Fiat 500

Der Zwerg groovt

Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Eine simple Retro-Kiste? Von wegen: Mit dem Fiat 500 zeigen die Italiener, dass sie es kleinwagenmäßig noch drauf haben – und dass die Masche des Ur-Cinquecento auch nach 50 Jahren noch zieht.

Fiat500.com – oder: Der Transfer eines analogen Images in das Zeitalter der Web-Freaks. Bunt und laut trommeln sie via Internet für den neuen Cinquecento. Jenen stramm in Retro gewandeten Nachfolger des Nuova 500 von 1957. Müssten sie aber gar nicht – auf die Straße stellen und warten genügt. Passanten kommen von selbst. Schlendern heran und kriegen sofort gute Laune. Sie streicheln, tatschen, umringen ihn, greifen hinein. Der Italiener nimmt wie selbstverständlich Besitz vom 500. Ohne Scheu. Ein Fiat als Allgemeingut.

Dabei fällt der 3,55 Meter lange Neue erwachsener aus als der fast schmerzhaft blechern-rohe Zweizylinder-Opa. Ambitionierter als seine direkten Vorgänger Cinquecento und Seicento sowieso. Propagierte der Erste noch Pragmatismus im Handkantenschlag-Design, verrundete der Zweite den spartanischen Habitus mit der Freude am Kunststoff-Spritzguss.

Heraus kam jeweils eine ziemlich fade Nummer – bis auf die Sporting-Ableger, die mit jeweils 55 PS Bambule machten. Nun also wieder 500. Modern, aber mit schwer historischem Akzent. Zu einem Zeitpunkt, zu dem für viele Auguren der Abfahrts-Pfiff des Retro-Zuges mitsamt VW Beetle, Chrysler PT Cruiser und Co. schon verklungen war.

Doch der kulleräugige Fiat will nicht die rote Laterne tragen, sondern der Konkurrenz mal wieder so richtig heimleuchten – und ab dem 6. Oktober ein Stück Italien auch über die Alpen zu den deutschen Händlern bringen. Magerte Dante Giacosa, der Schöpfer des Ur-500, Blechflächen und Ausstattung auf ein Mindestmaß ab und verzichtete sogar auf Außenspiegel, um Gewicht und Kosten einzusparen, gibt sich der Neue gefälliger.

UMTS statt Wählscheibe, schließlich können auch moderne Handys wie ein historischer Bakelit-Klotz klingeln und trotzdem EMails versenden.

549.936 Möglichkeiten einen Fiat 500 zusammenzustellen ergeben sich der Kombination von zwölf Karrosseriefarben, vier Ausstattungsvarianten (Naked (noch nicht im Angebot), Pop, Sport und Lounge), drei verschiedenen Polsterstoffbezügen aus Gewebe und Leder, neun Felgentypen und 100 eigens für das Modell entwickelte Zubehörteile. auto-motor-und-sport.de bietet ein Übersicht über die angebotenen Ausstattungsvarianten, Farben und das Zubehör.



Die weiteren Themen von auto motor und sport, Heft 15/07, das ab 3.7. im Handel ist:

  • Die deutschen Cabrio-Stars
  • Vorstellung BMW M3
  • Fahrbericht Mercedes C63 AMG
  • Erster Test Audi A5 Coupé

Live Abstimmnung 2 Mal abgestimmt
Hat der neue Fiat 500 das Potenzial ein Kultauto zu werden?
Nein, es kann nur einen geben
Ja, tolle Evolution
Nein, Retro ist out
Ja, ganz klares Kultpotenzial

Genauso setzt der 500 einen emotionalen Kontrapunkt zu nutzorientierten Kopfgeburten. Er kommt von Herzen, scheint mit Liebe und flüssigem Strich skizziert, beim Blick auf einen vor dem Fenster im Sonnenlicht parkenden Nuova 500. Tatsächlich aber erledigten die Fiat-Ingenieure den größten Teil der Entwicklung am Computer – in nur 18 Monaten.


Davor ging der Fiat einen langen Weg: 2004 als übermotivierte dreiplus- eins-sitzige Studie Trepiùno in Genf vorgestellt, in den Wirrungen der Liaison mit General Motors gekippt. Aber jetzt legt er los: Auf der verbreiterten, modifizierten Plattform des Panda, mit dem er im polnischen Tichy vom Band läuft.

Etwas später kommt der neue Ford Ka hinzu, der technisch weitgehend dem 500 entspricht. Subjektiv hat der mit dem etwa gleich großen Panda ungefähr so viel gemein wie mit seinem luftgekühlt schnarrenden Zweizylinder-Urahn aus den Fünfzigern. Das zeigt er bereits in der Einfach-Ausstattung Pop für rund 10 500 Euro.

Stabile Bügelgriffe in Chrom statt labbriger Klappmechanik, dumpfes Tür- ploppen statt Dünnblech-Scheppern. Der 500 ist kein oberflächlicher Retro- Blender, übersteht Spaltmaß-Kontrollblicke ebenso wie prüfendes Fingerdrücken oder festen Griff.

Auf festen Griff verzichten die schaumstoffgepolsterten, ausreichend groß geschnittenen Standardsitze zwar, dafür nimmt ihr Verstellbereich Kleinwagen- Novizen die Angst vor Kauerstellung oder klaustrophobischer Beklemmung. Zumal es Fiat gelang, viel Luft in den Innenraum zu bekommen. Nur hinten klemmt es ein wenig, trotz Easy-Entry-Zugang haben dort nur kleine Menschen etwas zu lachen.

Die Vordersitzlehnen schubbern, die niedrige Heckklappe droht. Vorn hingegen schlüpft man lässig hinein, der 500 passt wie ein Lieblings-T-Shirt. Während die linke Hand mit dem weichen Leder des Lenkrads schäkert, bändelt die andere wie von selbst mit dem halbhoch postierten Schaltknauf im Mini- Billardkugel-Stil an.

Und dann beginnt der Tanz der Zeiger im runden Zentralinstrument. Während der des Tachos außenherum wandert, wuselt jener des Drehzahlmessers im Innenkreis. Amüsement für die Augen, Gift für eine trockene Test-Beurteilung. Aber wer im 500 sofort ans Punkteschema denkt, ist selber schuld. Jetzt ist erst mal Zeit, sich ehrlich über seinen hochprozentigen Charme zu freuen, etwa den des Armaturenträgers.

Er zitiert groß flächig die Außenfarbe und spiegelt kontemplativ die vorüberziehende Umgebung wider. Gegen dieses Multicolor-Cinemascope wirkt manch konventionelles Kleinwagen-Armaturenbrett wie ein eingeschmolzenes, durchgefärbtes Einmal-Besteck. Zart wie Crema strömt der 69-PS-Fiat durch die Stadt.

Ein Koffein-Flash ist nicht zu befürchten, denn die Basisversion ist schmeichlerisch wie Milchschaum. Die elektromechanische Lenkung dreht sich sämig, nach Druck auf den City-Knopf startet der Servomotor allerdings schon bei scharfem Angucken. Immerhin: Zum Einparken genügen zwei Finger. Und ein sicherer Blick, denn gegenüber den schmalen A-Säulen machen sich die C-Pendants breit. Beim Fahren verzichtet der Standard- 500 auf fordernde Härte und breitbeiniges Claim-Abstecken.

Sein sanftmütiges Fahrwerk hält den Insassen Unebenheiten vom Leib, beginnt erst bei dicken Brechern zu pumpen. ESP ist im Gegensatz zu den sieben Airbags (inklusive Knie-Airbag) nur beim 100-PS-Benziner Serie, ansonsten optional.

Der Top-Benziner atmet und dreht zwar heißblütiger als der untenrum gemächlich nölende 1,2-Liter, missfällt jedoch durch verzögertes Ansprechen. Als gleichmäßiger Drehmomentlieferant empfiehlt sich der heisere Diesel. Antreibend wie Espresso doppio: die Sport-Ausstattungen. Sie nehmen den Piloten mit direkterer Lenkung und straffer Federung sowie einer anschärfenden Sport-Taste in die Pflicht. Ach was, Pflicht, der neue 500 ist ein heißer Kandidat für Note 10 in der Kür. Ciao Bello!

Zur Startseite
Technische Daten
Fiat 500 1.2 8V Pop
Grundpreis 12.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3546 x 1627 x 1488 mm
KofferraumvolumenVDA 185 bis 610 l
Hubraum / Motor 1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 51 kW / 69 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Verbrauch 5,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Ein Tag auf dem Stellplatz So geht Stellplatz Hinter den Kulissen in Bad Dürrheim Truma adv. Gasregler/-filter Truma Neuheiten Neue Gasregler und Gasfilter
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Camping Tiroler Zugspitze Campingplatz-Tipp Zugspitze Camping an der Zugspitze
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote