auto motor und sport im neuen Design
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Fünf getunte Porsche Carrera

Brett-Einsatz

Foto: Uli Jooß 41 Bilder

Explosiver als die Serie? Fünf Tuner - Rinspeed, Speedart, Sportec, Techart sowie TTP - extremisieren die Ikone Porsche Carrera S. Von der Leistungssteigerung bis zum Spoiler-Brett, von sebstbewusst bis radikal.

So haben wir uns als Kind ein Brettspiel für Männer vorgestellt: als Unterlage die Rennstrecke, als Figuren fünf neue Porsche Carrera, alle nach Art des Tuners geschnitzt, den markanten Buckel mal mit fixierter Luft- Sprungschanze, mal mit dezent ausfahrbarem Werksbürzel versehen. Dazu ein herzhaft verhärtetes Fahrwerk und ein Motor, dem das Atmen erleichtert wurde – spür- und vor allem hörbar.

Rinspeed, Speedart, Sportec, Techart sowie TTP (Turbo Tuning Pietz) – fast alle Tuner tragen die englischen Worte speed (Tempo), tech (Technik) oder art (Kunst) im Namen. Das schürt die Erwartungshaltung. Nach einem Über-911 mit komprimierten Tugenden und dynamisiertem Heckmotor. Einem Landstraßen-Hammer.

Doch das Ausgangsprodukt ist schwer zu verbessern: Der 3,8-Liter-Saug-Boxer leistet bereits ab Werk 355 PS, ist ein echter Zucht-Hengst, an den sich nur Rinspeed nicht wagt. Alle anderen bieten 20 bis 33 Mehr- PS für 4408 (TTP) bis 9600 Euro (Techart).

Ans Fahrwerk trauen sich dagegen alle – mit unterschiedlichem Aufwand: TTP nimmt das Porsche-Sportfahrwerk zur Basis, ändert ausschließlich die Stabilisatoren. Sportec und Techart tauschen nur die Federn, Rinspeed ganze Federbeine.

Das andere Extrem präsentiert Speedart mit Gewindefahrwerk, verstellbaren Stabilisatoren und an der Vorderachse versetzten Domlagern. Trompetet der Serienauspuff bei hohen Drehzahlen bereits das Dorf zusammen, so verschaffen sich die Getunten sogar in einer kompletten Kleinstadt Gehör – getösefreies Fahren überlassen sie anderen. Die Dezibel-Heroen schieben eine Klangwelle vor sich her, welche die Flimmerhärchen in den Ohren niederstürmt.

Allen voraus der Speedart, der Chelseas Schlachtenbummler anführen könnte. Er grölt voller Überzeugung aus tiefstem Inneren. Ein Urschrei, so laut, dass im hinterherfahrenden TTP dessen eigene Auspuff- Äußerungen untergehen.

Der TTP dagegen vergreift sich selten im Ton. Er mimt den exaltierten Designer im schwarzen Einreiher – breiter Kragen (Frontspoiler) und blaue Ohrringe (Seitenspiegel) inklusive. Sein Sound verdichtet die Boxer-Nuancen: Er sägt rauer, bellt bissiger, röchelt heiserer und sprotzelt beim Gaswegnehmen.

Ähnliches gilt für den Sportec. Nach dem Start nuschelt er noch verschämt; nur der zuckende Leerlauf kündet von seiner vibrierenden Unruhe. Leider überlagert ein Dröhner knapp über 2000/min den fein herausgearbeiteten, leicht aggressiven Ton. Der StVO und dem typischen Elfer-Sound wird der Techart am besten gerecht.

Abgesehen vom Anfahr-Schnattern ist den Technikern eine sonor singende Säge geglückt, die an die seligen Zeiten der Luftkühlung erinnert. Die Gusseisernen werden es lieben. Und der Rinspeed? Der übt für ein Revival des Posaunenchors von Jericho. Typisch ist nur sein melodisches Porsche- Singen.

Der Rest? Mal BMWSechszylinder- Hämmern, mal hysterisches Ferrari-Kreischen, mal Porsche Cup-Klangkulisse – je nach Drehzahl. Höchstens ein Solo von AC/DC-Gitarrist Angus Young putzt die Gehörgänge ähnlich sauber. Ein Fall für Sound-Fetischisten. Die Rinspeed-Mannen haben ihr Gewinde-Fahrwerk so tief geschraubt, dass der Elfer unter dem schweizerischen Tempo-Radar durchflutschen könnte.

Ein Pass-Räumgerät mit akustischer Fräse. Eidgenössisch neutral, ungehobelt wie ein Kart und ebenso kompromisslos sticht der Rinspeed- Porsche ums Eck. Wer geschickt mit dem Gaspedal spielt, bewegt sich im Zustand minimalen Übersteuerns, ohne dass ESP züchtigt. Fürs Langsamfahren ist der Schweizer zu tief und zu hart. Da wird die Zone 30 zum Slow- Motion-Rodeo.

Seine Kompetenz beweist der Rinspeed erst in Hockenheim. Hier hechelt er kaum hinterher, obwohl er als Einziger des Fünfertrupps mit Serienleistung antritt. Die anderen vier blasen den Boxer nach ähnlichem Muster auf: Der Luftfilter wird gegen einen durchlässigeren getauscht, die Motorelektronik angepasst und der Gaswechsel durch Sportauspuff, teilweise auch Sportkats, erleichtert. Damit nehmen die Konkurrenten dem Rinspeed beim Sprint von null auf 100 km/h rund drei Zehntel, auf 200 km/h sogar bis zu eineinhalb Sekunden ab. In beiden Disziplinen dominiert der Sportec mit gelassen dargebotenem Schub, knapp gefolgt vom Speedart mit seiner Überwältigungs-Musik.

Unspektakulär, aber dennoch wirkungsvoll legt sich der TTP ins Zeug. Lediglich zwischen 2000 und 3000/min spricht er sehr verhalten an.

Dennoch ist das TTP-Kit eine Empfehlung – es ist rund halb so teuer wie das von Techart. Zumal der TTP die Rennstrecke zu lesen versteht: Ausschließlich mit Porsche-Sportfahrwerk, breiteren Reifen und zusätzlichen Stabilisatoren gerüstet, brennt er die zweitbeste Zeit in den Asphalt. Porsches Messlatte liegt eben hoch.

Der teure Techart überspringt sie dennoch. Bei 4000/ min fällt der Boxer wütend über die Kurbelwelle her, reißt bei 6000/min noch heftiger an, dreht wie im Irrsinn gegen den Begrenzer. So gierig, lüstern, brünstig wie kein Zweiter im Feld. Für diesen Traum-Sauger lässt man sämtliche Turbo-Bullen im Stall versauern.

Ein Elfer, wie er die Urtriebe eines Piloten weckt: Fahren aus reiner Lust, Leistung ohne Gewissensbisse ausspielen, mit Bodenwellen kämpfen und sich im Gegenzug von Fliehkräften beuteln lassen. Ein reizvolles Unterhaltungsprogramm, solange man die Kontrolle behält.

Ebenso wie Sportec belässt Techart die elektronisch verstellbaren Original-Dämpfer (PASM), tauscht nur die Federn gegen kürzere. Damit saugen sich die sparsam gummierten 20-Zöller mit 20er-Querschnitt (hinten) an die Straße. Lenkpräzision: traumwandlerisch.

Trotzdem bleibt der Techart auf dem Hockenheimring unter seinen Möglichkeiten – nicht nur wegen der am Messtag kühlen Witterung. Sein wulstiges Lenkrad im Karbon-Look erfordert Maurer- Pranken, kostet Kraft und Zeit: geschätzte zwei Zehntelsekunden. Künftig wird Techart ein dünneres anbieten.

Rund drei Zehntel länger benötigt der Sportec für eine Runde, sieht dabei gegen den Sportler Techart wie ein gesetzter Geschäftsmann aus: kaum äußerliches Tuning. Übertrieben ist nur die Tieferlegung. Vor allem beim Anbremsen auf Bodenwellen holt sich der Serienspoiler eine aufgeschlagene Lippe.

Der stärkste Untersteuerer in der Runde nimmt die Kurven nach der Rennfahrer- Regel „langsam rein, schnell raus“. Respektable Rundenzeiten ohne Herzrasen und Schweißausbrüche – eine Option für Porsche-Novizen.

Ein Heckschleuder-Diplom ist dagegen Voraussetzung für den Speedart. Der Drift-Junkie verweigert das Untersteuern, kennt ausschließlich die Quertreiberei. Wer sich darin versteht, wird massenhaft Mücken auf der Seitenscheibe sammeln. Mit dem Einlenken steppt das Speedart-Heck vorwitzig heraus, will mit sofortigem Gegenlenken und dosiertem Schub stabilisiert werden. Viel Spielraum zum Korrigieren bleibt da nicht. Das Rallye-Fahrverhalten, hervorgerufen durch versetzte vordere Domlager, kostet Zeit.

Der Speedart-Pilot wandelt auf einem schmalen Grat: streng gleichmäßiger Zug in Kurven, sensibel eingesetztes Gaspedal – sonst verraucht die Leistung trotz Differenzialsperre am Kurvenausgang.

Optisch ist der Speedart das Opus Magnum unter den getunten Porsche. Wie der Rinspeed erlaubt sich der Speedart den Gag nachgerüsteter Flügeltüren – zu empfehlen nur für gelenkige Kunden, sonst wirkt der Limbo-Einstieg peinlich.

Der wirkliche Landstraßen- Held dagegen kommt von Techart. Nicht wegen der üppigen Dekoration, schon gar nicht wegen des unmöglichen Lenkrads. Sondern wegen des akkurat ausbalancierten Fahrwerks und des siedenden Boxers.

Ein Brandsatz der Leidenschaft, ein Brettspiel für Männer. So, wie wir uns das als Kinder vorgestellt haben.

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