Hummer

Der H2 erobert Europa

General Motors will den neuen Luxus-Geländewagen Hummer H2 ab 2004 auch auf den europäischen Markt bringen

Bitte, nennen Sie dieses Auto nicht Baby-Hummer“, fleht Arnold Schwarzenegger im Promotion-Video für den neuen Hummer H2. Dabei schaut der ös­terreichische Hollywood-Star, als würde er jedem, der diese despektierliche Bezeichnung verwendet, am liebsten eine saftige Watsch’n verabreichen. Der Muskel-Mime aus der Steiermark ist wohl einer der größten Fans der kleinen US-Marke, die Anfang der neunziger Jahre dank der CNN-Übertragungen vom Golfkrieg einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte. Da diente der kraftmeierische Geländewagen dem US-Befehlshaber, General Norman Schwartzkopf, als mobiler Befehlsstand. Schwarzenegger bereitete die zivile Karriere des Hummer vor. Er überzeugte die Manager des in South Bend, Indiana, ansässigen Herstellers AM General, aus der weitgehend komfortfreien Militärversion des Hummer eine weichgespülte Variante für die zivile Nutzung zu bauen. Auch wenn in Schwarzeneggers Garage mehrere Hummer stehen: Außenabmessungen im Cinemascope-Format sowie der intensive Geräuschpegel im Innenraum machten den Umgang mit dem H1 auf normalen Straßen nicht gerade zum ungetrübten Vergnügen. Kein Wunder, dass der Absatz der H1-Zivilversion nur sehr spärlich ausfiel. Innerhalb von zehn Jahren wurden gerade 8000 Exemplare verkauft: Image und Stückzahlen standen beim H1 in umgekehrt proportionalem Verhältnis. Das soll sich beim neuen Modell H2, einem Gemeinschaftsprodukt von AM General und General Motors, ändern. Die neue Hummer-Fabrik in South Bend kann jährlich bis zu 40.000 H2 produzieren. 100 davon sollen nach Europa geliefert werden. Innerhalb von 16 Monaten, so schnell wie noch nie ein General Motors-Modell zuvor, wurde der H2 zur Serienreife entwickelt, berichten die Ingenieure voller Stolz. Ein Gewaltakt, der nur möglich wurde, weil im Teilelager des größten Autoher­stellers der Welt fast alle wichtigen Komponenten für den Bau des H2 vorrätig waren. Der Leiterrahmen stammt vom Chevrolet Tahoe, und der Antriebsstrang des Allradlers, die ­Viergang-Automatik und der Sechsliter-V8-Motor vom Typ Vortec finden sich in allerlei GM-Trucks wieder. Das zentrale Thema des H2 ist das Design. „Rugged and refined“, zerklüftet und veredelt, lautete die Losung für die Designer. Sie taten, wie ihnen geheißen: Wo immer es ging, schufen sie scharfe Kanten und rechte Winkel. Ein „einschüchterndes Bild“ solle der H2 abgeben, das „militärische Erbe“ ‑ solle gewahrt bleiben“, und alles in allem solle er „unzerstörbar“ wirken mit seiner „kugelsicheren Konstruktion“.

So erklärt es ein Schild im Hummer-Offroad-Schulungszentrum. Mit seinen fast senkrecht stehenden Fenstern im Sehschlitzformat, seinem grimmigen Kühlergesicht, den riesigen Rädern und der gewaltigen Breite von 2,06 Metern ist der H2 ein Respekt einflößendes Automobil. Im direkten Vergleich wirken die M-Klasse von Mercedes oder der X5 von BMW fast spielzeugartig. Der Fahrersitz des Hummer liegt sehr hoch, quasi in der ers­ten Etage. Der Fahrer hat so einen sehr guten Überblick über das Geschehen auf der Straße. Zur apokalyptischen Schreckensgestalt der Überholspur wird der gewaltige H2 nicht werden: Trotz innenbelüfteter Scheibenbremsen und ABS haben ihm seine Ziehväter nämlich bei 92 Meilen pro Stunde, entsprechend knapp 150 km/h, eine elektronische Sperre verpasst – wohl aus Sorge um die Reifen. Dabei hätte der im Normalbetrieb leise vor sich hin nuschelnde, 316 PS starke V8-Motor Kraftreserven für weitaus höheres Tempo. Der Sechsliter kümmert sich jedoch schon bei gemütlichem Cruisen sehr effektiv um die zügige Vernichtung des Kraftstoffs: Unter tempolimitierten US-Einsatzbedingungen verspricht Hummer eine Reichweite von mindestens 500 Kilometern. Eine Zahl, die sich jedoch in Anbetracht des Tankvolumens von 121 Litern relativiert. So errechnet sich ein Verbrauch von stolzen 24 Litern auf 100 Kilometer. Der wahre Hummer-Fan wird sich davon jedoch wohl kaum abschrecken lassen, denn kaum ein anderes Auto bietet mehr Show-Effekt und bei den Passanten mehr Köpfedreher und hochgereckte Daumen. Im Gelände ist das mar­tialische Auftreten keine leere Versprechung. Die Offroad-Eigenschaften des H2 erreichen zwar nicht ganz das ­Niveau eines H1 oder gar eines Unimog. Böschungswinkel von rund 40 Grad vorne und hinten, eine Wattiefe von 51 Zentimetern und eine Steigfähigkeit von 60 Prozent entsprechen dem Niveau renommierter Geländewagen. Trotz des gewaltigen Leergewichts von fast drei Tonnen zieht der H2 auch in schlammigem Geläuf wacker seine breite Spur: Eine Gelände­reduktion, zu 100 Prozent sperrbare Mittel- und Hinterachsdifferenziale sowie eine schlaue Traktionskontrolle sor­gen dafür, dass er beinahe nur vor senkrechten Mauern kapitulieren muss. Stufen bis zu einer Höhe von 41 Zentimetern erklimmt er ohne Mühe. Auch auf der Straße ist der H2 ein angenehmer Partner: Die hohe Gürtellinie vermittelt ein Gefühl der Hei­meligkeit, die Bedienung ist genauso simpel wie bei einem Personenwagen, und der Ge­räuschpegel bewegt sich im Toleranzbereich. Konkurrenzfähig ist auch der Preis: In den USA kostet der H2 knapp 50 000 Dollar – 70 000 Dollar weniger als das Vorbild, der H1.

Technische Daten
Hummer H2 6.0 V8 Allrad
Grundpreis 69.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4850 x 2050 x 2050 mm
KofferraumvolumenVDA 1222 bis 2660 l
Hubraum / Motor 5967 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 243 kW / 330 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Verbrauch 18,1 l/100 km
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