Fiat Marea 1.8 16V Test

Ein Ende bedeutet einen neuen Anfang

Ein Ende bedeutet einen neuen Anfang. Fiat Croma und Tempra laufen aus und werden durch Marea und Marea Weekend ersetzt.

So erfolgreich Fiat bisher jede Variante des Kleinwagens mindestens einmal neu erfand, so zäh verliefen alle hartnäckigen Versuche, die italienische Volksmarke in der Oberklasse zu etablieren. Ob die gediegenen Fiat 2300 Berlina aus den sechziger Jahren, die vornehme Fiat 130-Limousine der siebziger Jahre oder jüngst der Croma – in der automobilen Luxus- Liga wirkte der Turiner Gigant so deplaziert wie Giovanni Agnelli als Fließbandarbeiter.

Der aktuelle neue Anfang beginnt damit, ein Kapitel der jüngeren Vergangenheit zu schließen. Die Produktion von Tempra und Croma, die sich zumindest in ihrer Heimat eine ähnliche Position wie VW Jetta und VW Passat erarbeiten konnten, wurde eingestellt. Wer einen weiteren Gewaltakt erwartete, um endlich in der High Society akzeptiert zu werden, wird angenehm enttäuscht.

Der neue Fiat Marea und sein Kombi-Schwestermodell Marea Weekend gelten zwar als die Top-Modelle der Marke, liegen größenmäßig aber im Bereich von Opel Vectra und Audi A4, also in der Mittelklasse: Die viertürige Stufenheck- Limousine Marea ist 4,39 Meter lang, der Kombi zehn Zentimeter länger. Wer nach Punto, Bravo/ Brava, Coupé und Barchetta mit dem nächsten progressiven Design-Schritt rechnete, wird überrascht: Von vorne sehen die Marea-Zwillinge nicht anders aus als das Bravo/Brava-Duo.

Die identischen Abmessungen von Radstand (254 cm) und Spurweite (vorn/ hinten 146/146,5 cm) verraten auch prompt, daß es sich bei Bravo/Brava und Marea/ Marea Weekend eigentlich um Vierlinge handelt. Die enge technische Verwandtschaft zeigt sich ganz ungeniert am Vorderwagen, der bei allen vier Modellen bis hin zur B-Säule praktisch gleich ist, inklusive Armaturenbrett. Nichtsdestotrotz ist die Verwandlung an sich viel besser gelungen als früher bei den ebenfalls auf einer gemeinsamen Plattform basierenden Konzern-Modellen Fiat Tipo, Alfa Romeo 155 und Lancia Dedra.

Beide Marea-Modelle wirken nicht künstlich aufgeblasen, sondern erwachsen. Die Heckpartien setzen entsprechend individuelle Akzente. Auf dem hohen Kofferraum der Limousine, dem Rundungen die Wucht nehmen, verlaufen zwei ähnlich markante Sicken wie über die Motorhaube. Beim Kombi Weekend wird die unvermeidliche Dachreling als Styling-Element genutzt, das bis zu den vertikal angeordneten Heckleuchten reicht.

Als Antrieb steht die neueste Generation der Modularmotorenfamilie zur Verfügung. In Deutschland werden drei Turbodiesel-Triebwerke angeboten, zwei 1,9 Liter-Vierzylinder mit 75 und 100 PS und der 2,4 Liter-Fünfzylinder mit 124 PS Leistung. Bei den Benzinmotoren kommen zunächst zwei Vierzylinder (1,6 Liter/ 103 PS und 1,8 Liter/113 PS) und der Zweiliter-Fünfzylinder mit 147 PS zum Einsatz, die alle mit Vierventil-Zylinderköpfen ausgerüstet sind.

Die Geometrie der Radaufhängung – vorne eine McPherson- Achse, hinten an Längslenkern und einem Fahrschemel – wurde laut Fiat-Technikern deutlich komfortabler ausgelegt als bei den leichteren Bravo/ Brava. Die Suche nach mehr Geräuschdämmung, besserem Schluckvermögen und weniger Vibrationen zieht sich von den Gummipuffern am Fahrwerk über einen neuen Querträger unter den Armaturen, der Schwingungen am Lenkrad verringern soll, bis zu den neu konturierten Vordersitzen mit deutlich mehr Schenkelauflage.

Der erste Fahreindruck zeigt, daß der Name irreführt. Marea bedeuted Gezeiten, aber die Fiat-Modelle plätschern eher wie ein ruhiger See über die Straßen, nicht wie die Naturgewalten Ebbe und Flut. Die Top-Modelle wirken natürlich noch angenehmer als die Vierzylinder, obwohl sich der Zweiliter-Fünfzylinder ausgerechnet im Geschwindigkeitsbereich von 120 km/h ein kernigeres Geräusch leistet als bei höherem Tempo.

Wenn der unbeladene Weekend auf Querfugen ebenso unbeeindruckt wie ungefedert reagiert, läßt sich das mit jener möglichen Zuladung erklären, die sein bis zu 1.550 Liter großer Stauraum aufnehmen kann. Für beide Modelle stehen drei Ausstattungsvarianten – SX, ELX und HLX – zur Verfügung; die Preise sollen bei rund 15.300 € für den Marea 1.6 SX beginnen und bei knapp 20.900 € für den Marea Weekend 2.0 HLX enden. In der Freizeit-Gesellschaft Deutschlands plant Fiat, 60 % Marea Weekend abzusetzen.

Technische Daten
Fiat Marea 1.8 16V ELX
Grundpreis 17.035 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4390 x 1741 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA 430 l
Hubraum / Motor 1747 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 83 kW / 113 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
0-100 km/h 10,7 s
Verbrauch 8,4 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km
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