Ford Streetka

Der Straßenfeger

Mit dem Streetka will Ford auch den Normalverdienern die grenzenlose Freiheit des Offenfahrens näher bringen. Der Preis jedenfalls ist heiß: 16.990 Euro kostet der kleine Roadster. Erster Fahrbericht.

Die Konjunktur lahmt, die Arbeitslosenzahlen steigen, und der Spritpreis bewegt sich auf Rekordniveau – Deutschland im Jammertal. Und was macht Ford? Ford baut ein Gute-Laune-Auto mit Sex-Appeal. Auf der Basis seines kleinsten Sprosses, des seit 1996 gefertigten Ka, hat Ford einen Roadster auf die Räder gestellt, der für unter 20 000 Euro die Lust am Fahren erschwinglich machen soll. Nichts beschreibt die emotionale Wirkung eines neuen Automobils treffender als die ersten Reaktionen der Menschen auf sein Erscheinen im Straßenbild. Daumen hoch und ein Lächeln im Gesicht – so wird dem Streetka begegnet. Und der Streetka lächelt zurück. Seine großen Scheinwerfer leuchten freundlich, und der untere Kühlereinlass bildet zusammen mit den Nebelscheinwerfern die Form eines breiten Grinsens. Doch Fords erster offener Zweisitzer nach dem Eifel-Roadster ist beileibe keine beliebige Knutschkugel, deren optische Wirkung sich allein auf das Kindchen-Schema stützt. Die Ecken und Kanten seines Designs verleihen ihm extravagante Eigenständigkeit. Von vorne ist die Verwandtschaft zum normalen Ka unzweifelhaft vorhanden – auch wenn der Streetka durch seinen Zuwachs in der Breite erwachsener und reifer wirkt. Die Heckansicht zeigt sich dagegen weitestgehend neu. Die kräftigen runden Backen seitlich des roadstertypisch flachen Tableau-Hecks, die breiten Rückleuchten und das wie das Auge eines Zyklopen mittig angeordnete Rückfahrlicht passen einfach. Über die Attraktivität der plastikbeplankten Rückansicht des normalen Ka ließ sich bisher ja trefflich streiten, aber dieses Hinterteil ist richtig knackig. Besonders in geöffnetem Zustand. Bei geschlossenem Stoffdach wirkt das Design zerklüfteter und nicht so harmonisch. Aber gerade die offen zur Schau gestellte Attraktivität ist der Beweis dafür, dass es sich gelohnt hat, den gestalterischen Mut der im Jahr 2000 vorgestellten Designstudie von Ghia beizubehalten. Bei aller Formenfülle bleibt der Streetka doch ein puristischer Roadster. Mal eben schnell auf Knopfdruck das Dach öffnen oder schließen – diesen Luxus überlässt das kleinste Ford Cabrio den Modellen mit variablem Blechdach à la Mercedes SLK oder Peugeot 206 CC. Auf Knopfdruck öffnet sich beim Streetka gerade einmal das Dach-Staufach. Dann muss Hand angelegt werden, um das Stoffdach in einem vierstufigen Ritual zu entfalten. So einfach und schnell das in der Praxis auch geht, ums Aussteigen kommt der Fahrer nicht herum.

Lohn der mechanischen Soft-Top-Lösung ist ein zwar nicht allzu großes, aber gut zugängliches Gepäckabteil. Mit diesem Roadster kann man in Urlaub fahren, ohne das Gepäck mit der Bahn nachzuschicken. Im Innenraum verzeichnet der Streetka nur wenige Ablagen. Zwei kleine Klappfächer und Türtaschen müssen genügen und tun es auch. Lediglich bei der Materialbeschaffenheit des Armaturenbretts und der Türverkleidungen treibt Ford den Purismus etwas zu weit. Nicht nur die tropfenförmige Formgebung, auch das grob strukturierte Hartplas-tik entsprechen der des deutlich günstigeren Ka-Basismodells. Wirklich störend ist das zwar nicht, aber wenn Ford sich zumindest zu einer feinen Gummierung durchringen könnte, wäre keiner böse. Einen neuen Schaltknauf aus Aluminium gibt es ja schließlich auch. In zwei Ausstattungslinien liefert Ford den Streetka aus. Schon die 16‑990 Euro teure Basisvariante verfügt über 16-Zoll-Leichtmetallräder, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer sowie eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Bei der 19‑500 Euro teuren Elegance-Variante kommt noch ein CD-Audiosystem, eine Klimaanlage und die Lederpolsterung serienmäßig hinzu. Während eine Klimatisierung bei so manchem Hardcore-Roadster-Fan lediglich ein Naserümpfen hervorrufen dürfte, ist die in trendigen hellen Braun- und Beigetönen bestellbare Naturhaut-Polsterung eine echte Berei-cherung. Klima macht der Streetka auf natürliche Art und Weise. Bei runtergelassenen Scheiben umweht den Fahrer eine frische Brise und distanziert den Streetka damit von der Fraktion der Warmduscher-Cabrios. Besonders groß gewachsene Zeitgenossen können sich dank der geduckten Frontscheibe auch mit dem optional lieferbaren Steckwindschott dem Luftzug nicht vollständig entziehen.

Die Frontscheibe ist übrigens das einzige Teil, das von einem Roboter eingesetzt wird. Ansonsten wird der Streetka im Turiner Vorort Grugliasco bei Pininfarina in Handarbeit gefertigt. Gerade mal 50 Autos pro Tag verlassen derzeit die Werkshallen. Für viel mehr reichen die Kapazitäten nicht aus, was die Hoffnung auf weitere Motorvarianten zusätzlich zum neuen 1,6-Liter-Benziner schmälert. Das 95 PS starke Aggregat hat einen ruhigen angenehmen Ton und erlaubt entspanntes Landstraßen-Gleiten im vierten Gang. Durchzugswunder dürfen aber nicht erwartet werden. Die Leistungscharakteristik passt zum Cruisen und animiert nicht zum Rasen. Doch es schlagen zwei Herzen in seiner Brust: auf der einen Seite der elegante Flanierer, auf der anderen Seite der dynamische Sportler. Das straffe, aber nicht überharte Fahrwerk und die direkte, kartartige Lenkung nehmen es fast als Beleidigung, wenn sie nicht gefordert werden. Für das Streetka-Fahrwerk ist die Welt eine Kurve. Gierig krallen sich seine 195er-Reifen in den Asphalt und ziehen neutral ihre Runden. Die Karosseriestabilität, die der kleine Flitzer dabei offenbart, ist beeindruckend. Kurz: Dieses Auto sieht nicht nur spaßig aus, es macht Spaß und ist damit die beste Medizin gegen Konjunktur-Depressionen.

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Technische Daten
Ford Streetka
Grundpreis 17.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3650 x 1679 x 1342 mm
KofferraumvolumenVDA 214 l
Hubraum / Motor 1599 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 70 kW / 95 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h
Verbrauch 7,9 l/100 km
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