Foto: Achim Hartmann
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Ferrari Superamerica

Chapeau klapp

In rekordverdächtigen sieben Sekunden verwandelt sich das elegante Ferrari Superamerica-Coupé mit seinem 540 PS starken V12-Motor in ein Glamour-Cabrio, das bei Bedarf mit 320 km/h seine Kreise zieht.

Über den Dächern von Monte Carlo entfaltet der Ferrari Superamerica seine ganze Pracht in einem einzigartigen Galaauftritt, der selbst die Starparade anlässlich der Filmfestspiele im benachbarten Cannes blaß aussehen lässt. In ganzen sieben Sekunden entledigt sich der Frontmotor- Zweisitzer seines Oberteils, indem er sein teils durchsichtiges Glasdach einfach nach hinten auf den Kofferraumdeckel klappt.

Historiker dürfen bei dieser neuen Art von Cabrio entfernte Ähnlichkeiten mit der Heckpartie des Rennsportwagens TRI 330 LM feststellen. Die prestigeträchtige und stolze Typenbezeichnung Superamerica verdient die offene Version des Ferrari 575M Maranello zu Recht: Sie wird vom stärksten Ferrari-Serien- V-Zwölfzylinder mit 540 PS angetrieben, ist mit 320 km/h Höchstgeschwindigkeit das derzeit schnellste offene Serienautomobil und wird in einer auf 559 Stück limitierten Serie gebaut. Bei derartigen Superlativen verzeiht die amerikanische Klientel sicher gerne, dass ein Automobil mit der Typenbezeichnung America ohne einen einzigen Cupholder auskommen muss.

Nicht einmal im Individualisierungs- Programm Carrozzeria Scaglietti finden die Cupholder Gnade. Wer sich an die fünfziger und sechziger Jahre erinnert, weiß ja noch: Wann immer in Maranello ein paar besonders starke V12 rumstanden und die Carrozzieri Touring, Vignale und Pinin Farina den Drang verspürten, Coupé- und Cabriolet- Karosserien wie große Abendgarderoben für verwöhnte Stammkunden zu entwerfen, entstanden sündteure Raritäten mit der Typenbezeichnung Superamerica, genau 38 Stück in vier Serien von 1956 bis 1960. Mit der neuen Serie auf Basis des 575M Maranello wird kein Erinnerungskult betrieben.

Weder soll an Superamerica- Kunden wie König Leopold von Belgien oder Gianni Agnelli gedacht werden, noch möchte Ferrari die Neue Welt hochleben lassen, die genau genommen nur eine etwas größere italienische Provinz ist: Amerika wurde von einem Italiener entdeckt und ist nach einem anderen benannt.

Der neue Superamerica ist mehr als geschäftliches Denkmal gedacht, betreibt doch die Ferrari S.p.A. seit genau 50 Jahren einen schwungvollen und einträglichen Handel mit ihren amerikanischen Kunden. Er hätte das Zeug zum Filmstar und als solcher sogar die Geschichte umschreiben können. Wären Grace Kelly und Cary Grant im Hitchcock-Klassiker „Über den Dächern von Nizza“ nicht in einem Nash-Cabriolet liegen geblieben, sondern in einem Superamerica über die Moyenne Corniche gekurvt, wäre Grace Kelly nicht in Monaco gelandet, sondern mindestens in Maranello.

Die Dachidee ist genial simpel: Das Hardtop klappt um eine Achse zwischen den B-Säulen nach hinten auf den Kofferraumdeckel, in handgestoppten 6,69 Sekunden. „Wir wollten die Idee eines Klappdaches à la SL für Ferrari verfeinern“, erläutert Amedeo Felisa, als Technikchef zweiter General Manager hinter Jean Todt, das Konzept nach einer patentierten Idee des Turiner Ingenieurs Leonardo Fioravanti.

Vorteile sieht er „im einfachen Mechanismus und beim Kofferaum, dessen Stauraum nicht verkleinert werden musste“. Weil die Sieben-Sekunden- Dach-Nummer nur unwesentlich länger dauert als die Beschleunigung von null auf 100 km/h, welche der Superamerica in flotten 4,2 Sekunden erledigt, bietet Ferrari im so genannten Revrocromico-Dach auch eine längere Spielerei an.

Das Dach, eine aparte Kombination aus Glasteil und Kohlefaser- Rahmen, mit dem französischen Spezialisten Saint- Gobain entwickelt, kann dank elektrochromatischer Kristalle seine Lichtdurchlässigkeit verändern.

Mittels Schalter auf der Mittelkonsole hat der Kavalier am Volant je nach Alter und Konsistenz der Beifahrerin fünf Transparenzstufen zu bieten: Von quasi taghell mit 40 Prozent Lichtdurchlässigkeit bis zum intimen Halbdunkel von vier Prozent Licht. Die Prozedur dauert rund 60 Sekunden und entspricht damit etwa jener Zeitspanne, die man für einen Kavalierstart bis 320 km/h braucht.

Obwohl das Heckfenster auch im umgeklappten Zustand als Windschott für Nackenwärme sorgt, weht durch den offenen Superamerica ein spürbarer Wind, der nicht nur für Frische sorgt, sondern auch für den Duft der großen, weiten Welt, die nirgendwo besser riecht als im Superamerica, der am Wochenende vor dem Grand Prix gemütlich durch Monaco schlendert. Der Maranello bietet in seiner letzten Ausbaustufe als Superamerica lässige Souveränität bei jeder Drehzahl. Der 5,7-Liter-540-PS-V12 ist als Leihgabe aus dem 612 Scaglietti noch mal 25 PS stärker als im 575M, der das Cabrio- Mehrgewicht von 60 Kilogramm locker kompensiert. Egal, in welchem Drehzahlbereich, egal in welchem Gang des halbautomatischen F1-Getriebes (7200 Euro Aufpreis), der Superamerica kann aus jeder Situation ebenso brachial wie geschmeidig beschleunigen.

Die sensible Lenkung erlaubtzudem, den1,8-Tonnervirtuos zu dirigieren. Und die als Extra sündhaft teuren Keramik- Bremsen bieten bei der Verzögerung FIA-GT-Rennfeeling.

Wenn wir schon von Banalem wie Geld reden: Der Superamerica ist ausverkauft, ein 575M – speziell mit dem GTCHandling- Paket – eine günstige und reizvolle Alternative.

Technische Daten

Ferrari Superamerica
Grundpreis 234.100 €
Außenmaße 4550 x 1935 x 1277 mm
Kofferraumvolumen 230 l
Hubraum / Motor 5748 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 397 kW / 540 PS bei 7250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
Verbrauch 21,8 l/100 km
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