HWA A 32 K

A-Klasse mit Vitamin C

Die ultimative Mercedes A-Klasse: HWA A 32 Kompressor, ein Einzelstück mit Sechszylindermotor, 354 PS Leistung, 450 Newtonmeter Drehmoment und mit jeder Menge Spaß.

Auf den Index der Unworte, so schrieb unlängst ein Leser an die Redaktion, gehöre er gesetzt, der Begriff „Überholprestige“. Womit er nicht ganz Unrecht hat.

Trotzdem muss das Unwort in Verbindung mit der schnellsten Mercedes A-Klasse aller Zeiten noch einmal herhalten. Denn das Kraft-Ei, korrekt A 32 Kompressor genannt, hat vieles, aber wahrhaftig kein Überholprestige.

Da nützen auch die breiten Reifen und der tiefgezogene Frontspoiler nichts – wenn das A-Modell im Rückspiegel auftaucht, macht keiner Platz. Erst recht keiner, der ohnehin schon 200 km/h schnell fährt. Da gibt der Fahrer der kräftig motorisierten Oberklasse-Limousine lieber noch ein bisschen mehr Gas. Was ohne den gewünschten Effekt bleibt, denn der Zwerg lässt sich nicht abschütteln.

Die Kapitulation kommt, und mit ihr ein Gesichtsausdruck fassungslosen Erstaunens. Kickdown bringt die Motordrehzahl in der A-Klassse auf das Niveau für beste Beschleunigung und entfesselt gleichzeitig einen grollenden Sound, dessen Tonlage dem Kenner unmissverständlich eines sagt: Kompressor. Und dann faucht er davon, der kleine Silberpfeil, als gäbe es kein morgen. Die Rolle des Underdogs, der auf Wunsch fast alles in Grund und Boden beschleunigen kann, hat ihren besonderen Reiz. Genießen kann sie nicht jeder. Den A 32 Kompressor hat sich ein betuchter Kunde als Einzelanfertigung bauen lassen. Bei der Firma HWA in Affalterbach.

Affalterbach? Da sitzt doch die Mercedes-Edelschmiede AMG. Und das A für Aufrecht ist auch tatsächlich das gleiche. Hinter HWA steht AMG-Gründer Hans-Werner Aufrecht. Bei HWA, der Rennabteilung von Daimler-Chrysler, können besonders schwere Fälle von automobiler Spielsucht therapiert werden, für die es bei AMG kein passendes Rezept gibt. Beim Projekt A 32 genügte kein landläufiges Tuning. Da musste zur Totaloperation geschritten werden, wobei über den Preis der Mantel des Schweigens gehüllt wird. Statt vier sitzen jetzt sechs Zylinder unter der vorderen Haube, in V-Form und 3,2 Liter Hubraum ergebend.

Dazu ein von der Kurbelwelle angetriebener Kompressor. Richtig, das ist der Motor, den AMG in C-Klasse und SLK verbaut. Zusammen mit ihm wanderte auch gleich die komplette C-Klasse-Vorderachse unter die A-Hülle. Mit der ebenfalls aus dem Baukasten entnommenen Fünfgang-Automatik ergibt das einen Brocken mit großem Platzbedarf. Die Sitze mussten deshalb um sieben Zentimeter nach hinten ausweichen, das Armaturenbrett entsprechend verlängert werden. Den Weg vom Getriebeausgang bis zu der Raumlenkerachse aus der C-Klasse überbrückt eine speziell angefertigte Kardanwelle. Hinterradantrieb also, und damit ist der A 32 aller Traktionsprobleme ledig, mit denen sich die schwächeren Serienmodelle herumschlagen müssen. 747 von insgesamt 1665 Kilogramm belasten die Hinterachse, Reifen der Dimension 225/45 ZR 17 tun ein Übriges. 354 PS und ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmeter werden erstaunlich problemlos auf die Straße gebracht. Rauchzeichen setzt der A 32 nur, wenn mit deaktivierter Schlupfregelung voll beschleunigt wird.

Und dann ist wahrhaftig Feuer unterm Dach. Der Kleine katapultiert sich mit einem Peitschenschlag aus den Startlöchern. Bei 6000/min, entsprechend 60 km/h, wirft die Automatik den zweiten Gang ein, der dann bereits bis über 100 km/h reicht.

Das Messgerät signalisiert einen Fabelwert: 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Porsche Carrera-Fahrer schaffen das nur, wenn sie Kupplung und Schaltung ohne Rücksicht auf Verluste behandeln. Beim A 32 Kompressor genügt ein simpler Druck auf das Gaspedal.

Da fahrwerkstechnisch nichts von der regulären A-Klasse übrig blieb, stellt der Umgang mit dem brachialen Dampf nicht das geringste Problem dar. Bis in den Bereich der Höchstgeschwindigkeit läuft das A-Monster unbeirrt geradeaus. Der Haftgrenze in Kurven nähert es sich so neutral wie die Schweiz. Und die Bremse vom C 32 AMG packt gnadenlos zu. Ohne Fading auch bei extremer Beanspruchung.

Von einem Hochleistungs-Sportwagen konventioneller Bauweise unterscheidet sich der A 32 nur durch die konzeptbedingt hohe Sitzposition, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Wegen der vorzüglichen Fahreigenschaften stellt der

A 32 die einzige A-Klasse dar, bei der das Stabilitätsprogramm ESP abgeschaltet werden kann. Für den Könner, der auf der Rennstrecke unterwegs ist, ergibt sich damit ein höchst attraktives Unterhaltungsprogramm: Drifts bis zum Abwinken. Selbst der Federungskomfort, gewiss ohne Priorität im Lastenheft, kann sich sehen lassen. Bei geringem Tempo stolpert der Kleine etwas, aber bei schneller Fahrt saugen die Schraubenfedern Bodenwellen in einer Art und Weise

auf, von der die Fahrer normaler A-Modelle nur träumen können.

Auch das weist darauf hin, dass dieses Einzelstück sich ganz an den Qualitätsnormen von AMG und damit an denen von Mercedes orientiert. Da wirkt nichts gebastelt oder improvisiert, da klappert nichts, da schüttelt nichts. In handwerklicher Hinsicht ist der

A 32 ein Meisterstück – angefangen beim Armaturenbrett mit den vom SLK übernommenen Instrumenten bis hin zu den Sitzen, die von Recaro stammen und den Körper festhalten, als sei er einzementiert.

Die Fondsitze können nur noch als Ablage dienen. Weil Fahrer und Beifahrer nach hinten gerückt sind, schrumpfte der Beinraum fast auf Null. Auch die hinteren Türen erfüllen nur noch einen Deko-Zweck. Wer sie öffnet, stößt auf die Verstrebung des massiven Überrollkäfigs, auf den der Kunde ebensowenig verzichten wollte wie auf die Hosenträger-Gurte.

Sicherheit geht eben vor. Das beweist nicht zuletzt ein kleiner roter Knopf auf der Mittelkonsole. Den, so warnten die HWA-Mannen bei der Übergabe an auto motor und sport, solle man doch bitte nicht ausprobieren.

Denn sonst werde der ohnehin schon voll gepackte Motorraum auch noch mit dem Schaum aus der dort installierten Feuerlöschanlage gefüllt.

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