Highspeed-Test

Wer knackt die 300 km/h-Schallmauer?

Foto: Frank Herzog

Fünf getunte Autos versuchen auf der Hochgeschwindigkeitspiste in Nardo die 300-km/h-Grenze zu knacken – ein Mercedes SL von Brabus, ein Maserati Coupé von Modena Performance, ein Porsche GT2 von Techart sowie ein Audi RS 6 und ein zweimotoriger TT von MTM.

Fünf Boliden sollen auf der abgesperrten kreisrunden Hochgeschwindigkeitspiste im süditalienischen Nardo an ihre dynamischen Grenzen gehen. Gefahren wird erst nach Sonnenuntergang. Wenn die Temperatur sinkt und die Luftdichte steigt, herrschen für die aufgeladenen Motoren optimale Bedingungen.

Bei den automobilen Grenzerlebnissen haben in Nardo Techniker der Reifenhersteller Continental, Dunlop und Pirelli ein wachsames Auge auf Luftdruck, Temperatur und Zustand der Pneus. Notfalls ist Ersatz schnell zur Hand.

Folgenden Tuning-Boliden erlaubt die Reifenindustrie, 300 km/h oder schneller zu fahren: einem Mercedes SL von Brabus mit 640 PS, einem Maserati Coupé von Modena Performance mit 551 PS, einem Porsche GT2 von Techart mit 646 PS und einem Audi RS 6 von MTM mit 568 PS. Special Guest ist der zweimotorige Audi TT, ebenfalls von MTM, mit Namen Bimoto und 900 PS.

Nachklapp für MTM-RS 6 Avant

Die Mitarbeiter von MTM sehen ihren getunten RS 6 Avant auf der 12,6 Kilometer langen Highspeed-Umlaufbahn verglühen. Erst bei einem Nachtermin schwingt sich der reparierte RS 6 Avant dank seines Drehmoment-Schwalls von 750 Nm problemlos auf 311 km/h.

Das Techart-Team will mit dem GT Street S die von Konkurrent Ruf vorgelegten 351 km/h aus dem Vorjahr übertreffen. Der Dämpfer folgt beim Ablesen des satellitengestützten GPS-Messgerätes – nur 335 km/h.
Nicht der Motor gibt das Ende der Beschleunigung vor, der Pilot steckt auf.

Plötzlich registriert er erschreckt, wie uneben der Belag in Nardo tatsächlich ist. Und wie sehr der Brabus SL SV12 der Fahrbahn schmeichelt. Nicht einmal ein Erdbeben könnte wohl seinen Geradeauslauf stören. Der Biturbo entfaltet seine 640 PS ehrerbietig gleichmäßig. Erst im sechsten Gang lässt das Vorwärtsstreben merklich nach. So dauert es eine Weile, bis 327 km/h auf der digitalen Uhr stehen.

374 km/h für den Bimoto von MTM

Dem CC di Modena von Modena Performance fehlt selbst bei 300 km/h jene Zickenhaftigkeit, die italienischen Sportwagen oft nachgesagt wird.

Trotz Aufladung bleibt der serienmäßige Sauger-Charakter erhalten: bei niedriger Drehzahl ordentlich Schub, ab 5500/min gewaltig Druck. An fehlender Leistung liegt es sicher nicht, dass der Maserati bei 300 km/h verharrt. Vielmehr bremst ihn die mangelnde Abstimmung der Tuning-Komponenten.

Dieses Problem hatte Roland Mayers Brachial-TT im Vorjahr. Von Feintuning verspricht er sich Abhilfe. Und so nimmt der MTM-Chef die 400 km/h erneut ins Visier – nun mit bewusstseinserweiternden 900 PS und effektiver gekühlten Motoren.

Weil der Bimoto im vergangenen Jahr über 300 km/h sehr unruhig lag, soll nun eine Heckflosse Stabilität verleihen. Bei 374 km/h hat er genug und verabschiedet sich in einer ölschwangeren Rauchwolke. Da tröstet kaum, dass der Bimoto vor dem Exitus seinen Vorjahresrekord um drei km/h verbessert hat.

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