Handling-Vergleich

Verstehen Sie Gas?

Foto: Achim Hartmann 6 Bilder

Lachpulver gegen die Gefahr der Langeweile ist der neue VW Golf GTI. Er witzelt über den Mini Cooper S Works, will sich gar mit dem Lotus Elise 111R anlegen. Wer verbreitet auf der Rennstrecke die beste Laune?

Es ist unglaublich: Altehrwürdige Kollegen schwärmen verzückt, Heckantrieb-Orthodoxe fallen vom Glauben ab, Testfahrer kurven Umwege aus fadenscheinigen Gründen.

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Vergleichstest VW Golf GTI, Mini Cooper S Works, Lotus Elise 111R,
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Alles wegen des neuen GTI. Dabei haben seine Vorfahren, bis auf die allererste Serie, nun wirklich niemandem emotionale Purzelbäume entlockt.

Und dann das. Aus allen Fugen presst der neue Sport- Golf seine Dynamik. Die Mutter aller Kompakt- Kanonen wedelt rotzfrech mit dem Heck, liegt provokativ neutral und brennt turboglühend. Stolz, selbstbewusst, siegessicher.

Und das in der fünften Generation. Ein neuer Fronttriebler mit Pfeffer im Hintern? Da schreckt er hoch, der Adressat des Affront, der Mini, quirligste unter den Knallkugeln.

Und selbst der Lotus Elise zieht kritisch die Augenbrauen hoch. Sicherheitshalber sehen beide im Kurvenrevier nach dem Rechten. Auch heute noch schlummern Rallye- Gene im Mini.

Anders als früher gibt es nun einen echten Cooper werksgetunt. Mike Cooper, der Sohn von John, dem legendären Mini-Anstachler, hat den Grizzly im Teddy geweckt, hat dem 1,6-Liter böse 210 PS verliehen. Und damit einen begabten Kleinwagen zur Fahrmaschine getrimmt.

Hinter seiner Oh-wie-putzig-Fassade rockt der Mini Cooper S Works echten Brit- Pop: schmutzige Verse, von süßen Melodien eingelullt.

Wer den Anglo-Germanier als rollendes Einkaufstäschchen missdeutet, ist am drolligen Wimpernaufschlag hängengeblieben, hat dem Kleinen nur nicht gründlich genug in die Augen geblickt. Zusatzscheinwerfer? Kein bloßes Geschmeide. Sie leuchten die Ideallinie auf einer ganz privaten Nacht der langen Messer aus.

Ob tief im Bayerischen Wald oder hoch auf dem Harz: Der Works schüttelt die Kurven nur so aus dem Ärmel, stürzt sich mit Gebrüll hinein, feuert um den Scheitelpunkt und jault kompressorgetrieben heraus.

Doch das ist Feierabend-Dynamik; der Hammer hängt in Hockenheim. Wer auf der winkligen Kurzanbindung (kleiner Kurs) elastisch ums Eck schnellt, dabei wenig Reifen liegen lässt, der setzt die Pace.

Ein Fall für kleine Hüpfer. Wir erinnern uns: Mini, Monte, düpierte Dickschiffe ... Doch enge Serpentinen sind eben keine breite Piste.

Dort gibt der Mini Gummi im Wortsinn, hinterlässt dicke Reifen-Späne. Ohne Sperrdifferenzial singt das kurveninnere Rad den rauchigen Blues: Quieken statt Vortrieb, Hufescharren statt Galopp. Da hilft auch kein provozierter Lastwechsel: Wenn’s vorne schiebt, muss sich der Gasfuß disziplinieren.

Sobald die Räder wieder gerade stehen, darf der Vierzylinder-Kompressor pumpen und drücken. In jedem seiner kurz gestuften sechs Gänge lädt er neu durch, feuert beim Gaswechsel Böllerschüsse ab, heult die Gerade entlang.

Trotz Traktionsproblemen stanzt der Mini eine Fabelzeit in den Kurs: 1:21,52 Minuten. Da hechelt sogar ein 40 PS stärkerer Alfa Romeo 156 GTA fast zwei Sekunden hinterher. Respekt. Und alles ohne heckwackelnde Männlichkeits-Rituale.

Die Rolle des Halbstarken übernimmt der GTI. Mehr Wolf, weniger Golf. Lederkluft statt Kombination. Der erste neuzeitliche VW, der sich quer in die Sachskurve wirft, fast heckgesteuert.

Die Kurvenpose ist eine Frage der Gaspedalstellung – darf ein Fronttriebler so etwas? Wir bitten darum. Zumal der GTI sowohl den Sicherheits-Aposteln (linientreu mit ESP) als auch den Drift-Künstlern (Fahrhilfe abgeschaltet) gefällt.

Schon auf der entschlossen beißenden Bremse dreht er sein Heck ein; ruckartiges Überlenken entlastet anschließend die Hinterachse, treibt den Volkswagen breitseits ums Eck. Das geht mehr oder weniger spektakulär.

Wer rechtzeitig lupft, statt den Golf stumpf untersteuernd zu versenken, der zirkelt ihn vorbildlich neutral durch die Kurve. Locker aus dem Handgelenk. Wunderbar. Spät gebremst, früh aufs Gas, die TDIartige Drehmomentwelle des Zweiliter- Turbos effektiv geritten, und die Rundenzeiten fallen fast ohne Lenkrad-Akrobatik. 1:20,31 zeigt die Stoppuhr, und der Mini wird blass. Der Power-Zwerg ist entthront. Die Macht ist wieder mit VW.

Der GTI als Höhepunkt der Entwicklung, den Fronttrieblern das Untersteuern abzugewöhnen. Und: Nach drei würzigen Runden, wenn beim Works-Cooper S die Bremsen zu verglühen drohen, verbeißen sich die Zangen des Golf noch immer in den Scheiben.

Ausdauernd, endgültig. Gut so. Doch über die Krönung zum neuen Kurvenstar entscheidet eine letzte Instanz: der Lotus Elise 111R. 192 PS fallen dank Mittelmotor-Traktion rauchfrei über 900 Kilogramm her. Wenn nicht er, wer sonst könnte den aufmüpfigen Volkswagen in die Schranken weisen?

Auch der 111R ist ein echter Lotus: ungedämmt, ungehobelt, ungezähmt. Und mit dem Toyota-Vierzylinder eine echte Furie.

Das vormals große Gähnen zwischen den Kurven weicht einem langen „Oho“, wenn den 1,8-Liter-Sauger bei 6200/min der Zorn packt.

Hysterisch, überdreht, energetisch fiebert er, bis bei 8400/min ein rotes Lämpchen zum Riss am Schaltstock mahnt. Das wilde Tier rasselt, keucht, mahlt, schreit seine Lebenslust frei heraus, atmet analog.

Kein Cyber-Nervensystem übernimmt die Kommandozentrale, kein ESP dreht den Hahn in der Kurve zu.

Die dynamische Kompetenz liegt ganz in der Fahrerhand. Der Lotus, einer der letzten regelungsfreien Nervenkitzel. Grenzbereich, Annäherung in sensorischer Hab-Acht-Stellung.

Ambitionierte Rundenzeiten balancieren zwischen Wahn und Wirklichkeit. Um richtig schnell zu sein, wirft man das Heck gezielt mit abrupt gelupftem Gasfuß ins Eck, pariert reflexartig mit der servofreien Lenkung, wehrt den Konter im Ansatz ab – Autofahren für Erwachsene, Herzklopfen inklusive.

Lohn des Schweißes sind unglaubliche 1:16,36. Fast vier Sekunden nimmt der Matchbox-Sportler dem GTI in Hockenheim ab, über fünf dem Mini.

Anders ausgedrückt: In einem Clubrennen drohte beiden die Überrundung. Zu früh gefreut, GTI. Trotzdem erhälst du einen Lorbeerkranz: für den begabtesten Fronttriebler.

Sich am Kurven-Quirl Mini innen vorbeizudrücken, der kleiner, leichter und stärker ist, muss schließlich honoriert werden.

Wer dem echten Speed verfallen will, kommt am Heckantrieb jedoch nicht vorbei. Am besten kombiniert mit einem lustvoll vibrierenden Mittelmotor, der nur wenig Karosserie beschleunigen muss.

Und da steht unter 50 000 Euro nur einer zur Wahl: der Lotus Elise 111R.

Technische Daten
VW Golf GTI Lotus Elise 111 R
Grundpreis 28.225 € 41.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4216 x 1759 x 1466 mm 3785 x 1850 x 1117 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 112 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min 141 kW / 192 PS bei 7800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 233 km/h 241 km/h
Verbrauch 7,9 l/100 km 8,8 l/100 km
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