Ferrari F430 Spider

Im Auge des Orkans

Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Durch den offenen italienischen Super-Sportwagen weht mehr als nur der Fahrtwind: Aus der Formel 1 abgeleitete Technik, rund 80 Jahre Rennsportgeschichte und alle Mythen der Vorgängermodelle gehören zum Flair dieses Ferrari.

Wie beruhigend, dass sich die tragenden Säulen unserer christlichen Werte auch der geballten Wucht moderner Technik nicht beugen. 25 Sekunden und kein einziges Zehntel weniger dauert es, bis sich der Ferrari F430 mit geschlossenem Stoffverdeck in einen Spider verwandelt. Immerhin explodierten alle Kerndaten im Vergleich zum Vorgängermodell 360 Spider: Das neu konstruierte Achtzylinder- Triebwerk besitzt jetzt 4,3 Liter statt 3,6 Liter Hubraum, dadurch 23 Prozent mehr Leis-tung, nämlich 490 PS bei 8500/min, sogar 25 Prozent mehr maximales Drehmoment, nämlich 465 Newtonmeter bei 5250/min, ein Leistungsgewicht von 2,9 Kilogramm pro PS statt wie bisher 3,4 sowie eine Beschleunigung von null auf 1000 Meter in 21,8 Sekunden, ganze 1,3 Sekunden schneller als der 360. Und das alles bei 40 Prozent mehr aerodynamischem Abtrieb. Nur jene 25 Sekunden blieben unangetastet, nicht verbesserungsfähig, weil sie keinen Performance-Wert darstellen, sondern ein Glaubensbekenntnis:

Wir glauben, dass Cabriolets, Spider, Roadster, Barchetta die besseren, weil emotionaleren Automobile sind, und der F430 Spider ist der unumstößliche Beweis dafür, der aber gleich- zeitig gnadenlos mit der Sehnsucht der Naturfreunde aufräumt, in einem offenen Automobil würden wir mehr Luft, mehr Liebe, mehr Welt spüren als in den verlöteten Dosen mit festem Dach. Gepfiffen Freunde, im F430 Spider spürt man vor allem eines: mehr Ferrari. Vielleicht nicht ganz jene volle Dröhnung von Schumi & Friends, aber auf alle Fälle mehr als die alten Haudegen in ihren offenen Le Mans-Rennsportwagen. Der F430 Spider wurde zwar parallel zum Coupé entwickelt, aber eigentlich rund um das Verdeck des F360 Spider samt dessen Öffnungs- und Schließsystem. Es klingt inzwischen etwas nach Hausaufgabe, wenn ein Cabrio aus einem Coupé geschnitzt werden soll. Aber versuchen Sie mal, mit einem Cabriolet sowohl bei geschlossenem oder auch bei offenem Verdeck ähnliche cw-Werte wie die Ausgangsversion zu erreichen, ähnliche Ergebnisse bei der passiven Sicherheit, eine annähernd identische Verwindungssteifigkeit der Karosserie, ohne dass nach einer derartigen Kur das Gewicht explodiert wie nach einem Monat Vollpension bei McDonald’s. Beim F430 Spider stecken in den Türen vier Kilogramm und im Chassis sechs Kilogramm mehr Gewicht, trotzdem ist die ganze Maschine mit 1520 Kilogramm Leergewicht sogar leichter als das Coupé mit 1525 Kilogramm. In den erwähnten 25 Sekunden falten sieben elektrohydraulische Stellmotoren das kapuzenkleine Verdeck so akkurat zusammen, das es entweder in die Brusttasche eines Kiton-Sakkos oder doch zwischen Cockpit und Motorraum passt.

Wer jemals erleben durfte, wie ursprünglich der Geruch von frischer Gülle durch das Cockpit eines britischen Sportwagenklassikers wehen kann, ist den Windkanaltechnikern von Ferrari dankbar, dass ihr offenes Spider-Cockpit frei von derartigen Umwelteinflüssen ist. Mit dem durchsichtigen Windabweiser zwischen den Überrollbügeln und bei geschlossenen Seitenscheiben lassen Piloten nur die Sonne und die Hand der Copilotin an ihre Haut. Bei offenen Seitenscheiben wird die Brise nicht wirklich aufdringlicher. Allerdings verbessert sich dann in engen Spitzkehren die Sicht auf die Straße, und zwar zwischen Windschutzscheibenrahmen und Außenrückspiegel. Außerdem weht durch diesen Spalt dann doch so viel frischer, kühler Sauerstoff ins Gesicht, der klar macht, wie schnell man im F430 Spider eigentlich unterwegs ist. Durch das offene Dach ist der Fahrer noch intensiver mit dem F430 verkabelt als in der Berlinetta. Der Klang des Motors wird nicht gefiltert, sondern weht direkt ins Nervenzentrum, und die Reaktionen des Autos können noch viel direkter und unmittelbarer erlebt werden. Jede Bodenwelle, über die der Spider mit der unnachahmlichen Eleganz einer Raubkatze tigert, wird mit der Rückseite direkt mitgenommen. Jeder Schaltvorgang, der beim semiautomatischen F1-Getriebe in der Race-Stellung nur mehr den Wimpernschlag von 150 Tausendstelsekunden dauert, fährt durch die Wirbelsäule. Die Karthafte Leichtigkeit des Einlenkens und Rausbeschleunigens, vom elektronisch geregelten Sperrdifferenzial ebenso unmerklich wie wirkungsvoll unterstützt, wird für die Handgelenke und Reaktionszeiten eine echte Herausforderung. Und bei aller Beschleunigerei, Bremserei, Einlenkerei sitzt man im Cockpit wie in einer Badewanne, die sich durch diverse Farben, Materialien und Sitzformen sowie -breiten individuell zuschneidern lässt wie nie zuvor bei Ferrari. Man badet quasi direkt im Motor, der alle Nuancen seines Betriebszustands – Hitze, Vibrationen, Klang – sozusagen in unser Badewasser ableitet. Der F430 Spider soll bereits Ende März auf den deutschen Markt kommen. Die Preise liegen bei 161 200 Euro für das Modell mit dem manuellen Sechsganggetriebe samt klassischer Schaltkulisse und 168 500 Euro für den Spider F1 mit der Halbautomatik. Zum Vergleich: Der F430 Berlinetta kostet 138 700 Euro, der F430 Berlinetta F1 146 000 Euro. Eine kleine Delle in einer der tragenden Säulen unserer crhistlichen Werte ist dennoch zu vermerken: Das Verdeck lässt sich erstmals auch beim Fahren Öffnen und Schließen, allerdings nur bis zum Ferrari- Schneckentempo von fünf km/h.

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Technische Daten
Ferrari F 430 Spider
Grundpreis 186.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4512 x 1923 x 1234 mm
KofferraumvolumenVDA 250 l
Hubraum / Motor 4308 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 360 kW / 490 PS bei 8500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 311 km/h
Verbrauch 18,3 l/100 km
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