Ferrari FF im Fahrbericht

660 PS-Allradler auf Erprobungsfahrt

Ferrari FF Foto: Ferrari 28 Bilder

Ferrari will den viersitzigen FF bei Wintertests auf Allround-Tauglichkeit trimmen. Für Grip soll der serienmäßige Allradantrieb sorgen. auto motor und sport war bei den letzten Abstimmungsfahrten dabei.

Der ehemalige Rallye-Weltmeister Markku Alen zeigt sich vom Ferrari FF tief beeindruckt: „Der Vortrieb des FF erinnert mich an mein damaliges Lancia Gruppe B-Monster.“ Ferrari hat den Finnen als Berater engagiert, um die größte Technik-Überraschung des zweitürigen Viersitzers im Detail abzustimmen – den Allradantrieb.

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Reportage Ferrari FF Grip-tuning
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Innerhalb der Branche ist die allgemeine Verblüffung über den Ferrari FF perfekt. Nicht nur, dass der Nachfolger der großen Baureihe 612 Scaglietti bis kurz vor seiner Präsentation auf dem Genfer Automobilsalon in der Nebel-Suppe der Emilia Romagna scheinbar unsichtbar blieb. Nein, sie haben sowohl die echte Viersitzigkeit als auch die neue Schlüssel-Technik unter dem Deckel gehalten. Letztere stellt für die Heckantrieb- Verfechter eine Revolution dar: Ferrari und Allradantrieb.

Exklusive Ausfahrt im Ferrari FF

Im hohen schwedischen Norden rund um die Test-Hochburg Arjeplog setzen Rallye-Ass Alen und Ferrari-Testfahrer Raffaele de Simone den Auftrag von Firmenchef Amedeo Felisa um: „Macht den Ferrari FF fahrstabil. Immer.“ Das schließt Eis und Schnee ein, weshalb der noch stark getarnte GT-Sportwagen auf einem der zugefrorenen Seen unermüdlich seine Runden dreht. Auf Winterreifen ohne Spikes. Auf dem ungewohnten Terrain haben die Italiener mit aller elektronischen und mechanischen Macht den Kampf gegen das verhasste Untersteuern aufgenommen, dem als zutiefst unsportlich empfundenen Übergang in den Grenzbereich den Kampf angesagt – und auto motor und sport exklusiv eingeladen, die drei effektiven Regel-Strategien im Ferrari FF dagegen selbst zu testen.

Die erste Gegenmaßnahme lässt sich über das Lenkrad initiieren; Testfahrer de Simone nennt es Panik-Reaktion. Wer wie die meisten Fahrer entgegen dem allgemeinen Rat beim beginnenden Untersteuern nicht die Lenkung öffnet, sondern weiterhin einlenkt, dem hilft der Ferrari FF mit einem sanft herumschwenkenden Heck.

Technik-Assistenz Nummer zwei: Der Fahrer tritt auf die Bremse, aber nur leicht, so dass sich ABS nicht zum Intervenieren gezwungen sieht, was deutlich einfacher geht als etwa beim Italia mit dessen hartem Druckpunkt – und schon macht der Ferrari FF aus lähmendem Unter- ein vergnügliches Übersteuern. Bleibt noch der so genannte Könner-Modus. Dabei geht der Fahrer voll aufs Gas, was zugegebenermaßen etwas Überwindung kostet, schließlich rutscht der Ferrari FF bereits. Doch statt stumpf in den seitlich begrenzenden Schneewall einzuschlagen, reißt der Ferrari das Ruder herum und schwenkt auf Linie ein.

Erster Ferrari für Schnee und Eis

Zum eleganten Klären der kritischen Situationen trägt die Lenkung bei; verglichen mit derjenigen des 612 Scaglietti ist sie deutlich gefühlvoller. Sensibel reagiert der Ferrari FF auf alle Anweisungen, tanzt wie eine XL-Ballerina über den See, bleibt selbst im provozierten Drift stabil. Kein Kippeln, kein Kontern. Es ist der erste Serien-Ferrari, der ernsthaft auf Schnee bewegt werden kann und damit das letzte Hindernis zur Ganzjahrestauglichkeit beseitigt. Dabei kuppelt sich die Vorderachse tatsächlich nur unter rutschigen Bedingungen zu – per Mini-Getriebe, das an der Kurbelwelle des Frontmotors ansetzt.

De Simone: „Bei Trockenheit fahren wir rein mit Heckantrieb.“ Auf Schnee zieht sich der Ferrari FF jedenfalls beeindruckend aus der Untersteuer-Affäre. Wie er das Ganze auf Asphalt umsetzt, muss ein späterer Test klären. De Simone verspricht jedenfalls, dass der GT dem Rutschen dort bis zu 1,2 G widersagt. Wie beim Mittelmotor-458 Italia ist das elektronisch gesteuerte Differenzial ins Doppelkupplungsgetriebe integriert.

Ex-Rallyeweltmeister ist beeindruckt

Beim Ferrari FF sitzt der 6,3-Liter-V12 aber hinter der Vorderachse. Das Verteilergetriebe schließt direkt am Motor an; es eint die Funktion des Mittel- und Vorderachs-Differenzials, überträgt die Kraft via Kupplungen und wiegt nur etwa 43 Kilogramm.

Schon seit dem F430 beeindruckt Ferrari mit dem Torque Vectoring an der Hinterachse; beim FF kommen erstmals alle vier Räder in den technischen Genuss selektiver Kraftverteilung ohne unfeine Bremseneingriffe; die vernichten die Leistung schließlich, statt sie zu portionieren. Noch einmal ist Alen beeindruckt – vom fünffach verstellbaren Traktionssystem: „Ohne Spikes erklimmt der Ferrari FF vereiste 15-Grad-Steigungen. Versuchen Sie mal, da zu Fuß hinaufzukommen.“ 

Technische Daten
Ferrari FF 6.3 V12
Grundpreis 258.111 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4907 x 1953 x 1379 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 800 l
Hubraum / Motor 6262 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 485 kW / 660 PS bei 8000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 335 km/h
Verbrauch 16,3 l/100 km
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