Jaguar F-Type Project 7 Fahrbericht

Diese Raubkatze ist voll auf Speed

Jaguar F-Type Project 7 Foto: Nick Dimbleby 15 Bilder

Die Dachlinie gut elf Zentimeter runter, 85 Kilo Gewicht raus, 25 PS mehr Leistung rein, das Elektroverdeck weg und nur eine Notkapuze drauf – bei anderen Marken heißt so was Speedster, bei Jaguar ist es voll auf Speed und mit 575 PS der stärkste Straßen-Jaguar aller Zeiten.  

Spektakulär ist der Look des auf 250 Exemplare limitierten Jaguar F-Type Project 7: Sein Scheibenrahmen wurde um 114 Millimeter gekürzt und hinter dem Fahrersitz fließt eine breite Hutze übers Heck. Doch wichtiger sind die Änderungen unterm Blech – die steifere Lenksäule, härtere Federn und mehr negativer Sturz an der Vorderachse.

Scheint, als hätte Jaguar das F-Type R Cabrio erst jetzt richtig fertig entwickelt. Jetzt, da ihn die Mannschaft der Special Vehicles Operation in ihren Fingern hatte. Und das liegt sicherlich weniger am drastischeren Look mit Anleihen am seligen D-Type, den er als Project 7 hat. Auch nicht an den 25 PS mehr – sondern vor allem an seiner geänderten Vorderachse. Das Zusammenspiel aus härteren Federn, mehr negativem Sturz sowie einer in Teilen steiferen Lenksäule samt geänderter Kennlinie der elektrischen Unterstützung lässt den Project 7 endlich so dicht an der Ideallinie schnüffeln, wie man das von einem Sportwagen erwartet.

Project 7 ist schnellster Jaguar aller Zeiten

Der gepimpte F-Type ist nebenbei noch der schnellste und stärkste Straßen-Jaguar aller Zeiten. Auf der Nordschleife nimmt er dem F-Type R vier Sekunden ab, kommt auf 7:35 Minuten. Vorne sind die Fahrwerksfedern um 80 Prozent härter, hinten um 8. Alleine dieses scheinbare Missverhältnis verbessert die Traktion an der Hinterachse – würde allerdings auch deutliches Untersteuern begünstigen.

Um dies auszugleichen, erhöhten die Techniker den negativen Sturz vorn auf 1,5 Grad (plus 1.0 Grad), was eine drastischen Anstieg um 150 Prozent entspricht. Gleichzeitig wurden die adaptiven Dämpfer neu abgestimmt; interessanterweise ist die Spreizung zugunsten der Comfortstufe nun höher. Dies sorgt gleichermaßen für einen nach wie vor guten Alltagskomfort und – für Sportfahrer wichtiger – einer kompetenten Traktion auf schlechten Landstraßen.

Project 7 ist deutlich agiler als der Jaguar F-Type

Auch hier passt der Bezug zum Inspirator perfekt; schließlich musste der D-Type als Le Mans-Rennwagen Bodenwellen einstecken können. Die Ziffer im Namen Project 7 steht übrigens sinnbildlich für die sieben Siege, die Jaguar beim prestigeträchtigen Langstreckenrennen erzielt hat. Tatsächlich wirft sich der offene Zweisitzer so motiviert in die Kurve, als gäbe es einen Pokal zu gewinnen. Dabei wirkt er noch einmal deutlich leichtfüßiger als es der Gewichtsverlust um 85 Kilogramm gegenüber einem F-Type R Cabrio erwarten lässt.

Wie weggeblasen ist die Schwerfälligkeit, die wir bislang beim F-Type bemängelt haben. Auch übrigens die latente Taubheit seiner Lenkung. Zackig lenkt der Zweisitzer ein, lässt sich punktgenau in der Kurve platzieren, bleibt sauber auf der Ideallinie, stützt sich im Scheitelpunkt ab und stemmt sich vehement auf die nächste Gerade. Spätestens im Sportmodus der Traktionskontrolle hat der Fahrer dabei alle Freiheiten, die sich auf öffentlicher Straße ausleben lassen. Und dank der jetzt rückmeldungsfreundlichen Lenkung gehen Korrekturen quasi mit Links – der untere Teil der Lenksäule ist neu und steifer als bisher.

700 Nm zum Driften, 575 PS gut fürs Ohr

Und das Bedürfnis des bisherigen F-Type R, nach dem Scheitelpunkt die drehmomentüberlastete Hinterachse raushängen zu lassen? Das ist der Option gewichen, die 700 Nm (plus 20) auf der Rennstrecke zum bewusst eingeleiteten Drift zu gebrauchen – falls gewünscht. Trotz Aufladung hängt der Fünfliter dabei sahnig am Gas und seine 575 PS lassen sich wirkungsvoll dosieren. Volllast untermalt der Kompressor-Achtzylinder mit dem typischen, jetzt noch einmal nachdrücklicher vorgetragenen V8-Geschreddere.

Es bildet übrigens auch den Soundtrack der Landstraße: Beim Project 7 spült es deutlich mehr Luft und Sound herein als beim Cabrio. Der Rahmen der Frontscheibe wurde um 114 Millimeter gekürzt, passend dazu die Seitenscheiben; sie bleiben allerdings in der Versenkung – nur dann tritt der längst verloren geglaubte Roadster-Effekt ein: Der Fahrtwind schwallt geradezu in den Innenraum, ohne dass es allerdings unangenehm zieht; der Luftstrom scheint optimal geglättet.

Preis rauf, Stückzahl runter

Die 20 deutschen Kunden, die noch in diesem Sommer einen der auf 250 Stück limitierten und 155.000 Euro teuren Project 7 erhalten werden, dürften vorwiegend offen unterwegs sein. Auch weil das mitgelieferte- Stoffdach nur bis 120 Meilen zugelassen und weil es Aufzuziehen eine nervtötende Fummelei ist. Bevor man den Project 7 aus der Garage holt, schadet also ein Blick auf die Wettervorhersage nicht.

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