Jaguar XK

Air-Jag

Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

Die Leichtmetall-Bauweise kennzeichnet den neuen Jaguar XK, der zwei Autos in einem sein will: Sportwagen und Luxustourer in einem. Es gibt ihn wieder als Coupé und als Cabrio, das beim Vorgänger die Mehrzahl der Kunden bevorzugte.

Es ist ein Kreuz mit den modernen Autos. Nicht der geradlinige Charakter ist gefragt, sondern die zwiespältige Persönlichkeit – Crossover sagt man dazu heute. Dieses Wort nimmt bei Jaguar zwar niemand in den Mund. Aber trotzdem will der neue XK zwei Autos sein: Sportwagen und Luxustourer in einem.

Moment mal. Was ist daran, jaguarhistorisch betrachtet, eigentlich neu? Gar nichts. Schon die späte Generation des als puristischer Sportwagen gestarteten E-Type folgte diesem Weg, der weit weniger attraktive, aber extrem zählebige XJ-S (1975 bis 1996) driftete noch mehr in Richtung Komfort ab. Mit dem XK8 kam wieder mehr Sport dazu.

Und jetzt gibt es die am trefflichsten abgestimmte Mischung zu schmecken. Voilà, der neue XK. Er ist, gottlob, stilistisch wieder ganz Jaguar. Dafür sprechen nicht nur der vordere Kühllufteinlass, sondern auch die starken Karosserie-Einzüge vorn und hinten. Aber er wirkt kantiger und muskulöser als sein Vorgänger. Das vordere Kennzeichen stört nicht mehr die Linie. Wobei die dafür vorgesehene Fläche in erster Linie dazu dient, die Knochen von Fußgängern zu schonen. Denn im Fußgängerschutz ist der Jaguar schon ganz weit. So schnellt seine Motorhaube beim Aufprall – pyrotechnisch abgefeuert – nach oben, um Abstand zu schaffen zum unnachgiebig harten Motorgehäuse. Crash-Bestwerte für die Insassen werden ebenfalls versprochen, was einer ganz neuen Karosseriestruktur zu verdanken ist. Der XK besteht jetzt komplett aus Aluminium. Bei der Konstruktion wurden auch Unfallreparaturen berücksichtigt – trotz teuren Alus bewegen sich die Kaskoeinstufungen des Jaguar deshalb auf dem Niveau der Konkurrenz von Mercedes SL und BMW Sechser.

Ganz erheblich leichter als diese beiden ist er dank seiner speziellen Konstruktion ohnehin. Die komplette Karosserie wiegt nur 345 Kilogramm (SL 425 kg, BMW 420 kg). Für das fahrbereite Cabrio inklusive Fahrer nennt der Hersteller 1735 Kilogramm, womit wieder die Sport-Komponente ins Spiel kommt. Wer Dampf durch Gewichtsreduzierung macht, ist allemal auf einem besseren Weg als der, der die Leistung nach oben schraubt. Beim ersten Ausritt fallen zunächst zwei Dinge auf.

Die Karosserie zeigt auch auf erschütternden Straßen eine verwindungs- und klapperfreie Steifigkeit – nicht nur beim Coupé, sondern auch beim Cabrio. Da zahlt es sich aus, dass der XK nicht als Coupé konzipiert und anschließend aufgeschnitten wurde. Aller XK Anfang war das Cabrio.

Die hohe Steifigkeit sorgt für ein sehr präzises Fahrverhalten. Der Jag wankt und schwankt nicht, er fährt präzise dahin, wohin ihn der Fahrer lenkt, und kann in Kurven ohne Aufhebens extrem schnell sein. Das Ganze ist wie das präzise Führen eines Skalpells – die Fingerspitzen genügen, um dem XK die Richtung zu weisen. Das spielerische Handling bedeutet einen klaren Fortschritt zum Vormodell. Sportlichkeit steckt jetzt genügend im Jaguar, wenngleich er immer noch ein Auto geblieben ist, mit dem man lieber schnell an die Côte d’Azur fahren möchte als schnell um den Nürburgring. Denn er ist auch deutlich reisetauglicher geworden. Dazu trägt in erster Linie das spürbar verbesserte Platzangebot bei. Die intime Sitznischen-Enge, von Jaguar- Aficionados in Ermangelung besserer Argumente immer als Bestandteil des Marken-Charakters beschrieben, ist einem zeitgemäß luftigen Raumgefühl gewichen. Und die Sitze sind keine Kinderstühlchem mehr, sondern bequeme, üppig dimensionierte Sessel.

Auch über eine viel zu hohe, wenig sportliche Sitzposition wird sich niemand mehr beklagen müssen. Die hinteren Notsitze indessen sind so unbrauchbar wie eh und je. Aber die Kundschaft, so haben Umfragen ergeben, will sie lieber als eine Gepäckablage. Sei’s drum. Die hohe Präzision der Fahreigenschaften wurde im Übrigen nicht durch Zugeständnisse an den Federungskomfort erkauft, wie das oft üblich ist. Der Jaguar schnürt nach wie vor so geschmeidig dahin wie die Großkatze, die ihm ihren Namen gegeben hat. Selbst bei langsamer Fahrt werden Bodenunebenheiten von den Schraubenfedern bereitwillig verschluckt. Das gelassene Cruisen wird insbesondere im geöffnetem Cabrio zum Genuss.

Denn die Jaguar-Techniker haben viel Arbeit in die Entwicklung der Klänge gesteckt, die der Achtzylinder unter der vorderen Haube beim Ein- und Ausatmen produziert. Besonders beim Ausatmen. Im unteren Drehzahlbereich blubbert es höchst vergnüglich aus den beiden Auspuffrohren – sehr V8-mäßig, wobei die Verantwortlichen betonen, es solle britischer und nicht amerikanischer V8-Sound sein. Der Autor, erklärter Freund der US-Melodie, hält sich da raus und behauptet: Es klingt wie ein Motorboot der ganz teuren Sorte.

Beim Ausdrehen wird der Klang aggressiv, aber nicht laut, und es zeigt sich, wie schon beim Fahrverhalten, der Vorteil des geringen Gewichts. Denn obwohl es sich beim Motor um die gleiche Maschine wie beim Vorgänger handelt, ist der Schub spürbar eindrucksvoller. Der XK geht fast so gut wie der bisherige XKR mit Kompressor. Das reicht – und wenn doch nicht: Ein R-Nachfolger kommt Ende des Jahres. Die sehr gut abgestimmte Sechsgang- Automatik von ZF lässt sich jetzt auch mit Paddeln am Lenkrad manuell schalten.

Man braucht das nicht wirklich, weil Position D die Bedürfnisse des komfortorientierten und S die des sportlichen Fahrers nahezu perfekt erfüllt.

Aber es macht Spaß – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Schaltzeiten extrem kurz sind und beim Herunterschalten ein Schuss Zwischengas nach außen hin den Könner verkündet. Der kann jetzt langsam das Geld locker machen: Ab Ende März steht der Jaguar bei den Händlern.

Zur Startseite
Technische Daten
Jaguar XK8 Cabrio
Grundpreis 81.080 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4776 x 1829 x 1306 mm
KofferraumvolumenVDA 307 l
Hubraum / Motor 4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 219 kW / 298 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Ein Tag auf dem Stellplatz So geht Stellplatz Hinter den Kulissen in Bad Dürrheim Truma adv. Gasregler/-filter Truma Neuheiten Neue Gasregler und Gasfilter
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Camping Tiroler Zugspitze Campingplatz-Tipp Zugspitze Camping an der Zugspitze
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?