Heck-Optimismus

Volvo C30

Mit gläserner Heckklappe, acht Motoren und Oberklasse-Features greift der
Volvo C30 das deutsche Premium-Kompaktsegment an. Fahrbericht.

Zukünftige C30-Fahrer sollten sich schon mal gedanklich darauf einrichten, dass ihnen bald öfter auf den Hintern geschaut wird. Nicht auf den eigenen, sondern auf den ihres neuen Kompakt-Volvo. Extravagant, transparent und mutig, provoziert die skandinavische Antwort auf Audi A3 und BMW Einser mit ihrem keck geschwungenen Glas-Po bewusst den Hinguck-Effekt.

Wie ein Model schwingt der im belgischen Gent gebaute Zweitürer sein Hinterteil durch den Straßenverkehr. Wenn es sein muss, mit erstaunlicher Lust. Denn das auf der S40-Plattform aufbauende 4,25-Meter-Auto erbt gleich zu Beginn seiner Karriere auch dessen gesamte Antriebspalette von insgesamt acht Motoren bis hin zu den beiden starken Fünfzylinder-Turbos D5 und T5. Wer immer noch glaubt, Volvo stünde mit eher wuchtigen, komfortablen Autos für die Welt jenseits sportlicher Fahrdynamik, den belehrt speziell der neue C30 D5 eines Besseren.

Selbst über 1400 Kilogramm Leergewicht können den mit 180 PS derzeit stärksten Kompaktklasse-Diesel nicht davon abhalten, den Fahrer in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 zu kicken. Das laufruhige 2,4-Liter-Common- Rail-Aggregat zerrt mit bis zu 350 Nm machtvoll an den serienmäßigen 16- Zoll-Rädern. Die bei solchem Krafteinsatz fast unvermeidlichen Antriebseinflüsse in der Lenkung gilt es stoisch hinzunehmen.

Schaltgetriebe-Fans müssen jedoch darben, den D5 gibt es zu Anfang nur mit einer geschickt und unauffällig waltenden Fünfgang-Automatik. Das Gros der C30-Käufer wird aber wohl auf den 136 PS starken Zweiliter- Diesel setzen. Da darf dann wieder händisch selektiert werden. Egal wie stark – alle Volvo-Fans, die schon das Handling-Gefühl im S40 prickelnd fanden, werden im leichteren, agileren C30 ein noch intensiveres Fahrgefühl erleben. Noch etwas straffer und direkter, widmet er sich ganz dem Kurvenglück.

Trotz seiner präzise agierenden, elektrohydraulischen Lenkung reizt er die Agilität aber nicht bis zum Exzess aus, sondern lässt immer noch Raum für jenes ganz spezielle Volvo- Gefühl, das den Fahrer nicht provoziert, sondern ihn auch einfach mal in Ruhe reisen lässt. Dazu laden schon die vier sehr gemütlichen Einzel-Ledersessel (Option) ein – solange keine groben Verwerfungen das Fahrwerk plagen. Denn dann stößt der ansonsten geschmeidig abrollende C30 schon mal ungewohnt ruppig auf.

Die von Volvo auserkorene Zielgruppe der 25- bis 35-Jährigen wird das vielleicht weniger stören als die bisherige, deutlich ältere Klientel. Ikea-affine C30- Fahrer dürfen sich zudem gleich mal mit dem Gedanken anfreunden, ihre Möbelpakete künftig bringen zu lassen. 278 bis 921 Liter Kofferraum sind nicht gerade üppig. Dass die Ladequalitäten unter dem Designanspruch leiden mussten, gibt man bei Volvo offen zu.

Bis auf die etwas knappe Kopffreiheit im Fond bietet der C30 aber ausrei- chend Raum. Das trendige, größtenteils vom S40 bekannte Interieur überzeugt mit stabiler Verarbeitung, einfacher Bedienbarkeit und skandinavischer Unaufgeregtheit. Ein Kreuzchen in der Ausstattungsliste sei besonders Musik-Genießern ans Herz gelegt: Das 650 Watt starke Dynaudio-Soundsystem (eine Aux- Buchse ist Serie, eine iPod-Schnittstelle gibt es ab Frühjahr 2007) begeistert mit enormer Dynamik und mit feinen Qualitäten beim leisen Hören.

Nicht nur damit lässt der kleine Schwede Oberklasse-Qualitäten aufblitzen: Auch das optionale Toter-Winkel-Erkennungssystem Blis und die Freisprecheinrichtung mit Notruftaste sind eher klassenunüblich. Trotzdem bleibt der C30 mit seinen Preisen um vier bis fünf Prozent unter denen seiner süddeutschen Konkurrenz. Da verwundert es nicht, dass Volvo schon vor der Markteinführung 3000 Bestellungen zählen durfte.

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