Irmscher Inspiro

Offen und ehrlich

Furunkel hat jemand den Inspiro genannt, sechsäugiges Monster ein anderer. Es gab gleichwohl auch Lob: extravagant, cool, mutig, oder schlicht wow.

Womit der Inspiro sein erstes Soll schon erfüllt hat. Denn laut Irmscher soll die Studie polarisieren, Aufsehen erregen, Anstöße geben.

Gleiche Überlegungen stehen auch hinter seinem Namen. Inspiro, das soll was Tragendes haben, eine Bezeichnung sein, die Platz lässt für Vorstellungskraft und Fantasie. Fantasie – dazu passt ganz hervorragend der neudeutsche Begriff des Brainstorming. Im übertragenen Sinn verdichtet der auch das Erlebnis im Cockpit des Inspiro.

Fenster? Türen? Dach?

Während die Finne in der Mitte der schier endlosen Motorhaube der Frühlingslandschaft einen akkuraten Scheitel zieht, stürmt der Fahrtwind schon bei Tempo 60 mit Stärke zehn durch Fahrers Hirn und Haar. In Sekundenfrist hat der Sturm hinter der Frontscheibe jedwede Frisur in ein bloßes Chaos zerwühlt und alle gängigen Vorstellungen über die Kultur automobiler Fortbewegung sonstwohin gepustet. Während das automatisch einschaltende Abblendlicht in Mittelklasse-Limousinen die beruhigende Botschaft „keine Sorge, ich kümmere mich schon drum“ vermittelt, spricht der Blinkerhebel des Inspiro – selbstverständlich ohne automatische Rückstellung – eine andere Sprache: „Immerhin musst du beim Abbiegen nicht den Arm aus dem Fenster halten.“ Fenster? Wo bitte sollte der Inspiro die haben? Er besitzt nicht mal Türen und auch kein Dach.

Kein ABS, kein Bremskraftverstärker, keine Servolenkung

Die gleiche Offenheit fordert er auch von seinem Fahrer. Die sonst übliche Armee elektronischer Helfer erreicht hier nicht mal die Größe eines Stoßtrupps – kein ABS, kein Bremskraftverstärker, keine Servolenkung. Das Pedal für Puppenschuhe bemessen, will die Brembo-Bremse deshalb getreten, nicht gestreichelt werden. Das Lederlenkrad – kaum größer als ein Prinzenrollenkeks – ist weniger Volant als Trainingsgerät, und die Schalensitze sind Fastenjüngern auf den Leib geschnitten. Es ist die Kunst der Beschränkung, die die Ausstattung bestimmt und das Wesentliche unvermittelt hervortreten lässt: Fahrspaß.

Sanft aber bestimmt schieben die 225 PS des Drei-Liter-Ecotec-V6 von Opel das leer nur 780 Kilogramm schwere Ensemble nach vorn und bescheren der Hinterhand in engen Kurven zuweilen Traktionsprobleme. Das geringe Gewicht resultiert aus dem Verzicht auf Spielereien und aus der Konstruktionsweise. Auf den modifizierten Stahlrohrrahmen des Irmscher Seventy-Seven ist eine sechsteilige Karosserie aus Glasfaserkunststoff geschraubt. Der Inspiro entstand vom Computerentwurf über Modelle im Maßstab 1:5 und die Laminierung der matt lackierten Hülle bis hin zur Endfertigung komplett bei Irmscher.

Es bleibt vorerst allerdings offen, ob es den modern gewandeten, klassischen Roadster ebenso wie den konstruktiv verwandten Seventy-Seven in einer Art Kleinserie geben wird.

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