dem Fahrvergnügen neue Dimensionen verheißt. Die Fahrwerksänderungen gehen allerdings auf Kosten des Komforts. Aber davon ist schließlich in der Namensgebung nie die Rede.

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