Ford T-Bird

Der Vogel ist gelandet

In den fünfziger Jahren war der Ford Thunderbird die Inkarnation des US-Sportwagens – schnittig, chromglitzernd und hart wie Softeis. Nun bekam er den Nachfolger, den er verdient – es darf wieder gecruist werden.

Die erste Thunderbird-Generation (1955 bis 1957) war die schönste. Gut, dass sich Ford-Designchef J. Mays das Urmodell zum Vorbild nahm, als 2001 eine nostalgische Neuauflage auf Kiel gelegt werden sollte.

Doch die Beschwörung der Vergangenheit ist beim Thunderbird des 21. Jahrhunderts nicht ganz so perfekt gelungen. Die Proportionen – kurze Motorhaube, langes Heck – widersprechen dem klassischen Schönheitsideal, dem einst viele Hollywood-Größen von Marilyn Monroe bis Frank Sinatra erlagen.

Der formale Wandel passierte natürlich nicht zufällig. Dem Motor ein so geräumiges Apartment zur Verfügung zu stellen, wie das in den fünfziger Jahren üblich war, ist heute nicht mehr drin. Logische Folge: weniger Motorraum, mehr Cockpit. Auch die Heckflossen hatten keine Chance auf ein Revival.

Immerhin blieb noch genügend Thunderbird-Substanz erhalten. Mit der Hutze auf der Motorhaube, den großen runden Heckleuchten und dem Kühlergrill setzt der Zweisitzer optische Akzente, die auch hier zu Lande wirken. Wo der Thunderbird auftritt, ist ihm die Aufmerksamkeit des Publikums gewiss. Einmal abgesehen von der schrillen Colorierung namens Inspiration Yellow, weht freilich kein Hauch der Fünfziger durch das Cockpit des T-Bird, wie ihn die Amerikaner nennen. Schnörkellos, nüchtern und mit fröhlicher Sorglosigkeit verarbeitet, besitzt es den spröden Plastik-Charme der Massenware.

Der aktuelle Thunderbird ist kein Sportwagen, sondern ein gelassener Cruiser, genau wie sein Urahn. Er wiegt sich sanft in den Federn, und sein Motor blubbert freundlich vor sich hin.

Immerhin sitzen acht Zylinder unter der Haube, die allerdings nicht von amerikanischem Überfluss zeugen. Ihre Versammlung bringt es auf einen Hubraum von gerade mal 3,9 Liter. Der kleine 256 PS starke V8 bemüht sich ansonsten im Lincoln LS, dem amerikanischen Vetter des Jaguar S-Type. Diese beiden bilden die technische Basis für den Thunderbird. Heckantrieb also, genau wie beim Urmodell.

Bei hohen Drehzahlen faucht der Thunderbird-Achtzylinder angestrengt und weckt den Wunsch nach souveränerer Motorisierung. Auch damit schafft der T-Bird Parallelen zu seinem geistigen Urgroßvater. Der startete schwach, wurde aber von Jahr zu Jahr stärker. Das gipfelte dann 1957 in einem optionalen Kompressor-Achtzylinder mit 340 PS, die aber allenfalls realistischen 300 DIN-PS entsprechen, weil sie nach der damaligen SAE-Norm ohne kräftezehrende Zusatzaggregate gemessen wurden.

Auf dem Weg der Besserung befindet sich auch der neue Thunderbird. Für das kommende Modelljahr modifiziert Ford den Motor mit variabler Nockenwellensteuerung. Damit liefert er dann 280 Pferdestärken.

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