auto motor und sport im neuen Design
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Jaguar XK Cabrio

Jag-Revier

Foto: Charlie Magee 10 Bilder

Der neue XK ist leichter, sicherer und geräumiger. Aber es kommt noch besser: Jaguar verspricht deutlich mehr Sprungkraft gepaart mit sportlichem Talent. Erste Eindrücke mit dem Cabrio.

Enttäuscht vom Aussehen des neuen XK? Nicht schön genug für einen Jaguar? Dann erst mal abwarten, Tee trinken, die Sache auf sich wirken lassen. „Schönheit ist nach drei Tagen genauso langweilig wie Tugend“, die Weisheit von George Bernhard Shaw lässt sich auch auf Autos anwenden. Der spontane Reiz ist oft ein flüchtiger, wahre Designkunst zeigt sich in dauerhaftem Fluidum.

Sicher, über Details kann man streiten. Aber so wie er jetzt und hier an der Linse des Fotografen vorbeirauscht, wird die vom Hersteller beabsichtigte Wirkung spürbar. Der Vorgänger war eleganter, aber der Neue lässt die Muskeln spielen – mehr Sportskanone als Lounge-Lizzard. Foto-Objekt ist das Cabrio, im April des nächsten Jahres wird es gleichzeitig mit dem XK Coupé in den Schaufenstern der Händler auftauchen. Dort soll es vor allem Kunden ansprechen, die ansonsten in Richtung Mercedes SL oder BMW 650i Cabrio tendieren.

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1.000 Interessenten pro Jahr sollen schwach werden.

In diesem Umfeld dürften die Reize des neuen XK auf jeden Fall zur verlockenden Alternative ausreichen. Rund 1.000 Interessenten sollen pro Jahr schwach werden, Exklusivität ist also im Preis inbegriffen. Was bekommt man sonst für die stattliche Summe von voraussichtlich 80.000 bis 90.000 Euro? Kein Blechdach-Convertible jedenfalls: Den XK überspannt nach wie vor dreilagiges Tuch, immer noch die stilvollste Art, Cabrio-Insassen vor den Elementen zu schützen.

Vornehm auch das schmale Heckfenster, das die von Cabrio-Connaisseuren geschätzte Schummrigkeit im geschlossenen Cockpit garantiert. Darf es mehr Licht und Luft sein, verschwindet die schicke Jaguar-Kapuze auf Knopfdruck unter einer festen Abdeckung; das dauert nur 18 Sekunden. Die bisher notwendige Fummelei mit der losen Persenning ist also passé.

Unterwegs belässt es der offene XK dann bei einer dezenten Umfächelung, was der anvisierten Kundschaft recht sein dürfte. Selbst ohne Windschott ist die Gefahr, anschließend mit einer Helikopter-Frisur auszusteigen, gering. Aber auch sonst bleibt das Fahren im XK eine gepflegte Angelegenheit: Er mag sportlicher auftreten als sein Vorgänger, aber der Komfort kommt – die erste Ausfahrt lässt es ahnen – keinesfalls zu kurz.

Beifahrer müssen sich am Sitz festkrallen.

Am Lenkrad arbeitet Mike Cross, im Entwicklungsteam von Jaguar der Mann für die Feinheiten. Journalisten ist der Zugang zum Fahrersitz vorerst noch verwehrt, aber Mister Sideways, wie Cross wegen seiner Vorliebe, extrem quer um Kurven zu fahren, gern genannt wird, führt schon mal vor, worauf es ihm ankommt. „Entwicklungsziel war das Handling eines Sportwagens kombiniert mit den Langstreckenqualitäten eines GT“, erläutert Cross ganz pauschal, während er mit leicht heraushängendem Wagenheck (dank zweistufigem ESP) die kurvenreichen Passagen der Teststrecke meistert.

Scheint gelungen. Jedenfalls gehorcht die jüngste Katze ihrem Dompteur stracks und durchtrainiert. Umso mehr stört die Abwesenheit von Haltegriffen. Beifahrer müssen sich am Sitz festkrallen, da hilft dann auch der verbesserte Seitenhalt wenig. Eine Wohltat hingegen die normalisierten Platzverhältnisse: Im neuen XK braucht man nicht mehr verkrampft in der Nische zu kauern, man darf sich entspannt ausstrecken. Im Fond bleibt es bei Notsitzen, dahinter erstreckt sich ein 313 Liter fassender Kofferraum (Coupé: 330 Liter). Sachlich in Ordnung, aber für einen Jaguar etwas banal das Cockpitdesign – da könnte eine Prise Exotik nicht schaden.

Wohltat Nummer zwei: Auch auf bombierten Straßen bleibt der offene XK die Ruhe selbst. Kein Rütteln, kein Schütteln – die PR-Botschaft, das steifste Cabrio dieser Klasse auf die Räder gestellt zu haben, erscheint glaubwürdig. Nicht minder stolz ist man bei Jaguar auf das Gewicht: Mit 1,63 Tonnen ist das Auto dank Alukarosserie 170 Kilogramm leichter als der Vorgänger, noch größer sei die Differenz zur Konkurrenz von BMW und Mercedes. Das ehrt und sorgt dafür, dass der nur wenig veränderte 4,2-Liter-V8- Motor plötzlich viel kräftiger wirkt. 298 Sauger-PS genügen, um den neuen XK fast so vehement anzutreiben, wie die 395 Kompressor-PS den alten XKR, wobei die Sechsgangautomatik mit manueller Schaltung am Lenkrad das ihre dazu beiträgt: Laut Jaguar sind die Schaltzeiten jetzt die kürzesten der Branche. Ebenso eifrig wurde an der Akustik gefeilt. Ein Ventil im Auspufftopf sowie weitere Kunstgriffe der Soundtechnik machen Musik, ohne ins Vulgäre abzugleiten: schön.

Noch schöner kommt es übrigens im Herbst 2006, wenn der XKR mit Kompressor-V8 antritt. Dann nämlich betören 420 PS die Sinne. Abwarten lohnt sich also. Teetrinken sowieso.

Technische Daten
Jaguar XK 4.2L V8 Cabrio
Grundpreis 93.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4791 x 1893 x 1329 mm
KofferraumvolumenVDA 283 l
Hubraum / Motor 4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 219 kW / 298 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,4 l/100 km
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