Großversuch: Mini E

Mini E: Erste Fahrt im Elektro-Mini

Foto: Mini 7 Bilder

Hotel Wilshire im edlen Beverly Hills. Hier, wo der legendäre Kinofilm Pretty Woman gegenüber dem Rodeo Drive als teuerster Einkaufsstraße der Welt gedreht wurde, soll es losgehen - die erste Ausfahrt im Mini E.

Das Elektroauto, von dem in den USA in einem Großversuch jetzt 500 Exemplare für zwölf Monate verleast werden sollen, rollt geräuschlos vor. Seltenheitswert in einer Gegend, in der sich die Lamborghinis und Ferraris dieser Welt beim Ampelstart mit dem Aufheulen der Motoren zu übertreffen versuchen.

95 Prozent geladen zeigt das Display an - die Lithium-Ionen-Batterie ist also bereit für eine Testfahrt von rund 200 bis 250 Kilometer. Der erste Tritt aufs Gaspedal zeigt, dass wir hier nicht mit einem versponnenen Captain Future unterwegs sind. Der Mini schnalzt mit seinen 5.088 Batteriezellen los, als ob er von einem Gummiband abgeschossen worden wäre - und das bei einem zusätzlichen Gewicht von 300 Kilogramm gegenüber dem konventionellen Antriebskonzept. 220 Newtonmeter Drehmoment stehen hier praktisch ab der ersten Drehzahl zur Verfügung. E steht also nicht nur für Elektroantrieb, sondern auch für Ernsthaftigkeit des Projektes. Allerdings sollen künftige Serienmodelle mehr Platz bieten.

Mini wird zum Zweisitzer

Um die Batterie zu verstauen, ist aus dem Viersitzer in diesem Großversuch ein reiner Zweisitzer geworden, dessen Kofferraum amerikanischen XXL-Einkäufen kaum Genüge tun dürfte. Aber egal, jetzt geht es ja erst mal um die Serienerforschung. Unter dem fröhlichen Summen des E-Motors geht es durch die Straßen von Beverly Hills, wo er seine Höchstgeschwindigkeit von 156 km/h nicht erreichen kann. Da es aber keine Antriebsgeräusche gibt, ist klar, dass auch bei höherem Tempi allenfalls Karosserie- und Abrollgeräusche zum Fahrer durchdringen.

Der muss sich erst einen kurzen Moment daran gewöhnen, dass das Auto beim vollen Beschleunigen in der Lenkung zerrt wie alte Fronttriebler. Und mit 0,23 g spürbar selbsttätig abbremst, sobald der Fahrer vom Gas geht, um über die Rekuperation möglichst viel Energie wieder hereinzuholen. Eigenständig Bremsen muss der Fahrer so praktisch nur, wenn er ganz zum Stillstand kommen will.

Das Fahrwerk wurde dem höheren Gewicht und den veränderten Achslastverteilungen angepasst. Wie groß der Unterschied zum normalen Mini wirklich ist, lässt sich auf den zum Teil mit Schlaglöchern übersäten US-Straßen nur schwer feststellen. Sicher ist nur, dass dieser Versuchsballon, der für 850 Dollar pro Monat geleast werden kann, der Marke wichtige Erkenntnisse bei der Entwicklung von E-Autos bringen wird. BMW-Strategie -Vorstand Friedrich Eichiner: "Die Idee dieses Projektes ist, nicht nur ein Auto zu machen. Es geht darum, den technischen Fortschritt darzustellen. Zwischen 2010 und 2015 wollen wir dann ein E-Auto in Serie anbieten. Unter welcher Marke, steht zur Zeit noch nicht fest."
           
Im Leasingpreis inbegriffen ist eine so genannte Wallbox, die mit 240 Volt Leistung ein schnelleres Aufladen der Batterie erlaubt. Nach zwei Stunden soll der auffällig lackierte E-Mini wieder fit sein, beim Ampelstart in Beverly Hills den Lamborghinis und Ferraris dieser Welt in aller Stille das Fürchten zu lehren.

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