Hummer H3

Hummer-Time

Foto: Jim Fets 13 Bilder

Der H3 ist der erste Hummer, dessen Dimensionen europäischen Maßstäben gerecht werden. Auch der Baby-Hummer trägt die Gene der kultigen Offroad-Marke: unverwechselbares Design und unschlagbare Geländegängigkeit.

Aufgepasst ihr Jeeps, Mercedes G, Land und Range Rover – letzte Vertreter einer im Softroader-Boom scheinbar aussterbenden Spezies: die des kernigen Offroaders, dem kein Weg zu weit, keine Furt zu tief, kein An- oder Abstieg zu steil ist. Der über Felsen kraxelt wie weiland Luis Trenker und für den ein Schlammbad das höchste der Gewühle darstellt.

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Fahrbericht Hummer H3
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Denn jetzt kommt von GM der kleine Hummer, der Appetit darauf hat, die Platzhirsche zu fressen. Das urige Allrad-Monster H1 kannte man bislang vorwiegend als Militärfahrzeug aus dem Golf-Krieg.

Der modernere H2 SUV und SUT (Pickup) gelangte vereinzelt über freie Importeure nach Europa, wo er aber mit seinen Abmessungen (5,17 Meter lang, 2,06 Meter breit) die hiesigen Dimensionen sprengte: So manches Parkhaus entpuppte sich für den grobstolligen Allesüberwinder als uneinnehmbar.

Doch nun gibt es mit dem H3 erstmals ein Modell, dessen Karosserie in der europäischen Verkehrsenge nicht mehr anecken dürfte. Die Amerikaner haben ihn Baby-Hummer getauft. Doch so niedlich ist der Kleine nun auch wieder nicht. 4,74 Meter misst das Riesen-Baby in der Länge, 1,89 in der Höhe und 1,90 in der Breite – ohne Außenspiegel wohlgemerkt.

Mit diesen Abmessungen präsentiert sich der H3 gegenüber dem H2 um 43 Zentimeter kürzer, 15 Zentimeter niedriger und 16,5 Zentimeter schmaler. Das Ganze bei 276 Millimeter weniger Radstand.

Das Beste daran: Man sieht dem H3 die Schrumpfkur nicht an. Er wirkt wie eine Kopie des großen Bruders: mit kantiger Karosserie, hoher Gürtellinie, fast senkrecht stehender Frontscheibe, kleinen Fensterflächen, kurzen Überhängen und Respekt einflößender Aura. Dabei ist der Baby-Hummer im Grunde seines Herzens ein sanftes Wesen.

Als Motorisierung nämlich dient kein martialischer V8, sondern ein eher schmalbrüstiger Fünfzylinder. Er schöpft aus immerhin 3,5 Liter Hubraum zwar 223 PS und 305 Nm Drehmoment, aber bereits auf den ersten Kilometern macht sich Ernüchterung breit: Das Triebwerk ist mit dem leer schon 2132 Kilogramm wiegenden SUV überfordert.

Das Beschleunigen aus dem Stand fällt dem H3 zwar noch leicht, aber an Steigungen sowie bei höherer Geschwindigkeit mangelt es an Durchzugskraft, zumal das Fünfgang-Schaltgetriebe oben heraus viel zu lang übersetzt ist. Zum Cruisen genügt das Temperament aber.

Die alternativ offerierte, weich schaltende Viergangautomatik passt besser zum Charakter dieses Autos als das zwar leichtgängige, aber wenig exakte und mit langen Wegen operierende Schaltgetriebe, kann aber das Gefühl der Untermotorisierung auch nicht kaschieren. Bei Kickdown wird die Maschine nur lauter, ohne die Fuhre nachdrücklich zu beschleunigen. Ansonsten passt der Fünfzylinder mit seiner für Motoren dieser Brennraumzahl typisch heiseren Ausdrucksweise gut zum rustikalen Auftreten des H3.

Der Verzicht auf einen Sechszylinder dürfte das Benzin- Budget aber nicht nennenswert entlasten. Wirtschaftlicher wird es erst mit einem V6-Turbodiesel, der noch bis 2007 auf sich warten lässt.

Seine Faszination bezieht dieser Hummer weniger aus dem Motor – die Höchstgeschwindigkeit ist auf 158 km/h beschränkt – als aus den übrigen Komponenten. Die Karosserie etwa bietet all das, was sich nicht nur hartgesottene Offroad-Freaks, sondern auch Stadtindianer und Freizeit-Kapitäne wünschen: eine exzellente Übersichtlichkeit, bis auf die Enge im vorderen Fußraum sehr viel Platz, eine trotz nur höhenverstellbarem Lenkrad hervorragende Sitzposition für den Fahrer, einen riesigen (835 bis 1577 Liter) Gepäckraum mit asymmetrisch geteilt umklappbarer Rücksitzlehne.

Dazu passten die hohe Zuladung (520 Kilogramm), mehr als zwei Tonnen Anhängelast, und eine umfangreiche Serienausstattung, die sich durch Zusatzpakete (Adventure und Luxury) sowie durch unzählige Extras noch ergänzen lässt.

Trotzdem bleiben Wünsche offen: Es könnte im Cockpit mehr und vor allem größere Staufächer geben, die Schalter für die elektrischen Fensterheber sind in der Tür zu weit hinten angeordnet, bei den Ledersitzen mit elektrischer Verstellung muss die Lehne manuell justiert werden, und die hinteren Insassen kauern wegen der tief angeordneten Fondbank in Froschhaltung.

Die Fahreigenschaften hingegen sind besser als erwartet.

Der mit Leiterrahmen, hinterer Starrachse und Einzelradaufhängung vorn versehene H3 läuft ordentlich geradeaus, ist mit 11,3 Meter Wendekreis überraschend wendig und meistert Kurven ohne Seegang. Von einer M-Klasse oder gar einem X5 ist der H3 jedoch so weit entfernt wie Deutschland von einem Wirtschaftsaufschwung – allein schon wegen der ungenauen Lenkung.

Aber er federt erstaunlich ordentlich, wenn die Fahrt über lange Bodenwellen geht. Bei kurzen Stößen und wechselseitigen Unebenheiten schüttelt es die Hummer-Besatzung dagegen bis ins Mark. Dafür macht dem Hummer im Gelände keiner was vor, vor allem dann, wenn noch das optionale Offroad-Fahrwerkspaket – unter anderem mit zuschaltbarem hinterem Sperrdifferenzial, größeren Rädern und extrem kurzem Reduktionsgetriebe – an Bord ist.

Wie eine Eidechse klebt der am Unterboden schwer armierte Brocken an Felsen, meistert dank riesiger Verschränkung seiner Achsen schier unüberwindbare Hindernisse, wandert selbst schroffeste Abhänge seelenruhig runter.

Wo den Fahrer selbst schon der Mut verlässt, läuft der Hummer erst zu richtig großer Form auf. Die Steigfähigkeit beträgt wie bei bei den größeren Hummer- Modellen 60 Prozent, die Bodenfreiheit 23 Zentimeter und die Wattiefe 40 Zentimeter. Viel wichtiger: Der H3 ist der erste Hummer mit serienmäßigem ESP, wenngleich anfangs nur in der Automatikversion. Der offizielle Verkauf des H3 über die von GM beauftragte Kroymans-Gruppe beginnt im Spätherbst.

Freie Importeure wie US-Autohändler Geiger (www.geigercars.de) in München hingegen liefern bereits ab Ende Mai zu Preisen von 41 256 (Basis-Version) bis 47 822 Euro (Luxus-Ausführung), inklusive Mehrwertsteuer, Frachtkosten und Zweijahres-Garantie. 60 000 H3 will GM nach Anlauf der Produktion in den USA und Südafrika (Exportmodelle) jährlich absetzen, einige 1000 in Europa.

Die Chancen dafür stehen den US-Erfahrungen nach gut. Dazu Hummer-Generaldirektorin Susan Docherty: „Niemand braucht einen Hummer, aber jeder will einen haben.“

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