Ferrari California, Frontansicht Hans-Dieter Seufert
Ferrari California, Heck
Ferrari California, Frontansicht
Ferrari California, Seitenansicht
Ferrari California, Motor, Achtzylinder 16 Bilder

Ferrari California im Fahrbericht

Mit mehr PS der Sonne entgegen

Für die Zweitauflage des California startet Ferrari eine Fahrspaß-Offensive. Optisch bleibt das 2+2-sitzige Blechdach-Cabrio unverändert, wiegt aber 30 Kilogramm weniger und leistet 30 PS mehr. Außerdem gibt es ein optionales Handling-Package.

Bäume und Felder in der Emilia Romagna künden mit sattem Grün vom Einzug des Frühlings. Noch schnell einen Cappuccino, dann los zur aktuellsten Evolutionsstufe des Ferrari California, die auf eine Ausfahrt wartet. Exakt so müssen sie sein, die Vorboten für einen perfekten Tag, wenn da nicht diese Tristesse am Himmel wäre. Zum Heulen. Madonna! Ausgerechnet heute will es rund um Maranello regnen ...

Giallo tristrato – das dreischichtige Gelb des Ferrari California dämpft die erste Missstimmung, der feinherbe Geruch des schwarzen Leders mit den akkuraten gelben Nähten unterdrückt den emporkriechenden Unmut. Und das feinnervige Aufbegehren des 4,3 Liter großen Achtzylinders besorgt den Rest, zupft schlagartig Mundwinkel nach oben. Soll es doch vor sich hin nieseln. Auch wenn sich die Faltmimik des Aludachs zunächst absolut nicht um Frischluft bemühen muss, herrscht in den satt gepolsterten, gut stützenden Sitzen eitel Sonnenschein. Albert Hammond wusste schon in den Siebzigern: „It never rains in (Southern) California“.

Ferrari California wird stärker und leichter

In der Zweitauflage des gleichnamigen, 2009 debütierenden Frontmotor-V8-Ferrari mit geschlossenem Klappdach sowieso nicht. Sie hat noch einen Schuss mehr Arrabbiata zu bieten als die mittlerweile 8.000 Mal verkaufte Erstausgabe. Wobei vom evolutionären Mehrwert weder an der Außenhaut noch im edlen Innenraum viel zu sehen wie letztlich auch monetär zu spüren ist. Optisch unverändert beginnt die maximal 312 km/h schnelle Ferrari California-Tour zu einem Preis von nach wie vor 180.596 Euro – was auch atemberaubend ist.

Das Weniger ist das Mehr am Neuen. 30 Kilogramm hat sich der Ferrari California nämlich aus den Aluminiumrippen geschwitzt. Statt acht finden sich nun zwölf unterschiedliche Leichtmetall-Legierungen in der Chassis-Struktur: Eine gezielte Mixtur aus tragenden Strangpressprofilen, teilweise nur 0,9 Millimeter dünnen Blechen und aufwendig konstruierten Gussteilen bildet die geschweißte, geschraubte, geklebte und vernietete Basis für ein Plus an Dynamik.

Trotzdem bleiben noch stramme 1.735 Kilogramm stehen, die standesgemäß bewegt werden wollen. Das übernehmen nun 490 anstatt 460 PS und 20 zusätzliche Newtonmeter Drehmoment. Die Leistungssteigerung ist ein Resultat aus Feinarbeit im Kurbelgehäuse, dem Einsatz anderer Kolben sowie Modifikationen an den Abgaskrümmern und der Elektronik des Ferrari California. Ein verlockendes Dolce für Längsdynamiker also, während solvente Querdynamiker für knapp 5.400 Euro Aufpreis das Handling Speciale-Package hinzuordern können, was eine um neun Prozent direktere Lenkübersetzung sowie eine strafferer Fahrwerksabstimmung beinhaltet.

Ein Cavallino Rampante für jeden Tag

Momentan sind diese Zahlen noch so graue Theorie wie der Himmel über Maranello. Behände und eingehüllt vom feinen Timbre des 90-Grad-V8, rollt der Ferrari California durch seinen Geburtsort. Die Standardabstimmung des elektronisch geregelten Fahrwerks benimmt sich eine Spur softer. Aber auch mit dem Handling-Package rollen die optionalen 20-Zoll-Räder keineswegs ruppig über die Unzulänglichkeiten des italienischen Straßenbaus hinweg. Fast schon nebensächlich und gewohnt elegant vereint das Doppelkupplungs-Getriebe automatisch eine Gangradpaarung nach der anderen. Der Ferrari California bleibt sich treu: ein Cavallino Rampante für jeden Tag.

Trotzdem: Finito piano. Avanti forte. Hinein in die Hügellandschaft der Apennin-Ausläufer, wo sich der Regen wenigstens leicht erbarmt, damit wir in den verlockenden Kurven sündigen können. Also runter mit der Mütze, was leider nur im absoluten Stillstand funktioniert, und rein in den Purismus. Das Manettino klickt auf Sport, strafft Fahrwerk und Gangwechsel, die Finger übernehmen an den Lenkradwippen manuell die Schaltarbeit.

In 3,8 Sekunden von null auf 100

Wie einst Enzo am Rennsport hängt der verfeinerte Achtzylinder des Ferrari California am Gaspedal, spricht gierig an, stürmt fast schon besessen durchs Drehzahlband, drückt massiv in allen Lebenslagen und wirkt dabei so leichtfüßig wie eine Ballerina. In 3,8 Sekunden soll es von null auf 100 gehen. Beeindruckender wird nur noch entschleunigt, weil die serienmäßige Carbon-Keramik-Bremse zupackt wie Bud Spencer – allerdings mit deutlich mehr Gefühl.

Kurven werden zur Showbühne, die der Ferrari California mit Pomp und Glamour betritt. Schamlos feuern die Zwischengassalven beim Runterschalten aus den Endrohren. Ein Tor, wer sich diesem frivolen Szenario mit geschlossenem Dach verschließt. Der Einlenk- scheint mit dem Scheitelpunkt zu verschmelzen, denn die angespitzte Lenkung spricht extrem motiviert an, gibt sich zudem auch noch äußerst leichtgängig und für einen Sportwagen somit nicht über Gebühr mitteilungsfreudig.

Zwei, drei Kurven später stimmt die Linie, und es kommt das Vertrauen. Das Manettino klickt auf ESC Off, befreit das Cavallino von den Zügeln. Gibt dem Heck die Freiheit, die es eigentlich nur auf der Rennstrecke braucht. Dorthin jedenfalls könnte der Ferrari California inklusive „HS“-Package nun zweifellos mehr denn je abbiegen, wenn es denn unbedingt so sein soll.

Ferrari California mit optionalen Handling Speciale-Package

„Einige unserer Kunden haben jedenfalls nach noch mehr Fahrdynamik verlangt“, so Ferrari-Chef Amedeo Felisa. 20 Prozent werden das Handling Speciale-Package erwartungsgemäß auch ordern. Die restlichen genießen den Ferrari California vornehmlich so, wie er ursprünglich gedacht ist. Als zugegeben nun noch agileren, sportlicheren Gran Turismo für alle Tage.

Auch für Tage wie diesen, wo der Himmel nun endgültig seine Schleusen öffnet. Also Dach zu und mit der Sonne im Herzen zurück ins Hotel. Auf einen Espresso danach.

Technische Daten

Ferrari California 4.3 V8
Grundpreis 180.596 €
Außenmaße 4563 x 1902 x 1308 mm
Kofferraumvolumen 240 l
Hubraum / Motor 4297 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 360 kW / 490 PS bei 7750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 312 km/h
Verbrauch 13,1 l/100 km
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Ferrari California
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