Fisker Latigo CS Coupé

Sechs Sells

Foto: Guy Spangenberg 23 Bilder

Haute Couture von Henrik Fisker: Der dänische Designer kleidet den BMW M6 in Kohlefaser neu ein, nennt das Coupé Latigo CS und legt eine Kleinserie auf. Eleganz mit prallen 654 PS.

Los Angeles, Beverly Hills, Rodeo Drive. Eine Straße als Auslage des amerikanischen Traums. Armani, Burberry, Chanel – das ABC derer, die es geschafft haben. Wer nicht vom Funkeln der Luxus-Boutiquen überstrahlt werden möchte, muss in diesem Umfeld schon besonders glänzen.

Oder über die gewaltige Optik des Fisker Latigo CS verfügen: ein neu karossierter BMW M6, selbst mitten im automobilen Überfluss noch ein echter Entertainer. Concours d’Elégance. Stolz zeigt Henrik Fisker, der ehemalige BMWund Aston Martin-Designer, die Verwirklichung eines Traumes: das Coupé unter seinem Namen – die eigene Marke verspricht Unsterblichkeit. Lebende Klassiker hat der Däne bereits hinterlassen.

Den BMW Z8. Oder den Aston Martin V8 Vantage. Eine Alternative zum BMW Sechser und Mercedes CL will er bieten. „Es gibt doch kaum elegante Coupés im Drei-Box-Design“, sagt Fisker und tritt damit den Branchen-Größen selbstbewusst vors Schienbein. Er weiß um seine Design-Qualitäten. Und will sich jetzt mit Coachbuilding beweisen, zu deutsch: dem Karossieren. Dieser Fisker Latigo CS ist keine Fingerübung, sondern erstes Exemplar einer Kleinserie.

Sie ist auch in Europa erhältlich und soll 150 Stück nicht überschreiten. „Unser Topmodell kostet nicht drei Millionen, sondern nur etwa 300 000 Dollar“, scherzt Fisker und spielt damit auf den Glickenhaus- Ferrari an – das Publikum nickt einsichtig. Würde Geld riechen, es läge in diesem Moment schwer in der Luft.

In Beverly Hills, wo man mit Luxusautos von der Stange allenfalls im Strom mitschwimmt, ist äußerste Individualität sechsstellige Beträge wert. Zumal für einen Exoten, der dank Großserientechnik dennoch reibungsarm durch den Alltag gleiten wird. Lange galt die maßgeschneiderte Karosserie in Hollywood als schick. Noble Einzelanfertigungen von italienischen Sportwagen mit einem Schauspieler- Signet im Namen, etwa der Bergman- Ferrari, zeugen davon.

Doch dann löste das selbsttragende Chassis den Gitterrohrrahmen ab, und Coachbuilding verlagerte sich von den Reichen zu den Superreichen. Nun übersetzen Henrik Fisker und sein Kompagnon Bernhard Köhler die Tradition in die Moderne – zwölf Tramonto auf Basis des Mercedes SL (siehe Heft 23/2005) sind in den Staaten bereits ausgeliefert. Fisker und Köhler stammen aus der Welt der Hoch-Qualität, haben sich bei BMW und Aston Martin die Lizenz zum Luxus erarbeitet – der Däne war zuständig für die eleganten Linien, der Deutsche für die dreidimensionale Umsetzung.

Jetzt führen sie ihr eigenes kleines Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern. Firmensitz: Irvine, eine Stadt in der Peripherie von Los Angeles. Der tiefblaue Pazifik ist nahe, und im Süden Kaliforniens versinkt die Sonne oft rotglühend am Horizont.

Dieses Bild vor Augen, dazu zwei auf- rechte Modellierklingen stellvertretend für die Design-Spezialisten Fisker und Köhler – fertig ist das Firmenlogo. Der Latigo trägt es wie einen Schönheitsfleck auf seiner Fronthaube. Darunter der martialische Charakter-Grill.


Er ist der Silhouette des Kampfjets F/A 22 Raptor nachempfunden. Das also geben die Proportionen des BMW Sechser her. Mit einem Nieren-Grill wäre der Latigo CS das elegante Coupé, das viele von BMW erwartet hatten. So aber versteckt der Fisker seine bayerische Herkunft nahezu komplett.

Ab Werk besteht schon das Dach aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, nach dem Umbau die komplette Außenhaut; nur der crashtestrelevante Unterbau bleibt stählern. Alle Anbauteile wie Kotflügel und Hauben werden abgeschraubt oder, wie das hintere Seitenteil, abgetrennt, die neuen hingeschraubt oder geklebt.

Für die großflächige Belederung des Innenraums stehen zwölf Farben zur Wahl, passend dazu Aluminium-Paneele für die Konsole. Metall unterstreicht den skulpturhaften Charakter des Fisker, lässt sich aber auch mit Holz kombinieren und optisch anwärmen.

Entschuldigende Erklärungen hat das Design nicht nötig. Stringente Linienführung mit Finesse – selbst auf den zweiten Blick. In der kühlen Eleganz des Fisker verliert sich die flächige Stattlichkeit des Sechser. Mit eisigem Lufthauch umhüllt Titangrau den Latigo. Es passt gut zum Charakter seiner Basis, des M6, immerhin ein Technokrat unter den Sportwagen.

Doch der Latigo will kein bedingungsloser Performer sein – er ist ein subtiles Supercar. Äußerlich leitet sich seine Leistung allenfalls aus den vier Endrohren ab. Bis zu 654 PS statt der 507 im M6 sollen erwachen, wenn man den Startknopf drückt.

Denn für 54 000 Euro bietet Fisker ein Performance-Paket mit Motortuning von Racing Dynamics an. 5,6 statt fünf Liter Hubraum, erweiterter Ansaug- und Auspufftrakt – mehr Luft rein und schneller wieder raus. Das ändert auch den Klang des V10 dramatisch. Der heiß gemachte Motor sägt eigensinnig, nimmt aber willig Gas an.

Erstaunlich tief grollt der Zehnzylinder. Bass statt Bariton. Wo beim M6 zwei Fünfzylinder nur im Keller mittrommeln, drängen sie sich beim Fisker stampfend nach oben. Der geweitete Ansaugtrakt legt ein kehliges Grollen unter, das mit steigender Drehzahl in ohrenkitzelndes Kreischen kippt.

Mehr noch als der M6 ballt der Latigo seine Leistung nackendehnend jenseits der 5500/min. Man soll den Aufpreis fürs Tuning spüren und hören – in den tempolimitierten USA ist der Fahrspaß stark akustikgesteuert. Ebenso wie der Sechser erfüllt der Fisker den Wunsch nach sicherem Schnellfahren.

In den USA ein theoretisches Begehren – die Nadel dürfte den 200-Meilen-Bereich (322 km/h) auf dem Tacho eher selten erkunden. Da wird den Latigo CS wohl das Schicksal des Boulevard- Brenners ereilen. Legales Grenzbereich- Schnuppern? Bleibt nur die S-Auffahrt zum Highway.


Kurz blendet die Vorstellungskraft eine Hügellandschaften ein, es folgt ein euphorischer Dreh am Lenkrad. Der Latigo gehorcht. Nicht gierig, aber neugierig. Die Reifen jauchzen, es scheint ihnen zu gefallen.

Natürlich darf man von einem 1,8- Tonner selbst mit Sportfahrwerk keine ballettartige Wendigkeit erwarten, athletische Kraft sehr wohl: Begeistert nimmt der Fisker den Wechselschwung, setzt im Scheitelpunkt satt um, platziert seine Leistung motiviert am Ausgang – und lässt sich erst vom ASR einbremsen.

Die Traktion des Basis-M6 ist endlich, die des Latigo folglich auch. Da stört es kaum, dass zur ersten Ausfahrt der Power-Knopf und damit 100 Zusatz-PS nicht aktiviert waren. Zumal der gesetzestreue rechte Fuß bei 60 Meilen lupft. Ohnehin verkauft sich ein Fisker über seine optische und nicht die tatsächliche Performance.

Deshalb: fünf Mal an der Schaltwippe des SMG-Getriebes zucken und ganz legal in die kalifornische Abendstimmung cruisen. In Beverly Hills rollt man derweil zum automobilen Schaulaufen vor die europäischen In-Restaurants. Doch den Latigo lockt heute Abend nicht das Glitzern der Großstadt; er steuert den Coastal Highway an – zum Sundowner. Das Logo auf der Haube verrät, wo der Fisker hin muss: zum glutroten Himmel und tiefblauen Meer.

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