Irmscher 7 im Fahrbericht

Replika des Lotus Super Seven

Noch ein Lotus? Naja, nicht ganz. Irmscher baut eine Replika des Lotus Super Seven mit Opel-Motor und stürmischen 147 PS.

Als damals der Lotus-Gründer Colin Chapman die Nase voll hatte von müden Droschken à la Morris Minor, kam er auf die ebenso einfache wie glorreiche Idee, einfach alles wegzulassen, was zum Fahren nicht unentbehrlich ist. Der Lotus Super Seven war geboren und vereinte simple wie robuste Antriebstechnik mit den Fahrleistungen eines Sportwagens. Bestandteil des Konzepts war zudem, nur die nötigsten Teile wie Rahmen und Beplankungen als Bausatz zu liefern, für den technischen Rest konnte eine brave Limousine ausgebeint werden.

Auch die Opel-Truppe von Irmscher in Remshalden konnte der Versuchung einer solchen nackten Kanone nicht widerstehen. Das in Remshalden gebaute Fertigfahrzeug besticht durch auffallend hohe Qualität und spart somit viele Nerven und Arbeitsstunden. Der Gitterrohrrahmen und die GfK-Teile stammen nach wie vor vom Vertragspartner VM in Bergisch-Gladbach, das Getriebe von Ford, die Scheibenwischer von der Ente.

Aber der Motor, der ist natürlich von Opel. Der 2,2-Liter-Vierzylinder, sonst in diversen Opel-Modellen zu Hause, ist nur leider nicht ganz das, was in einem solchen Umfeld erwartet wird. Natürlich haut der drehmomentstarke Motor die zwei möglichen Insassen (Vorsicht, nur 180 Kilo Zuladung erlaubt!) in wenig mehr als fünf Sekunden auf 100 km/h. Das ist bei einem Trockengewicht von lediglich 710 Kilogramm auch kein Wunder. Zudem verbraucht er bei gemächlicher Fahrt nur 7,4 Liter auf 100 Kilometer. Doch der Vierzylinder klingt nicht, dreht ungern über 6.000 und betört demzufolge auch nicht.

Elektronische Sicherheitssysteme gibt es nicht

Aber da ist ja noch das Kurvenfahren. Schon das Rangieren bereitet Spaß. Das kleine Lenkrad, die freistehenden Vorderräder, die, entsprechenden Muskelschmalz vorausgesetzt, fröhlich hin und her schwenken – nirgends gibt es eine direktere Rückmeldung. Hier sogar visuell!

Weil der Fahrer auch noch fast auf der Hinterachse sitzt, ist jederzeit klar, was zwischen Auto und Straße passiert. Das gilt sowohl für Schlaglöcher als auch für Leistungsüberschuss an den Hinterrädern. Geht das Heck weg, hat das Popometer nirgendwo eine bessere Chance, die Lage so rechtzeitig zu erkennen wie hier.

Das Popometer und ein gerütteltes Maß Selbstbeherrschung sind aber auch die einzigen Versicherungen für die Insassen. Elektronische Sicherheitssysteme gibt es nicht – nicht einmal Airbags oder ABS. An einen Unfall mit diesem Kunststoff-Stahlgeflecht wollen wir nicht einmal denken.

Übermütige werden durch die Naturgewalten von allein gebremst. Mehr als Stadtverkehr ist ohne Brille nicht drin, sonst tränen die Augen. Ab Tempo 120 fangen die Nasenflügel an zu flattern wie zwei Socken auf der Wäscheleine. Eine geregelte Atmung fällt bei so viel Sauerstoff-Überfluss richtig schwer. Und bei einer Spitze von knapp 200 km/h ist massiver Verlust des Haupthaars garantiert.

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