05/2019, Ford Focus ST Mitfahrt Charlie Magee / Ford

Mitfahrt Ford Focus ST (2019)

Wie ein Fiesta ST auf Anabolika

Ford liefert einen Vorgeschmack auf den neuen Focus ST. Wir dürfen zwar noch nicht selbst ans Steuer, aber auch vom Beifahrersitz aus fühlt sich der Kompaktsportler mit dem 280 PS starken 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner verdammt dynamisch an.

Schon ein bisschen blöd, dass wir heute noch nicht selbst hinters Steuer des neuen Ford Focus ST dürfen. Der Grund: Die offizielle Fahr-Präsentation ist erst Anfang Juli. Etwas widerwillig nehmen wir deshalb auf dem elektrisch verstellbaren Beifahrer-Recaro Platz. Den Chauffeur gibt heute Veit Richter, Entwicklungsingenieur bei Ford Performance. Und der lässt’s gleich mal richtig fliegen.

Blechtrommel auf Ecstasy? Nicht der Focus ST!

Mit aktivierter Launch-Control bremst er den Focus ST am Eingang zum Oval fest. BAP-BAP-BAP-BAP!!! Der ST deckelt die Drehzahl bei 3.000 Touren, knallt mit dem Sportauspuff und schießt los, als Richter seinen Fuß von der Kupplung nimmt. Nur minimal schlupfen die Vorderräder, während 420 Newtonmeter den Antriebsstrang ordentlich durchschütteln. Nach 5,7 Sekunden passiert die Tachonadel im Idealfall die Hunderter-Marke. Glauben wir an dieser Stelle gerne, auch wenn wir gerade keine Stoppuhr zur Hand haben.

Mitfahrt Ford Focus ST 2.3 EcoBoost
2:33 Min.

Auch über 100 km/h reist der Zug nicht von der Kette. Beim Schalten bleibt der Gasfuß einfach stehen. Die Gänge reißt Richter mit dem Aluminium-Schaltknauf einem nach den andern durch die kurz gestufte Sechsgangbox. Mit der „Anti-Lag“-Funktion, wie sie auch beim Ford GT eingesetzt wird, bleiben die Drosselklappen während des Hochschaltens noch kurz geöffnet. So drehen die Laderschaufeln auf der Kompressionsseite länger nach und sprechen deshalb direkter an. Der Vierzylinder, der in seinen Grundfesten vom alten RS abstammt, röhrt dabei sein bassiges Turbolied – zwar künstlich verstärkt im Innenraum, aber das ist nicht schlimm. Denn anders als bei manch einem Konkurrenten klingt das nicht nach Blechtrommel auf Ecstasy.

Mit Highspeed im Oval

Mit deutlich über 200 Sachen fliegen wir auf der obersten Fahrspur durch die erste Steilkurve, gefühlt nur eine Hand breit von der Leitplanke entfernt. Der ST liegt satt in der Bahn und unterdrückt Windgeräusche auch bei diesem Tempo überraschend gut. Wir wechseln auf die innere Fahrspur. Richter schmeißt den Anker. Ansatzlos beißen die Michelin Pilot Sport 4S in den Asphalt. „Die elektronisch gesteuerte Bremse sorgt für konstanten Bremsdruck, auch bei wiederholten Vollbremsungen“, erklärt der Ford-Mann dabei vollkommen abgeklärt. Nach drei Runden Highspeed auf dem Oval wechseln wir ins Infield.

Auf dem Verbindungsweg bleibt kurz Zeit, sich im Innenraum umzusehen, der im Wesentlichen dem Standard-Focus entspricht. Separate Rundinstrumente wie beim Vorgänger gibt’s im Neuen nicht mehr. Dafür sieht er etwas edler aus mit seinen grauen Ziernähten und fühlt sich dank Alcantara und Leder auch so an. Das Lenkrad trägt nun zwei rot markierte Fahrprogramm-Schalter: Die S-Taste, um direkt in den Sportmodus zu wechseln, und die Mode-Taste, um sich durch die vier Abstimmungen „Slippery“, „Normal“, „Sport“ und „Race“ zu klicken.

Ford Focus ST
Ford
Der Focus ST sieht er etwas edler aus mit seinen grauen Ziernähten und fühlt sich dank Alcantara und Leder auch so an.

Nächste Prüfung: Die Komfortstrecke

Auf dem Testareal in Lommel hat sich Ford eine Komfortstrecke gebaut, die auf wenigen Kilometern vom belgischen Kopfsteinpflaster über Pariser Bruch-Asphalt bis hin zu kalifornischen Schlaglochpisten die bescheidensten Straßenverhältnisse simuliert, die man auf der Welt finden kann. Über diese Buckelpiste gleiten wir jetzt mit dem ST. Ja, hier steht bewusst gleiten! Denn anders als unsere Bandscheiben befürchtet haben, nimmt das Adaptiv-Fahrwerk selbst Querrippen und Blowups zwar hör-, aber kaum spürbar.

Dabei schaukelt sich der Hot-Hatch jedoch nicht etwa auf wie ein C4 Cactus mit seinem CAC-Fahrwerk (ja, das heißt wirklich so). Das CCD-Fahrwerk (Continously Controlled Damping) des ST reagiert dank elektronisch gesteuerter Dämpfer sehr schnell auf die wechselnden Beläge und begrenzt dabei Ausfedervorgänge auf ein Minimum. Um die Spreizung zu zeigen, wechselt Richter mit einem Druck auf die rote „S“-Taste am Lenkrad in den Sport-Modus. Sofort versteifen sich die Dämpfer. Was bis jetzt nur akustisch zu uns vordrang, ist nun deutlich zu spüren.

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Handling-Track Nr. 7

Doch dafür ist der Sport-Modus ja nicht gedacht. Schon eher für den Handlingtrack Nummer Sieben. Der könnte mit seiner wilden Abfolge von Kurven, Kuppen und Senken – an manchen Stellen auch alles zusammen – eine komprimierte Nordschleife sein.

Der Ingenieur kennt die Strecke nicht nur in-, sondern auch auswendig, wie er grinsend versichert. Beruhigend, denn die Auslaufzonen erscheinen kaum breiter als der Focus und enden wahlweise in Bäumen oder provisorisch angelegten Reifenstapeln. Richter gast ordentlich an und wirft den ST förmlich in die Kurven. Der folgt seinen Lenkimpulsen scheinbar ansatzlos. Ob die Lenkung auch so leichtgängig wie beim normalen Focus agiert, will ich wissen. Richter verneint: „Das haben wir ihm ausgetrieben. Der ST lenkt nicht nur direkter, sondern erfordert auch mehr Kraftaufwand vom Fahrer. Dabei lässt die Lenkung den Fahrer abhängig vom Modus bewusst Antriebseinflüsse spüren.“ Warum? Dass sei gut fürs Feedback. Aha. Deshalb lassen die Ingenieure auch mehr Fahrzeug-Bewegung zu. Um es zu beweisen, lupft er auf einer Linkskuppe das Gas, worauf das entlastete Heck leicht auskeilt. Kleine Driftwinkel toleriert die Traction-Control, fängt diese mit vom Beifahrersitz nicht wahrnehmbaren Regeleingriffen ab.

Performance-Paket mit Sperrdifferenzial und Race-Modus

Aber es geht noch mehr. Der mit dem Performance-Paket ausgestattete Chauffeurswagen wechselt jetzt in den Race-Modus. Das ESP zieht sich nun fast gänzlich zurück und die Dämpferrate wird elektronisch auf ein Minimum begrenzt. Zusätzlich leitet das elektronische Sperrdifferenzial an der Vorderachse bis zu 100 Prozent der Kraft auf das Vorderrad, das gerade am meisten Grip hat. Jetzt wird spürbar: Die fahrdynamische Referenz für den neuen Focus ST ist der aktuelle Fiesta ST, den wir vor ziemlich genau einem Jahr hier in Lommel das erste Mal fahren durften und dessen freches Handling uns bis heute verzückt. Der neue Focus scheint vom selben Schlag zu sein, bietet aber mehr Power mit seinem 2,3-Liter-Motor. Was uns jetzt noch fehlt? Das Lenkrad endlich selbst in den Händen halten zu können.

05/2019, Ford Focus ST
Charlie Magee / Ford 1/24 Redakteur Clemens Hirschfeld hat sich bereits im neuen Ford Focus ST chauffieren lassen.
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Fazit

Schon nach der Mitfahrt können wir behaupten: Ford hat geliefert und mit dem neuen Focus ST einen Kompaktsportler auf 18-Zoll-Räder gestellt, der den fahrdynamischen Spagat zwischen dem anerkannten Klassen-Radikalo Honda Civic Type R und dem Streber VW Golf GTI schafft. Ein noch besserer Hyundai i30 N also? Schwer zu sagen, denn in Lommel genießt der ST Heimvorteil. Ob er auch ohne diesen besteht, wird der erste Vergleichstest zeigen.

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Der neue Focus ST kommt als Schrägheck und Kombi und Benziner oder Diesel.

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