Ford Focus ST

Rot-Runner

Foto: Uli Jooß 9 Bilder

Neuzugang im GTI-Club: Ford schickt den ST auf aktueller Focus-Basis in den Ring. Mit seinem Fünfzylinder-Turbo kämpft er allerdings fast schon eine Motor-Liga höher als seine Club-Kameraden.

Bahn frei für den letzten aus der Dreierbande der Kompaktwagen- Lümmel, den Ford Focus ST. Seine erbitterten Konkurrenten VW Golf GTI und Opel Astra OPC scharren in der Startaufstellung schon mit den Breitreifen, ihre Vierzylinder- Turbos glühen auf Betriebstemperatur.

Bis der Focus heran grollt, im schnoddrigen Fehlzündungstimbre eines Rennmotors und ein Raunen durch die GTI- und OPC-Fankurven brandet: Da puffen mehr als vier Zylinder aus, da presst ein fünfter mit. Schiebung? GTI und OPC trollen sich verwirrt, der Wettstreit wird auf später vertagt, der Focus rollt allein auf seine Sondierungsrunde. Nicht ohne selbstgefälliges Lächeln – auf der Nordschleife, dem Fahrdynamik-Urmeter, hat er dem 2003er-Rallye-Verschnitt Focus RS bereits 14 Sekunden abgenommen.

Focus ST gegen Focus RS – 1:0. Da ist die stolz geschwellte Brust verständlich. Zumal, wenn der gebügelte Gegner RS ein Quasi-Wettbewerbsrenner ist. Ein wilder Kampfhund, der durch die Kurven hechelt und sich mit Sperrdifferenzial geradezu in die Ideallinie verbeißt. Der neue Focus ST setzt innere Ruhe gegen Getriebenheit, dynamisiert das Konzept seines Vorgängers.

Volvo liefert einen 2,5-Liter-Fünfzylinder zu, der dank kompakter Baulänge von 577 Millimeter geradeso zwischen die vorderen Federbeine schlüpft, die eine Querstrebe sicherheitshalber abstützt. Nachdem das Schwungrad an Masse verloren hat und die Bits und Bytes der Motorelektronik auf Zack gebracht wurden, ist der Fünfzylinder wie ausgewechselt:

Aus dem treuen Zieher ist ein schnaubender Bulle geworden. 225 PS und 320 Nm, letztere schon ab 1600/min, machen den Vierventil- Benziner mit variabel gesteuerten Nockenwellen gefühlsmäßig zum TDI – ohne dessen dieselspezifische Nachteile.

Der Fünfzylinder lässt sich nicht zweimal bitten, dreht motiviert bis jenseits der 6000/min. Dazwischen schiebt er kräftig an. Moderate 0,65 bar Ladedruck schaufelt der Turbolader maximal, spricht weich aber nachdrücklich an, hält seinen Druck konstant aufrecht.

Dazu öffnet bei Vollgas eine Membran im Ansaugtrakt und gibt einen Gehörgang bis zur gurgelnden Luft frei, wobei ein Schlauch das Brodeln bis fast unters Armaturenbrett leitet. HiFi für Sound-Fetischisten. In den ersten beiden Gängen überfällt der feuereifernde Schub die angetriebene Vorderachse geradezu. ESP eilt regelnd zur Hilfe, die Lenkung zuckt unwirsch, der Fahrer hält dank schneller ansprechender Servounterstützung ohne Anstrengung dagegen – die einzige Blöße, die sich das Fahrwerk gibt. Guter Komfort trotz härterer Abstimmung, da haben die Fahrdynamiker einen guten Kompromiss herausgefiltert.

Trotz Tieferlegung um 25 Millimeter bleibt der Arbeitsweg der Stoßdämpfer voll erhalten, weil die Räder nun weiter ausfedern dürfen. Insgesamt legten die Ingenieure das Fahrwerk um 30 Prozent härter aus, was steifere Gummilager an den Anlenkpunkten beinhaltet. Damit lässt sich der ST sehr leicht sehr schnell bewegen.

Doch obwohl der Focus drahtig einlenkt, wirkt er beim zackigen Umsetzen in Wechselkurven pummelig um die Hüfte. Seine 1,4 Tonnen, die beim gemütlichen Gleiten das Gefühl eines Auto-Mannsbilds hinterlassen, bremsen hier. Gerade dieser solide Eindruck macht den Ford andererseits zum uneingeschränkt nutzbaren Alltagsauto, egal ob als Zweitürer für Singles oder als Viertürer für Familien.

Der Focus ST ist kein reines Feierabendspielzeug, auch wenn die Fahrt zwischen Büro und Wohnzimmer die Freizeit bereits auf der Straße beginnen lässt. Charakter und Preis (ab 24 200 Euro) passen voll zur GTI-Bande. Das Treffen? Nur aufgeschoben.

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Technische Daten
Ford Focus ST Siver Magic
Grundpreis 25.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4362 x 1840 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA 385 l
Hubraum / Motor 2521 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 166 kW / 225 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 241 km/h
Verbrauch 9,4 l/100 km
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