Ford Excursion

Big, Trick und Truck

Der Ford Excursion verkörpert mit zahlreichen Superlativen den letzten Saurier des American Way of Drive - vor alllem als 6,8-Liter-V10.

Vorn ein Grill wie ein Erkerfenster, hinten ein dreiteiliges Scheunentor, dazwischen ein umbauter Raum mit den Maßen 5,76 x 2,03 x 1,97 Meter – schon durchschnittlich begabte Lebenskünstler könnten aus dem Excursion ein behag-liches Heim mit Doppelbett, Bücherwand und eingebautem Kühlschrank machen. Doch seit den Tagen der ersten Siedler ist Mobilität ein amerikanisches Prinzip, und dieser Ford verkörpert wie sonst kein anderes Auto das Planwagen-Gefühl vom Unterwegs-zu-Hause-sein.

Seit die US-Personenwagen immer kleiner und verwechselbarer wurden, um ihre Trunksucht einzudämmen, sind viele Amerikaner dem SUV verfallen. Diese Sports Utility Vehicles gehören zu den weniger reglementierten Lastwagen und bieten somit die einzige Möglichkeit, den American Way of Drive noch in voller Größe auszukosten. Die Folge: Ihr Markt-anteil an den Neuzulassungen (inzwischen mehr als 50 Prozent) wuchs ebenso stetig wie ihre Dimensionen.

Um dem seit Jahrzehnten erfolgreichen Suburban des Erzrivalen General Motors endlich Paroli bieten zu können, trat Ford im vergangenen Jahr die Flucht nach vorne an. Auf Basis des Super-Duty-Pickups F 350 entstand nach dem ein-fachen Motto „Bigger is better“ ein Mega-Mehrzweck-Allradler, der mit seinen gewaltigen Abmessungen selbst den martialischen, golfkriegerprobten Hummer in den Schatten stellt.

Ohne Zweifel: Der Excursion ist keines jener wendigen Gefährte, die sich gerne mit übermütiger Kraft auf rauen Pisten bewegen und immer schmutzig sind. Er ist Kleinbus, Transporter und Luxuslimousine in einem, und offensichtlich steht ihm der Sinn nach Höherem: den wohlhabenden Städter mit größtmöglichem Komfort und der Sicherheit von vier angetriebenen Rädern aufs Land oder an den großen klaren See zu befördern.

Natürlich hat er auch alles, was man für Abenteuer im Gelände braucht: ein starkes, unerschütterliches Herz, einen verwindungssteifen Leiterrahmen, genügend Bodenfreiheit und maßvolle Überhänge. Der Antrieb erfolgt im Normalfall auf die an einer Starrachse mit Blattfedern aufgehängten Hinterräder (yippieee!), per Drehgriff am Armaturenbrett lässt sich ein Teil der Kraft auf die schraubengefederte Vorderachse umleiten.

Auf so einer Basis kann man bauen, und so macht die schier unerschöpfliche Belastbarkeit den besonderen Reiz dieser Riesen aus. Je nach Ausstattungsversion gibt es reichlich Platz für acht bis neun Erwachsene, denen selbst bei voller Bestuhlung noch 1360 Liter Gepäckvolumen zur Verfügung steht. Das ist mehr, als hinter der zweiten Reihe eines Explorer verbleibt, und als Zweisitzer übertrifft seine Transportkapazität (4150 Liter) sogar die der meisten Vans.

Nicht weniger großzügig ist es um die maximale Zuladung (903 Kilogramm) bestellt, und wem das alles noch nicht reicht, der darf notfalls einen bis zu 2,8 Tonnen schweren Airstream Doppelachser ins Schlepptau nehmen. So ziehen die modernen Nomaden durch die Weiten des nordamerikanischen Kontinents, ohne feste Adresse zwar, aber mit der Gewissheit, dass die nächste Tankstelle nicht weit entfernt ist.

Denn egal, für welchen der drei lieferbaren Motoren (V8- und V10-Benziner, 7,3-Liter-V8-Turbodiesel) man sich auch entscheidet – das Tankvolumen (167 Liter) ist ebenso gewaltig wie der Durst, mit dem vor allem der 6,8-Liter-V10 das kostbare Nass in sich hineinsaugt. Sein Normverbrauch (23,5 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer) hat schon die Umweltschützer auf den Plan gerufen und Ford zu einer Drosselung des Jahresausstoßes auf 52 000 Exemplare veranlasst, doch gerade diesem Triebwerk kann man einen speziellen Reiz nicht absprechen.

Es erinnert an ein großes, sanftes Tier, das jegliche Brutalität abgelegt hat, ohne unter Muskelschwund zu leiden. Am eindrucksvollsten gebärdet sich die Maschine beim Start, wenn sie den ganzen Wagen leicht erzittern lässt und den Stillstand abschüttelt wie lästigen Ballast. Wen stört es da, dass sie einen beachtlichen Teil ihrer Kraft zunächst in den Wandler der Viergang-Automatik steckt und der ihn wiederum in eine friedliche Erhöhung der Getriebeöl-Temperatur.

Wer wirklich beschleunigen will, muss dem Excursion die Sporen geben und den kräftigen Widerstand der Gaspedal-Kinematik überwinden. Gewöhnlich macht man das nur einmal, um auf die gesetzlich erlaubte Geschwindigkeit von 60 oder 70 Meilen pro Stunde zu kommen. Dann überlässt man dem Tempomat das Nachregeln, begibt sich zur Ruhe und kuschelt sich hinein in die gemütlichen Ledersessel, die den Seitenhalt eines Barhockers haben.

Über Fahrleistungen zu sprechen, das erübrigt sich in einem Land, in dem man in Momenten absoluter Kaltblütigkeit für wenige Minuten 80 Meilen pro Stunde fährt. Deshalb stört sich auch niemand am simplen Fahrwerk, das eher auf Langlebigkeit und wiegenden Komfort als auf sportliche Fahrweise ausgelegt ist. Wichtiger erscheint, dass er im normalen Alltagsbetrieb auch von zarter Frauenhand spielerisch leicht und aus einer der Banalität des Alltags enthobenen Sitzposition bewegt werden kann.

Man fühlt sich, als bewege man sich ferngelenkt durch ein überdimensionales Spielzeugland. Wie von selbst gleitet man auf der breiten Fahrbahn dahin. Die Überholvorgänge, falls sie bei den geringen Geschwindigkeitsdifferenzen überhaupt zustande kommen, verlaufen so langsam, dass die Insassen beim Vorschieben oder Zurückfallen zu Reisebekannten ihres Spurnachbarn werden.

Wenn der Verkehr tief unten dünner wird und die Stadt langsam ins weite Land übergeht, bleibt Zeit für das wirklich Wesentliche. Man verliert sich in Gedanken, folgt den Siedlern auf ihrem Weg Richtung Wes-ten, und so kann es passieren, dass man vielleicht eine Viertelstunde später am Ziel ankommt, aber alles begriffen hat von der amerikanischen Geschichte.

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