Ferrari 575M im Fahrbericht

Legende mit moderner Technik

Optisch ist es nur ein kleiner Schritt vom alten 550 zum neuen Ferrari 575M Maranello. Doch Motor, Getriebe und Fahrwerk sind neu.

Die Unterschiede zwischen Vorgänger und Nachfolger sind exakt so dosiert, dass der seit 1996 gebaute 550 weiterhin frisch und der jetzt aufgelegte 575M bereits klassisch aussieht.

Wer sich einbildet, der 575M würde im Rückspiegel nun freundlicher lächeln und dabei noch mehr die Luftöffnungen aufreißen als sein Vorgänger 550, liegt nicht falsch: Die Kühlluftöffnungen zu den vorderen Bremsen sind größer geworden. Alle weiteren äußerlichen Details werden nur noch intime Kenner des jüngeren Ferrari-V12-Frontmotor-Stammbaums registrieren, also Maranello-Besitzer. Die ehemals schwarzen Scheinwerfer-Einsätze sind jetzt in Wagenfarbe lackiert, die drei Lampen für Fernlicht/Lichthupe, Abblendlicht und Blinker der Größe nach sortiert und mit grauen Lidstrichen verziert.

Auch Technik-Voyeure werden bedient. Wer den Unterschied in den Ansaugöffnungen auf Motorhaube und linkem hinteren Kotflügel erkennt, verdient ein Cavallino Rampante am Bande. Durch Gitter mit größeren Maschen bekommen der V12 und der Getriebeölkühler mehr Luft.

Und sonst? Was bietet Ferrari in der Frontmotor-Berlinetta zum Freundschaftpreis von 188.000 bis 196.000 Euro noch? Mehr Hubraum, auf Wunsch das computergesteuerte, mit elektrohydraulischen Stellmotoren aktivierte F1-Getriebe erstmals in Kombination mit einem V12, ein adaptives Fahrwerk mit elektronisch gesteuerten Dämpfern und einen vibrierenden Innenraum.

Beschleunigung: freier Fall nach vorne, ungehemmt

Die dezenten Modifikationen am V12 werden immerhin von deren Wirkung übertroffen. Die Hubraumvergrößerung von 5474 auf 5748 Kubikzentimeter wird durch einen Millimeter mehr Bohrung und zwei Millimeter mehr Hub erreicht. Und neben der Erhöhung der Verdichtung von 10,8 auf 11:1 lässt Ferrari den überarbeiteten Ansaugtrakt tiefer Luft holen. Obwohl die Werksangaben für die Beschleunigung beim 575M bloß einige Marginalzehntel besser sind, kippt die Beschleunigung des 515 PS starken neuen Maranello speziell im mittleren Drehzahlbereich, ab etwa 4400/min, ins Dramatische ab – freier Fall nach vorne, ungehemmt. Um die Lässigkeit des Vorgangs zu unterstreichen, behält der V12 dabei bis zum roten Bereich einen weichen, nie aggressiven Tonfall bei.

Das F1-Getriebe mit den Schaltpaddeln hinter dem Lenkrad ist als Verkaufsschlager fast so populär wie der rote Ferrari-Teddybär. Für den Einsatz in der Transaxle-Einheit an der Hinterachse wurden Synchronringe und Software verbessert. Speziell das Herunterschalten bei mittleren Drehzahlen beherrschen Computer und elektrohydraulische Stellmotoren nun mit einem deutlich geringeren Ruck beim Einkuppeln. Für Kunden mit Pole-Position-Ambitionen ist noch wichtiger, dass schnellere Schaltzeiten auch die Beschleunigung im Vergleich zum manuellen Sechsganggetriebe um einige Hundertstelsekunden verbessern.

Sportwagen unter den Coupés

Im Zusammenspiel mit dem neuen adaptiven Fahrwerk, dessen einzeln elektronisch angesteuerte Dämpfer die Räder auch dann mit den Schultern auf die Matte legen, wenn diese uneben wie eine durchschnittliche Bundesstraße ist, leistet sich der 575M einen Luxus an Komfort, der nicht morbid ist, sondern nur zeitgemäß.

Doch ein leichter Kick aufs Gaspedal oder – noch direkter – ein Druck auf die Sport-Taste am Armaturenbrett, und der 575M wird zum eleganten Raubtier. Damit die Straße zur Piste wird, verhärten die Dämpfer, die Stellmotoren langen härter und schneller ins Getriebe, und die Antriebsschlupfregelung lässt den Ansatz eines Powerslide zu.

Wenn der 360 Modena als Rennwagen unter den Sportwagen gilt, bleibt für den 575M die nicht undankbare Rolle des Sportwagens unter den Coupés.

Technische Daten
Ferrari 575M Maranello
Grundpreis 188.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4550 x 1935 x 1277 mm
Hubraum / Motor 5748 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 379 kW / 515 PS bei 7250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 325 km/h
0-100 km/h 4,3 s
Verbrauch 21,7 l/100 km
Testverbrauch 18,8 l/100 km
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