Ford Mustang Shelby GT 500

Heißes Eisen

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Wenn den Ford Mustang früher eine Cobra zierte, dann trug er den Vornamen Shelby und konnte vor Kraft kaum laufen. Nun gibt es ihn wieder, den Mustang namens Shelby GT 500 - die heißeste Nummer im Ford-Konzern.

Für den sachkundigen Nostalgiker ist schon der Name unwiderstehlich. Shelby wie Carroll Shelby, im Pantheon amerikanischer Helden ganz oben angesiedelt.

Irgendwo zwischen Abraham Lincoln und Elvis Presley. Shelby, Texaner, Hühnerfarmer, Vater der Cobra und Züchter der wildesten Mustangs des wilden Westens. Sein GT 500 von 1967 war scharf wie Chili und giftig wie der Zahn der schwarzen Mamba. Damals kostete dieser Nervenkitzel 4395 Dollar, heute gehen Originale für über 500 000 weg. Dann natürlich der Mustang an sich, die Auto-Ikone, die für alles steht, was gut war an Amerika, bevor die Anti- Rauchergesetze in Kraft traten; so landestypisch wie Wasserstoffblondinen mit Silikonbusen.

Die Italiener haben die Kunst der Renaissance, die Briten die Houses of Parliament, die Franzosen den Knoblauch, und Amerika hat den Mustang. Als er 1964 auf den Markt kam, war die Begeisterung so groß, dass ein Trucker in Chicago sein Gefährt vor Freude geradewegs ins Schaufenster eines Ford-Ladens lenkte.

Ein Händler in Phoenix musste die Feuerwehr rufen, um die Menschenmassen vom Hof spritzen zu lassen. Die 2004 vorgestellte Retroversion mag da zwar nicht ganz mithalten können, aber sie ist der beste Einfall der alten Ford Motor Company seit Jahren. Kein Ford ist cooler: Arm aus dem Fenster hängen lassen, dem V8-Rhythmus zuhören (optimal mit Tom-Petty-Untermalung) und cruisen – amerikanischer als im neuen Mustang kann man zur Zeit nicht fahren. „Viele gönnen sich das Auto, weil es diese Erinnerungen wach ruft“, bestätigt Mustang-Importeur Dieter Thiel von USCars24 in Wuppertal. Für alle, die das Erlebnis in verschärfter Form genießen möchten, kann er nun auch mit dem brandneuen Shelby GT 500 dienen – einst der King unter den Musclecars, heute ein von Carroll Shelby sanktioniertes Mustang-Derivat. Wie das Vorbild gnadenlos motorisiert und heiß begehrt. In den USA wird er für verlockende 41 325 Dollar (plus Extras) angeboten, aber da ihn Ford knapp hält (maximal 10 000 Exemplare pro Jahr), ist der Sticker-Preis momentan Makulatur. Wer schnell zum Zug kommen möchte, muss deutlich mehr hinlegen. Das bleibt auch den deutschen Käufern nicht erspart.

Importeur Thiel verlangt für das starke Stück 69 900 Euro, aber dafür steht es dann auch zulassungsfähig vor der Tür. Außerdem: Wo sonst gibt es für so wenig Kasse so viele PS? Wir reden hier von 500 Ponys. Das ist mehr, als selbst der schärfste aller GT 500 einst auf die Bremse brachte.

Shelby himself pflegte dieses auf 498 PS massierte Monster einst zu fahren (er nannte es Super Snake); Serie waren dagegen vergleichsweise milde 355 PS. Diesmal ist es ein Kompressor, der dem V8 aus dem Serienregal Dampf macht.

Da gleicht der von SVT (Special Vehicle Team, die fordeigene Power- Abteilung) getunte 5,4-Liter mit den Vierventilköpfen dem ebenfalls 500 PS starken Ford GT, der geklonten Rennlegende GT40.

Nur die aufwendige Trockensumpfschmierung wurde geopfert – stattdessen hängt unter dem Eisenblock eine gewöhnliche Ölwanne. Macht nichts, Hauptsache Sumpf. So böse, wie einen der GT 500 anschaut, fühlt man sich auf jeden Fall schneller hineingezogen, als man Trockensumpfschmierung aussprechen kann. Tiefes Schwarz mit breiten weißen Streifen, die aggressive, shelbyexklusive Front und dann noch diese drohende Cobra im Grill – ganz klar, hier lockt die Sünde.

Hinzu kommt, dass offenbar auch die Technik des neuen GT 500 die alten Laster pflegt. Hinten hopst eine Starrachse, und vorn versprechen 56 Prozent der 1,9 Tonnen Lebendgewicht das Kurvenhandling eines Wurfhammers. Kein Wunder also, dass man ganz wie zu alten Zeiten erst mal mit weichen Knien Platz nimmt.

Umso überraschender dann der erste Eindruck. Was heißt hier wilder Hengst? Der Shelby-Mustang benimmt sich zahm wie ein Fohlen. Er steuert willig und präzise in die gewünschte Richtung, die Bremsen (von Brembo) machen ihrem Namen Ehre, die Federung federt, sogar die Hinterachse gibt die meiste Zeit Ruhe, und die Sechsgangschaltung (von Tremec) zeigt sich kooperativ. Nur die Zweischeiben- Kupplung kommt etwas ruppig.

Selbst der Soundtrack ist ausnehmend zivilisiert. Statt V8-Donner nur dezentes Grollen mit dem Heulen des Laders als Oberton. Ein Shelby zum Einschlafen? Schließlich sieht auch im Cockpit alles ganz normal aus. Abgesehen von etwas mehr Leder gleicht es dem Ausgangsprodukt inklusive einiger Plastikteile, deren Qualität an den Inhalt von Knallbonbons erinnert. Da empfiehlt es sich, vor dem Wegdämmern das rechte Bein zu strecken. Die Wirkung dürfte auch dem mattesten Fahrer die Augen aufreißen. 650 Nm Drehmoment – das fühlt sich an, als würde man von einem Brauereigaul auf den Sattel eines galoppierenden Rennpferds getreten.

Mehr Mustang geht eigentlich nicht, schon aus Traktionsgründen. Öffnet man bei Tempo 160 auf griffiger Autobahn die Drosselklappe, leistet die abschaltbare ASR-Elektronik immer noch Überstunden, darunter ist sie praktisch im Dauerbetrieb. Da freut es einen dann auch, dass der Fortschritt nicht gänzlich ausgeblendet wurde. Bei aller Nostalgie: Ohne die überraschend subtil abgestimmte Antriebselektronik wäre das Shelby-Vergnügen heute für die meisten PS-Fans ein kurzes. Aber selbst mit Computerhilfe, wenngleich ohne ESP, belohnt der GT 500 die gekonnte Handhabung. Nur ein sauberer Fahrstil bringt beim Gasgeben Resultate, nur wer die Kunst des Dosierens beherrscht, hält dann die schwere Nase auf Kurs.

Man spürt ihn also noch, den Geist der alten Musclecars. Fahrer, die sie bezwangen, fühlten sich wie Helden, alle anderen sahen zumindest so aus.

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